Wirtschaft

Ehrgeizige Ziele unerreichbar Wohnungsbau stockt massiv wegen Materialknappheit

Die Stornierungswelle beim Wohnungsneubau reißt nicht ab. Materialengpässe entspannen sich nur langsam, die Preise werden wohl weiter steigen. Das Ifo-Institut erteilt den "ehrgeizigen Neubauzielen der Bundesregierung" daher eine Absage.

Im Wohnungsbau werden laut Ifo-Umfragen seit April wegen der Materialengpässe viele Projekte gestrichen. Im Juni lag der Anteil der Unternehmen, die davon berichteten, bei 12,3 Prozent, im Juli bei 11,5 Prozent, wie das IFO-Institut in München mitteilte. "Explodierende Baukosten, höhere Zinsen und schlechtere Fördermöglichkeiten stellen mehr und mehr Projekte infrage. Wir beobachten seit April eine Stornierungswelle", erklärte IFO-Forscher Felix Leiss. "Die ehrgeizigen Neubauziele der Bundesregierung rücken damit in weite Ferne."

Die Materialengpässe - die sich mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine drastisch verschärft hatten - entspannen sich den Angaben zufolge nur langsam. Im Juli klagten noch immer 45,6 Prozent der Betriebe im Wohnungsbau über Lieferprobleme. Im Vormonat hatte der Anteil sogar bei 47,6 Prozent gelegen. "Infolge der Knappheit und der hohen Energiekosten haben sich viele Baustoffe erheblich verteuert", sagte Leiss. "Die Bauunternehmen mussten daher selbst immer wieder an der Preisschraube drehen."

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Die Entwicklung verliert aktuell zwar etwas an Schwung. Dennoch rechnen immer noch sehr viele Befragte mit neuerlichen Preisanpassungen in den kommenden Monaten: Das Barometer für die Preiserwartungen lag bei 54,0 Punkten, nach 61,5 Punkten im Vormonat. "Gleichzeitig belasten aber die höheren Zinsen und im Wohnungsbau auch die eingeschränkten Fördermöglichkeiten die Nachfrage nach Bauleistungen", sagte Leiss. "Am Bau kippt die Stimmung", sagte Leiss. Für das kommende halbe Jahr befürchteten sehr viele Unternehmen Geschäftsrückgänge.

Die regierende Ampel-Koalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, dass in Deutschland jährlich 400.000 neue Wohnungen gebaut werden. 100.000 davon sollen Sozialwohnungen sein. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt 293.000 neue Wohnungen gebaut, ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent.

Quelle: ntv.de, ara/AFP/rts

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