Wirtschaft

Höhere US-Zinsen beflügeln Dollar Yellen schickt Euro Richtung Parität

Die US-Zinserhöhung kommt nicht unerwartet. Überraschend ist aber die Aussicht auf drei weitere Anhebungen im kommenden Jahr. Der Euro gerät mächtig unter Druck - und könnte noch weiter fallen.

Der Euro hat am Donnerstag seine deutlichen Verluste vom Mittwoch ausgeweitet. Die Gemeinschaftswährung kostete im Tagestief 1,0404 Dollar. Am Nachmittag lag der Euro dann bei 1,0410 Dollar. Das entsprach einem Abschlag von 1,0 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag noch auf 1,0644 Dollar festgesetzt.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,11

Auslöser der Euro-Verluste war die US-amerikanische Geldpolitik. Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwochabend ihren Leitzins zum zweiten Mal nach der Finanzkrise erhöht und für 2017 ein höheres Straffungstempo angedeutet. Statt der erwarteten zwei Zinsschritte könnte es nun bis zu drei Anhebungen geben. Der Dollar legte daraufhin stark zu. Der Dollar-Index, der die US-Währung ins Verhältnis zu anderen wichtigen Devisen setzt, stieg am heutigen Donnerstag auf den höchsten Stand seit 14 Jahren.

"Die Debatte, ob, wie und wann die Notenbanken die Zügel wieder anziehen könnten, nimmt Fahrt auf", fasste Deutsche-Bank-Anlagestratege Ulrich Stephan zusammen. Die Aussagen von Fed-Chefin Yellen seien als erste Reaktion auf den künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu interpretieren. Dieser habe die Inflationserwartungen mit seinen Steuer- und Investitionsversprechen getrieben. Ob Trumps Politik zu einer Verschärfung der geldpolitischen Gangart führt, ließ Yellen selbst jedoch offen.

"Bis es klare Signale geben wird, dass Trumps Politik nicht machbar ist, wird es schwierig sein, gegen den Strom zu schwimmen und sich gegen den Dollar zu stellen", sagte Devisenexperte Koji Fukaya vom Handelshaus FPG Securities. Für den Euro könnte sich das charttechnische Bild nach einem Fall unter 1,0460 Dollar weiter eintrüben, sagten die Analysten der Helaba. "Dann wäre ein Test der Parität möglich."

An den Devisenmärkten gerieten nach dem Fed-Entscheid vor allem auch Währungen aus Schwellenländern wie der chinesische Yuan oder die türkische Lira unter Druck. Anleger fürchten, dass Investoren Kapital abziehen und in den Dollar-Raum verlagern werden.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/dpa

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