Wirtschaft

Investitionen in Gefahr Zollstreit lässt Firmen zögern

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Das verarbeitende Gewerbe ist nicht gut in das Jahr gestartet. Die globalen Risiken ließen viele Hoffnungen schwinden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Internationale Handelskonflikte, der Unionszwist und die neue Regierung in Italien verunsichern deutsche Unternehmen. Experten zufolge macht sich das inzwischen auch in der Investitionsbereitschaft vieler Firmen bemerkbar.

Die vor allem von US-Präsident Donald Trump angeheizten internationalen Handelskonflikte sorgen nach Einschätzung von Konjunktur- und Arbeitsmarktexperten bei vielen deutschen Unternehmen zunehmend für Verunsicherung. Der Zollstreit mit China, der Europäischen Union und anderen Ländern lasse Firmenchefs bei Investitionen zögern, erklärten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Befragung. Potenzielle Investoren blicken demnach auch mit Sorge auf die Streitigkeiten in der Bundesregierung zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU - auch wenn der Zwist sich nicht unmittelbar auf die deutsche Wirtschaft auswirke.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt sich den Ökonomen zufolge noch unberührt von den Sorgen. Dafür seien vor allem volle Auftragsbücher und eine robuste Binnenwirtschaft verantwortlich, erklärte etwa Michael Holstein von der DZ-Bank. "Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin positiv, verliert aber etwas an Fahrt." Im Juni dürften den Schätzungen der Experten zufolge rund 2,28 Millionen Menschen ohne Job gewesen sein. Das wären etwa 36.000 weniger als im Mai und rund 194.000 weniger als vor einem Jahr.

Die gute Stimmung im Dienstleistungssektor sorge für einen Abbau von Arbeitslosigkeit, meinte Deutsche-Bank-Volkswirt Marc Schattenberg. "Vor allem beim Bau ist die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch." Die warmen Temperaturen kurbelten unter anderem auch die Nachfrage in der Gastronomie an. Das verarbeitende Gewerbe sei dagegen nicht gut in das Jahr gestartet, hieß es bei den Experten.

Noch zu Jahresbeginn hatten viele Volkswirte geradezu euphorisch auf die kommenden zwölf Monate geblickt. Doch die globalen Risiken ließen viele Hoffnungen schwinden. "Die Exporterwartungen sinken schon seit einigen Monaten", sagte Holstein. Zentrales Thema dabei seien die Handelskonflikte.

Vergangene Woche hatte der Autobauer Daimler seine Gewinnprognose für das laufende Jahr wegen voraussichtlich steigender Zölle in China für Importautos aus den USA gesenkt. Die USA und China steuern mittlerweile auf einen handfesten Handelskrieg zu. Daimler produziert in den Vereinigten Staaten auch Autos für den Weltmarkt.

Doch auch die Zweifel am Stabilitätskurs Italiens unter der neuen populistischen Regierung wertete KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner als großen Unsicherheitsfaktor. Die meisten Volkswirte halten dennoch an ihrer optimistischen Prognose fest: Für 2018 rechnen sie mit einem durchschnittlichen Rückgang der Arbeitslosenzahl um 100.000 bis 170.000 auf 2,3 bis 2,35 Millionen. Nach Ansicht von Zeuner könnte die Arbeitslosenquote zum Jahresende erstmals seit der Wiedervereinigung sogar die 5-Prozent-Marke unterschreiten. Die offiziellen Juni-Zahlen gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Freitag (29. Juni) bekannt.

Quelle: ntv.de, jki/dpa