"DAX-Anleger feiern die Zinspause" - aber …
Die DAX-Anleger haben mit Erleichterung auf die Zinsanhebungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert. Der deutsche Börsenleitindex schließt 1,7 Prozent fester mit 16.406 Punkten und damit nahe des Allzeithochs von 16.427. Auch an der Wall Street klettern die Kurse zunächst.
Die EZB und die Fed beschlossen bei ihren Sitzungen am Donnerstag und Mittwoch, die Schlüsselsätze um ein Viertel Prozentpunkt anzuheben. Knapp 80 beziehungsweise 60 Prozent der Investoren gehen derzeit davon aus, dass die Zinsen der beiden Notenbanken nun zunächst konstant bleiben. "Wenn diese Woche der geldpolitischen Entscheidungen eines gezeigt hat, dann ist es das, dass der Zinsgipfel erreicht ist", sagt Jochen Stanzl, Chefanalyst vom Broker CMC Markets. "Es könnte zumindest die Fed mit wehenden Fahnen als Sieger vom Platz gehen, wenn die Wirtschaft gerade noch so an einer Rezession vorbeischrammt und die Inflation trotz späten Handelns besiegt werden konnte."
Mit ihrem Zins-Marathon hat die Fed die Teuerungsrate bereits auf 3,0 Prozent gedrückt und damit in Sichtweite des Fed-Ziels von 2,0 Prozent. Die Kerninflationsrate im Euroraum liegt dagegen bei 5,5 Prozent. Daher zeigen sich die Analysten vorsichtig. "Es ist gut, dass sich die EZB die Möglichkeit offen gelassen hat, ihre Zinsen weiter anzuheben", so Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. "Denn ein Einlagensatz von 3,75 Prozent steht noch nicht für eine ausgeprägt restriktive Geldpolitik, die mit Blick auf die deutlich gestiegenen Inflationserwartungen notwendig ist."
Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von April bis Juni aufs Jahr hochgerechnet um 2,4 Prozent zu. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich ein Plus von 1,8 Prozent erwartet.
"Der DAX zieht wieder Richtung Jahreshoch", kommentiert ntv-Börsenkorrespondentin Sussanne Althoff. "Die DAX-Anleger feiern die Zinspause. Aber die hat die EZB-Präsidentin gar nicht verkündet", erläutert sie. "Daneben lag das Augenmerk der Investoren auf der Berichtssaison. Unter anderem haben die Autokonzerne Volkswagen und Mercedes-Benz Zahlen vorgelegt."
Schwerer taten sich die Investoren mit der Bewertung der Autobilanzen. Vor allem Volkswagen muss mit einem Abschlag von mehr als zwei Prozent im DAX Federn lassen. Der Konzern hat das operative Ergebnis im zweiten Quartal dank abnehmender Lieferengpässe zwar kräftig gesteigert, ist wegen der unsicheren Konjunktur bei seiner Absatzprognose aber vorsichtiger geworden. Die Titel vom Mercedes-Benz legen dagegen knapp viert Prozent zu. Nach einem deutlichen Ergebnisanstieg im zweiten Quartal hob der Dax-Konzern das Gewinnziel für das laufende Jahr an.
Heidelberg Materials punktete mit einer Gewinnsteigerung und der Erhöhung des Jahresziels. Die Aktien notierten 5,7 Prozent fester. Auch die Chipwerte erwischten einen guten Tag: Infineon gewinnen etwa fünf Prozent, nachdem der Chiphersteller STMicroelectronics Umsatzzahlen über den Erwartungen vorgelegt hatte.
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Automobilgeschäft pusht Chipkonzern
STMicroelectronics hat im zweiten Quartal Umsatz und Gewinne gesteigert und dabei von der guten Entwicklung in seinem Autogeschäft profitiert. Wie der Schweizer Chiphersteller mitteilt, stieg der Nettogewinn im Dreimonatszeitraum per Ende Juni auf 1,00 Milliarden US-Dollar von 867 Millionen im Vorjahresquartal.
Der Umsatz legte um 13 Prozent zu auf 4,33 Milliarden Dollar, im Automobilgeschäft betrug der Anstieg 34 Prozent. Die Umsätze im Microcontrollers-Segment stiegen ebenfalls, obwohl das Wachstum teilweise durch niedrigere Umsätze im Bereich Personal Electronics gebremst wurde, so STMicroelectronics.
Der Bruttogewinn kletterte um 16,5 Prozent auf 2,12 Milliarden US-Dollar. Sowohl die Brutto- als auch die operative Marge verbesserte sich im Vorjahresvergleich, auf 49,0 bzw 26,5 Prozent.
Sinkende Preise brocken Total und Shell Gewinneinbrüche ein
Die weltweit gefallenen Rohstoffpreise haben Spuren in den Bilanzen der Energiekonzerne Shell und TotalEnergies hinterlassen. Nach den Rekordgewinnen im Vorjahr halbierten sich die Ergebnisse im zweiten Quartal bei beiden Unternehmen auf jeweils fünf Milliarden Dollar, wie die Konzerne mitteilen. Die Zahlen blieben hinter den Erwartungen der Analysten zurück, die Aktien notierten jeweils im Minus.
Dem französischen Energiekonzern TotalEnergies machten insbesondere niedrigere Erdgaspreise und geringere Raffineriemargen in Europa zu schaffen. Bemerkbar machten sich vor allem höhere chinesische Exporte und die Tatsache, dass Russland nach dem Öl-Embargo der Europäischen Union recht zügige neue Käufer gefunden habe, erläutert der Energieriese. An seinen für das dritte Quartal angekündigten Aktienrückkäufen im Volumen von rund zwei Milliarden Dollar hält das Unternehmen dennoch fest.
Der britische Ölriese Shell tritt aufgrund der gesunkenen Öl- und Gaspreise bei seinem geplanten Aktienrückkauf hingegen leicht auf die Bremse. In den nächsten drei Monaten will der Konzern Aktien im Wert von drei Milliarden Dollar zurückkaufen, nachdem es in den vorangegangenen drei Monaten 3,6 Milliarden Dollar waren. Im Juni hatte Shell angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte Aktien im Wert von mindestens fünf Milliarden Dollar zurückzukaufen.
Raumfahrtzulieferer startet Aktienrückkauf
Safran startet ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1 Milliarde Euro und erhöht seine Jahresprognose. In der ersten Jahreshälfte schaffte das Unternehmen einen Gewinn- und Umsatzanstieg, da sich der Narrowbody-Flugverkehr in einer starken Nachfrage nach Ersatzteilen niederschlug.
Der französische Luft- und Raumfahrtzulieferer meldet einen bereinigten Umsatz von 5,68 Milliarden Euro für die drei Monate bis zum 30. Juni, was einem Anstieg von 26,5 Prozent auf berichteter Basis und 27 Prozent auf organischer Basis entspricht. "Wir sind auf dem richtigen Weg, unsere Lieferverpflichtungen trotz der anhaltenden Herausforderungen in der Lieferkette zu erfüllen", sagt Vorstandschef Olivier Andries.
Das bereinigte, wiederkehrende Betriebsergebnis, eine vielbeachtete Kennzahl, die Posten wie Kapitalgewinne oder Wertminderungen ausschließt, belief sich im ersten Halbjahr auf 1,40 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 33 Prozent (berichtet) und 27,3 Prozent (organisch) entspricht. Der freie Cashflow fiel von 1,67 Milliarden auf 1,46 Milliarden Euro.
Samsung kürzt Chip-Produktion weiter
Der Elektronikkonzern Samsung will wegen der anhaltend mauen Nachfrage nach Halbleitern seine Produktionskürzungen fortsetzen. Bei bestimmten Produkten werde man den Output weiter anpassen, etwa bei NAND-Speicherchips, sagt Jaejune Kim, Vizechef von Samsungs Halbleitersparte. Weitere Details nannte er nicht. Konkurrent SK Hynix hatte am Mittwoch angekündigt, die NAND-Produktion um weitere fünf bis zehn Prozent zu kürzen. Nach dem Boom in der Corona-Pandemie, in der Menschen sich weltweit mit elektronischen Geräten für das Homeoffice oder den Zeitvertreib ausrüsteten, ist die Nachfrage nach solchen Komponenten eingebrochen.
Das zeigte sich auch in Samsungs detaillierteren Zahlen für das zweite Quartal: Die Halbleitersparte wies einen operativen Verlust von 4,36 Billionen Won - umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro - aus, nach einem Gewinn von 9,98 Billionen Won im Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres ging der Verlust immerhin etwas zurück. Auch im laufenden Quartal dürfte die Sparte rote Zahlen schreiben - Analysten gehen allerdings von einer Halbierung des Fehlbetrags auf 2,3 Billionen Won aus. Der südkoreanische Elektronikriese, der am Mittwoch sein jüngstes Modell eines faltbaren Smartphones vorstellte, hatte schon Anfang des Monats einen Einbruch des Konzerngewinns um 96 Prozent gemeldet.
Sartorius-Aktie wird zur DAX-Rakete
Mit Aufschlägen von 6,8 Prozent auf 379,50 Euro liegen Sartorius an der DAX-Spitze. Im Handel ist von technischen Käufen die Rede. Auslöser dürfte der Anstieg über die Marke von 360 Euro sein. An dieser Hürde war das Papier in der Vergangenheit mehrfach gescheitert. Potenzial wird bis 420 Euro gesehen.
Mercedes-Benz verlängert mit Källenius
Mercedes-Benz hat den Vertrag von Konzernchef Ola Källenius vorzeitig um fünf Jahre verlängert. Der Aufsichtsrat habe den 54-Jährigen bis zum Mai 2029 als Vorstandsvorsitzenden bestellt, teilt der Stuttgarter Autobauer mit. "Ola Källenius hat Mercedes-Benz für die Zukunft sehr gut aufgestellt", erklärt Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder. Der Konzern sei "fokussierter, resilienter und effizienter." Der derzeitige Vertrag wäre im Mai nächsten Jahres ausgelaufen. Der Aufsichtsrat verlängerte außerdem den Vertrag von Technikvorstand Markus Schäfer bis Mai 2026.
US-Anleger wetten auf Zinsgipfel
Die Erleichterung nach dem Fed-Entscheid und starken Zahlen der Facebook-Mutter Meta vom Mittwochabend hievt die Wall Street ins Plus. Der Dow-Jones-Index notiert zunächst 0,1 Prozent höher auf 35.559 Punkte. Der S&P-500 gewinnt 0,7 Prozent auf 4598 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq klettert 1,4 Prozent auf 14.319 Punkte.
Die US-Notenbank Fed hob den geldpolitischen Schlüsselsatz am Mittwochabend um einen viertel Prozentpunkt auf die neue Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent an. "Die Märkte sind im Aufwind, weil Fed-Chef Jerome Powell mit der gestrigen Zinserhöhung genau das lieferte, was alle erwartet hatten, und nichts allzu Strenges zu den künftigen Schritten sagte", erklärt Randy Frederick, Manager beim Brokerhaus Charles Schwab. Dabei könnte die jetzt vollzogene elfte Zinsanhebung nach Ansicht vieler Experten zugleich die letzte sein.
Für gute Laune sorgen auch die mit Spannung erwarteten Meta-Zahlen. Die Aktie des Technologie-Giganten klettern rund acht Prozent. Der Konzern rechnet für Juli bis September mit einem Umsatz zwischen 32 und 34,5 Milliarden Dollar. Analysten erwarteten im Schnitt bislang 31,3 Milliarden Dollar.
EZB läuft erneut Gefahr, Anschluss zu verlieren
Die Europäische Zentralbank (EZB) hält sich mit den Erläuterungen zur Zinserhöhung die Tür weit offen für weitere Zinsanhebungen. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski verweist für seine Einschätzung auf die Aussage der EZB, dass die Inflation zwar zurückgehe, aber "für einen längeren Zeitraum" über dem Zielwert bleibt, was nicht so klingt, als ob die EZB bereits bereit wäre, die Zinsen nicht mehr zu erhöhen. In der Tat laufe die EZB erneut Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Diesmal nicht, weil sie die Inflation zu niedrig ansetze, sondern weil sie zu optimistisch sei und die wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer eigenen politischen Maßnahmen zu niedrig einschätzt. Sie muss daher ihre Wachstums- und Inflationsprognose im September deutlich nach unten korrigieren.
US-Wirtschaft wächst schneller als gedacht
Trotz hoher Zinsen und Inflation läuft die US-Wirtschaft überraschend gut. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 2,4 Prozent zu, wie das US-Handelsministerium mitteilt. Experten hatten lediglich ein Plus von 1,8 Prozent erwartet, nach einem Zuwachs von 2,0 Prozent im ersten Vierteljahr.
"Das Wachstum zeigt noch keine Ermüdungserscheinungen, obwohl die Fed das Bremspedal kräftig durchgedrückt hat", sagt Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG mit Blick auf die Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. In der zweiten Jahreshälfte dürften zwar die konjunkturellen Bremsspuren sichtbarer werden. "Es sieht aber eher nach einer sanften Landung der US-Wirtschaft aus als nach einer Rezession", so Hepperle.
Wo sich Anleihen wieder lohnen
Zinserhöhungen und eine drohende Rezession sind derzeit die größten Herausforderungen für Börse und Anleger. Welche Wege es dazwischen gibt und in welchen Segmenten sich jetzt Anleihen wieder lohnen, darüber spricht Friedhelm Tilgen mit Patrick Diel vom ETF-Anbieter Xtrackers und dem Chef-Anlagestrategen der Deutschen Bank, Ulrich Stephan.
Weiterer EZB-Zinspfad datenabhängig
Die EZB hat wie erwartet die Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöht und unterstrichen, dass zukünftige Zinsentscheidungen datenabhängig sein werden. Mit Blick auf die Anleihekäufe der EZB, heißt es am Markt, dass die Reinvestitionen unter dem PEPP-Programm bis mindestens Ende 2024 fortgesetzt würden. Die EZB merkt allerdings an, dass bei den Reinvestitionen ein flexibles Vorgehen möglich sei. Von einer Erhöhung des Tempos der quantitaven Straffung ist keine Rede. Die Reaktion am Markt fällt moderat aus: Der DAX zieht minimal an, der Euro fällt auf 1,1084 Dollar, während der Bund-Future auf 133,46 leicht anzieht.
Euro / Dollar
Türkische Notenbank mit düsterer Vorhersage
Die türkische Zentralbank hat ihre Inflationsprognose mehr als verdoppelt. Am Jahresende dürfte die Teuerungsrate bei 58,0 Prozent liegen, sagt die neue Gouverneurin Hafize Gaye Erkan am Donnerstag auf ihrer ersten Pressekonferenz. Vor drei Monaten waren die Währungshüter von 22,3 Prozent ausgegangen. Für Ende 2024 wurde die Prognose von 8,8 auf 33 Prozent angehoben. Bis Ende 2025 soll die Inflationsrate auf 15 Prozent gesenkt werden - auch mit Hilfe von weiteren Zinserhöhungen.
"Solange sich die Inflationsaussichten nicht deutlich verbessert haben, werden wir die Geldpolitik bei Bedarf schrittweise straffen", so Erkan, eine ehemalige Wall-Street-Bankerin, die am 9. Juni zur Zentralbankchefin ernannt wurde. Sie machte die Lira-Schwäche mitverantwortlich für die notwendige Korrektur der Inflationserwartungen. Der schwache Wechselkurs treibe die Importpreise in die Höhe.
Experten: Fed hat Zinsgipfel erreicht
Die Commerzbank geht davon aus, dass die US-Notenbank den Zinsgipfel im aktuellen Zyklus erreicht hat. "Wir erwarten in den nächsten Monaten schwächere Konjunktur- und Inflationsdaten und sehen daher den Zinsgipfel als erreicht an", so die beiden Ökonomen Bernd Weidensteiner und Christoph Balz.
Fed-Chef Jerome Powell habe sich bei der Pressekonferenz beträchtliche Mühe gegeben, der Fed die Optionen auf weitere Zinsschritte offenzuhalten, sollten diese nötig sein. "Wir gehen allerdings davon aus, dass sich das Wachstum im zweiten Halbjahr deutlich abschwächt und erwarten eine leichte Rezession", erklären Weidensteiner und Balz. "Entsprechend halten wir das aktuelle Zinsniveau für den Zinsgipfel, zumal in den nächsten Monaten auch die wichtige Kerninflationsrate deutlich sinken sollte."
EZB hebt erneut Leitzins an
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihren Straffungskurs im Kampf gegen die hartnäckige Inflation fort. Sie hob auf ihrer Zinssitzung in Frankfurt die Schlüsselsätze wie im Juni um 0,25 Prozentpunkte an. Der an den Finanzmärkten richtungsweisende Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder erhalten, steigt somit von 3,50 auf 3,75 Prozent.
Siemens-Rivale erhöht Gewinnziel
Beim französischen Siemens-Konkurrenten Schneider Electric brummt das Geschäft. Das seit drei Monaten von dem früheren Siemens-Manager Peter Herweck geführte Unternehmen schraubte den Umsatz im ersten Halbjahr auf vergleichbarer Basis um 15 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro, vor allem dank eines Umsatzsprungs in Nordamerika, wie Schneider mitteilt. "Und wir haben den Auftragsbestand weiter erhöht", fügt Herweck hinzu. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) schnellte vergleichbar um 29 Prozent auf 3,17 Milliarden Euro, die operative Marge stieg auf 18,0 (17,3) Prozent. Schneider hat seine Schwerpunkte wie Siemens in der Automatisierung sowie der Infrastruktur- und Gebäudetechnik, weshalb Analysten die beiden Unternehmen gerne vergleichen.
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Wintershall-Gewinn bricht ein
Der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea hat im zweiten Quartal operativ fast ein Viertel weniger verdient. Das operative Ergebnis schrumpfte binnen Jahresfrist um 24 Prozent auf 975 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilt. Dabei hinterließ neben deutlich niedrigeren Öl- und Gaspreisen als noch im Vorjahr auch der Rückzug aus Russland Spuren. Wintershall Dea hatte im Januar das Aus seiner Geschäfte in dem Land angekündigt. Diese hatten zuletzt rund 50 Prozent der gesamten Produktion ausgemacht.
Für das laufende Jahr senkte Wintershall Dea das obere Ende seiner Produktionsprognose und erwartet nun eine Produktion von 325.000 bis 340.000 Barrel Öläquivalent (boe) pro Tag statt von 325.000 bis 350.0000 boe. Im vergangenen Jahr waren es 321.000 boe ohne Russland, inklusive kam der Konzern auf 597.000 boe. Von April bis Juni lag die Produktion bei 322.000 boe pro Tag.
Deutsche-Bank-Konkurrentin meldet Gewinnrückgang
Ein schwaches Wertpapier-Handelsgeschäft hat die Gewinne der französischen Großbank BNP Paribas im zweiten Quartal gedrückt. Die größte Bank der Eurozone übertraf mit ihren Quartalszahlen dennoch die Erwartungen der Börsianer. BNP Paribas erwirtschaftete im Zeitraum April bis Juni einen Nettogewinn von 2,81 Milliarden Euro - ein Rückgang von 4,9 Prozent binnen Jahresfrist. Analysten hatten nur mit 2,49 Milliarden Euro gerechnet. Starke Geschäfte in der Unternehmensfinanzierung und Kosteneinsparungen schoben die Ergebnisse an. Das Bankhaus bestätigte seine Ziele für das Jahr 2025.
An der Börse kann BNP Paribas mit den Quartalszahlen punkten. Der Kurs der BNP-Aktie legt zweitweise 2,4 Prozent auf 59,50 Euro zu.
Die Konzernerträge sanken im Quartal zwar ebenfalls um 1,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Aber auch damit übertraf die Bank die Schätzungen der Analysten. Auch die Risikovorsorge für Kreditausfälle fiel mit 689 Millionen Euro geringer aus als erwartet. In der Sparte Unternehmens- und institutionelles Banking (CIB) sanken die Erträge um 2,3 Prozent, wobei die Erträge im Anleihen-, Rohstoff-, und Währungs-Handel um 18,4 Prozent schrumpften. Dagegen kletterten die Erträge im Geschäft mit Anleihe-Emissionen, syndizierten Krediten und dem Cash-Management um 17,5 Prozent.
Fed übt sich im Spagat
Nach Ansicht von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der liechtensteinischen VP Bank, wollen die US-Notenbanker nicht zu entspannt wirken. "Würde die Fed zu früh signalisieren, dass das Zinshoch erreicht ist, könnten die Renditen im langlaufenden Bereich zu sehr nach unten gehen und die Aktienmärkte gleichzeitig ihre freundliche Tendenz fortsetzen", so Gitzel. "Die Finanzierungsbedingungen lockern sich dadurch weiter und laufen der Fed-Straffungspolitik entgegen. Gerade deshalb übt die Fed sich im Spagat."
Im August pausiert die Fed, die nächste Sitzung ist Mitte September. "Bis dahin sollte deutlich werden, dass die US-Wirtschaft sich deutlicher abschwächt", erklärt Gitzel. "Im September wird keine Notwendigkeit für weitere Zinsanhebungen mehr bestehen. Wir gehen davon aus, dass der Zinsgipfel erreicht ist."
Dow vor längster Gewinnserie seit 1987
Nach einer Nacht des Verarbeitens könnte die Wall Street nun doch noch verhalten positiv auf die Verlautbarungen der US-Notenbank vom Vortag reagieren. Der Aktienterminmarkt lässt auf einen etwas festeren Handelsbeginn am Kassamarkt schließen, wobei die technologielastige Nasdaq deutlich mehr Aufwärtsdynamik verbuchen dürfte. Der Dow schickt sich damit an, die Gewinnserie auf 14 Sitzungen in Folge auszubauen - es wäre die längste seit Januar 1987.
Die Fed hatte den Leitzins am Vortag wie erwartet um 25 Basispunkte erhöht, was aber längst eingepreist war. Wichtiger für die Börse ist aber, dass es kein klares Bekenntnis von US-Notenbankgouverneur Jerome Powell zu weiteren Zinsschritten gab. Er wollte diese zwar auch nicht ausschließen und verwies auf die künftigen Konjunkturdaten, letztlich bleibt der weitere Zinspfad schwer kalkulierbar. Damit herrscht zwar weiter Unsicherheit, ob der Zinsgipfel bereits erreicht ist, aber eine relative Gewissheit über eine weitere Erhöhung im September gibt es eben auch nicht. Offenbar reicht dies an der Wall Street für weitere Aufschläge.
"Das Fehlen falkenhafter Ergänzungen oder Optimierungen in der Erklärung zusammen mit der Pressekonferenz von Jerome Powell und des Wechsels der Wortwahl von "bescheidenem" zu "moderatem" Wachstum wurden zunächst als leicht positiv für risikoreiche Vermögenswerte gewertet", urteilen die HSBC-Analysten. Im Handel wird dies dahingehend positiv interpretiert, dass die Fed nicht mit einer Rezession rechnet.
Wacker Chemie verdient deutlich weniger
Wacker Chemie hat im zweiten Quartal nach den detaillierten Ergebnissen auch unter dem Strich deutlich weniger verdient. Nach Steuern blieb ein Gewinn von 119 Millionen Euro verglichen mit dem Vorjahreswert von 391 Millionen. Nach Steuern und Dritten betrug der Gewinn 2,40 Euro je Aktie nach 7,67 Euro im Vorjahr.
Wie der MDAX-Konzern mitteilte, erwirtschaftete er im Zeitraum April bis Juni vor Zinsen und Steuern (EBIT) einen operativen Gewinn von 153 Millionen Euro nach 529 Millionen Euro im Vorjahr. Nach den endgültigen Ergebnissen sank der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 59 Prozent auf 256Millionen Euro.
Pharma-Riese erwartet weniger Umsatz und Gewinn
Der Roche-Konzern hält nach den ersten sechs Monaten an seinem Jahresausblick fest und rechnet 2023 mit weniger Umsatz und Gewinn. Das Ende des Booms für Covid-Tests und -Arzneien schlägt beim Schweizer Arzneimittel- und Diagnostikhersteller durch. Corona-Produkte herausgerechnet, wird sowohl in der Pharma- als auch der Diagnostik-Sparte ein "solides Verkaufswachstum" erwartet, teilt das Unternehmen mit. Im ersten Halbjahr sanken die Verkaufserlöse unter Ausschluss von Wechselkurseffekten um zwei Prozent auf 29,78 Milliarden Franken. Der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn je Genusschein und Aktie ging etwas stärker um fünf Prozent auf 10,10 Franken zurück. Das entspricht den Vorgaben fürs gesamte Jahr.
Dudenhöffer: "Autowelt ordnet sich neu. Der neue Volkswagen könnte ein BYD sein"
Der neue Volkswagen ein chinesischer BYD? Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält das für sehr wahrscheinlich. Haben die deutschen Autobauer damit das Rennen um die Vormachtstellung auf dem Automarkt endgültig verloren?
Richtig ist: VW, BMW und Daimler sind mit ihrer E-Strategie krachend gescheitert. Seit Jahren fahren sie den E-Autobauern aus China erfolglos hinterher. Die Autowelt der Zukunft wird eine andere sein. Jetzt geht's um nicht weniger als ums nackte Überleben. Die deutsche Autoindustrie probt die Flucht nach vorn. Wie, lesen Sie hier:
VW hat bereits Nägel mit Köpfen gemacht! Um den Anschluss an die E-Mobilität zu finden, wurde eine langfristige Kooperation mit XPeng vereinbart.
Gegenwind für Nordex-Aktie
Trotz der Ertragswende im zweiten Quartal lassen Anleger Nordex fallen. Die Aktien des Windturbinenbauers fallen in der Spitze um 5,5 Prozent auf 12,27 Euro und sind damit schwächster MDax-Wert. Bei einem Umsatzanstieg auf 2,8 (Vorjahr: 2,1) Milliarden Euro erreichte das operative Ergebnis 0,6 Millionen Euro. Damit lag im ersten Halbjahr das Minus beim Ebitda bei 114,3 Millionen Euro nach einem Verlust von 173,3 Millionen vor Jahresfrist.
Metall-Recycler setzt auf zweites Halbjahr
Dem deutsch-spanischen Metall-Recycler Befesa haben hohe Kosten und ungünstige Rohstoffpreise zu schaffen gemacht. Der Umsatz im ersten Halbjahr stieg zwar um acht Prozent auf 615,5 Millionen Euro, wie Befesa mitteilt. Doch der Betriebsgewinn (bereinigtes EBITDA) fiel um 20 Prozent auf 94,7 Millionen Euro. Befesa setzt nun auf einer Erholung im zweiten Halbjahr und bekräftigte die Prognose, wonach der Betriebsgewinn 2023 bei 200 bis 230 Millionen Euro liegen soll. Das wären im schlechtesten Fall sieben Prozent weniger als 2022, im besten Fall sieben Prozent mehr. Im ersten Halbjahr hätten ungünstige Zink- und Aluminiumpreise, Schmelzlöhne und anhaltend hohe Kokskohlepreise das Unternehmen beeinträchtigt, sagt Vorstandschef Javier Molina. "Wir erwarten ein stärkeres zweites Halbjahr. Diese Annahme beruht auf einer erwarteten Erholung der Zinkpreise, einem weiteren Rückgang der Kokskohlepreise sowie einem höheren Volumen."
VWs E-Autos "sind einfach nicht besonders gut gemacht"
Die bisherigen E-Modelle von Volkswagen konnten laut Jürgen Pieper kaum überzeugen. Im Gespräch mit ntv bewertet der Experte die ambitionierten Pläne des Autoriesen und erläutert, welche Anforderungen ein Stromer für den chinesischen Markt erfüllen muss.
Gabelstapler gefragt - Kion erhöht Prognose erneut
Der Logistikausrüster Kion hat von einem besseren Geschäft rund um Gabelstapler profitiert und die Prognose erneut angehoben. Insbesondere wegen der besser funktionierenden Lieferketten sei der bereinigte Betriebsgewinn (EBIT) im ersten Halbjahr um 11,7 Prozent auf 348,3 Millionen Euro gestiegen, teilt das Unternehmen mit. Der Umsatz wuchs um 1,5 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang schrumpfte hingegen auf 5,3 Milliarden von 6,65 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Kion nun einen Umsatz von mindestens 11,4 Milliarden statt wie bisher 11,2 Milliarden Euro, das bereinigte Ebit soll bei mindestens 680 Millionen Euro liegen – nach bisher 615 Millionen Euro. Im April hatte Kion schon einmal die Prognose erhöht.
Logistikprobleme setzen VW zu
Bei Volkswagen wechseln sich die Probleme ab. "Wir bewegen uns nun von einem Engpass bei Chips zu einem Engpass beim Transport", sage Finanzchef Arno Antlitz. Es fehlten sowohl Züge als auch Lastwagenfahrer, und das nicht nur in Europa, sondern auch andernorts. So gebe es etwa Probleme, in Mexiko produzierte Fahrzeuge nach Nordamerika zu transportieren. Zuvor hatte bereits der US-Autobauer General Motors über Logistikprobleme geklagt.
Antlitz sagt, es seien Maßnahmen ergriffen worden, um die Engpässe zu beseitigen. Er sei daher zuversichtlich, dass Volkswagen die Prognose beim Mittelzufluss von sechs und acht Milliarden Euro in diesem Jahr erreichen werde, vermutlich aber eher am unteren Ende der Spanne. Die Auftragslage sei nach wie vor gut. Der Konzern habe allein in Europa noch Bestellungen für rund 1,65 Millionen Fahrzeuge in den Büchern, davon 200.000 Elektroautos. Das sei eine anormale Situation. Einerseits verfüge der Konzern über hohe Auftragsbestände, könne andererseits viele Fahrzeuge zum Teil nicht zu den Kunden bringen.
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Nordex schafft Ertragswende
Der Windturbinenbauer Nordex hat im zweiten Quartal die Ertragswende geschafft. Bei einem Umsatzanstieg auf 2,8 Milliarden Euro nach 2,1 Milliarden Euro im Vorjahr erreichte das operative Ergebnis 0,6 Millionen Euro, teilt der Konzern mit. Damit lag im ersten Halbjahr das Minus beim EBITDA bei 114,3 Millionen Euro nach einem Verlust von 173,3 Millionen vor Jahresfrist. Der Auftragsbestand summierte sich zur Jahresmitte auf 9,8 Milliarden Euro nach 9,7 Milliarden Euro im Vorjahr. "Unser Auftragseingang ist zu Beginn der zweiten Jahreshälfte weiterhin gut", erklärt Nordex-Chef José Luis Blanco.
Fed lässt Fenster für weitere Zinserhöhungen offen
Nach Einschätzung von Michael Heise, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters HQ Trust, hat die Fed ein Fenster für weitere Zinserhöhungen offen gelassen. "Es ist richtig, dass die Zentralbank kein Ende der Zinserhöhungen kommuniziert, bevor sich der Rückgang der Inflation als nachhaltig erweist", so Heise. "Denn die Preistendenzen bei der Kerninflation und die Lohnerhöhungen liegen trotz aller Fortschritte noch sehr deutlich über den Zielwerten der US-Notenbank. Eine erneute Fehleinschätzung der Inflationsdynamik würde Reputationsschäden nach sich ziehen."
An den Finanzmärkten dürfte die Hoffnung auf deutliche Zinssenkungen im Jahr 2024 einen weiteren Dämpfer erfahren. Konjunkturrisiken seien zwar vorhanden, aber die viel befürchtete Rezession sei auch nach dem aktuellen Zinsentscheid nicht in Sicht, meint Heise.
Deutscher Chip-Zulieferer präzisiert Prognosen
Der Chip-Zulieferer Siltronic rechnet in diesem Jahr mit einem kräftigen Umsatz- und Gewinnrückgang, will aber mehr Geld in den Ausbau der Kapazitäten stecken. Der Umsatz werde um 14 bis 19 Prozent unter dem Rekordwert des vergangenen Jahres von 1,8 Milliarden Euro liegen, teilt der Hersteller von Siliziumscheiben (Wafern) für die Chip-Produktion mit. Die Chiphersteller und deren Kunden hätten viel auf Lager und bestellten daher weniger. Die operative Umsatzrendite (EBITDA-Marge) soll noch 26 bis 30 Prozent erreichen, nachdem sie 2023 bei 37 Prozent lag. Bisher hatte sich Siltronic nur auf einen deutlichen Rückgang von Umsatz und Marge festgelegt.
Siltronic bereitet sich mit dem Bau einer neuen Fabrik in Singapur auf den nächsten Wachstumsschub vor. Sie soll Anfang 2024 den Betrieb aufnehmen. Deshalb sollen in diesem Jahr 1,3 Milliarden Euro für Investitionen ausgegeben werden, mehr als bisher geplant. "In diesem Geschäftsjahr werden wir den Peak unserer Investitionen erreichen. Die starke finanzielle und bilanzielle Position der Siltronic ist die Basis für den Ausbau unseres globalen Produktionsnetzwerks und damit für unser zukünftiges profitables Wachstum", sagt Finanzchefin Claudia Schmitt. 2024 sollen die Investitionen um mehr als die Hälfte zurückgehen.
Dollar tritt nach US-Zinsentscheid auf der Stelle
Nach dem Zins-Entscheid der US-Notenbank Fed kommt der Dollar kaum vom Fleck. Der Dollar-Index notiert nahezu verändert bei 100,9070 Punkten. Die Fed habe die Tür für weitere Zinserhöhungen zwar nicht geschlossen, aber viele Anleger stellten sich offenbar darauf ein, dass die Zinserhöhung vom Mittwochabend die letzte gewesen sein könnte, sagte Moh Siong Sim von der Bank of Singapore. Die US-Notenbank hob den geldpolitischen Schlüsselsatz um einen viertel Prozentpunkt an - auf die neue Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent. Der Euro notiert vor dem Zinsentscheid der EZB am frühen Nachmittag 0,1 Prozent fester 1,1094 Dollar.
Euro / Dollar o
DAX-Anleger gehen vor EZB in Vorlage
Der DAX startet etwas fester in den Handel. Der deutsche Börsenleitindex notiert aktuell 0,1 Prozent im Plus bei Kursen um 16.145 Punkte. "Nach der Fed warten die Anleger heute auf die Zinsentscheidung der EZB", kommentiert ntv-Börsenkorrespondentin Sabrina Marggraf. "Der Markt geht von einer Anhebung über 25 Basispunkte aus", erläutert sie. "Daneben gibt es auch zahlreiche Quartalsberichte von DAX-Konzernen."
Gewinne der chinesischen Industrie brechen ein
Die Gewinne der chinesischen Industrieunternehmen sind in der ersten Jahreshälfte eingebrochen. Sie fielen um 16,8 Prozent geringer aus als in den ersten sechs Monaten 2022. Im Juni allein war der Rückgang mit 8,3 Prozent allerdings nicht mehr so groß wie noch im Mai mit einem Minus von 12,6 Prozent. Die Industriegewinne "haben ihren Rückgang seit Jahresbeginn von Monat zu Monat verringert", teilte das Statistikamt in Peking mit.
Der Exportweltmeister kämpft mit einer schwachen globalen Konjunktur, wobei einige wichtige Absatzmärkte wie Deutschland sogar in einer Rezession stecken. Das drückt die Nachfrage nach Waren "Made in China".
Warten auf die EZB: DAX höher erwartet
Nach der Fed ist vor der EZB: Händler erwarten den DAX 0,3 Prozent höher bei 16.183 Punkten, auch der Euro-Stoxx-50 sollte etwas fester tendieren.
Nach Einschätzung von Michael Heise, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters HQ Trust, hat die Fed ein Fenster für weitere Zinserhöhungen offen gelassen. "Es ist richtig, dass die Zentralbank kein Ende der Zinserhöhungen kommuniziert, bevor sich der Rückgang der Inflation als nachhaltig erweist", schreibt Heise. Am Mittag dürfte die Europäische Zentralbank folgen und die Leitzinsen ebenfalls um 25 Basispunkte anheben.
Ähnlich wie bei der Fed bleibt jedoch die Frage, ob dann das Ende der Fahnenstange erreicht ist, oder ob es weitere Erhöhungen geben wird. Die EZB wird sich nach Einschätzung der Helaba ebenfalls alle Optionen offenhalten, um notfalls nochmals an der Zinsschraube drehen zu können.
Die Berichtssaison zum zweiten Quartal hat heute einen der Höhepunkte, aus dem Automobilsektor legten Mercedes, VW und Renault bereits Zahlen vor.
Händler: VW sieht nicht gut aus im Vergleich zu anderen Herstellern
Marktteilnehmer rechnen mit Druck auf VW nach ihren Quartalszahlen. "Vor allem im Vergleich mit General Motors, Stellantis und Renault sieht das ganz schlecht aus", sagt ein Händler. Denn während sich diese optimistisch zeigten, senkt VW die Absatzerwartung für 2023 und erwartet nur noch 9,0 bis 9,5 Millionen Fahrzeuge nach zuvor rund 9,5 Millionen. Auch die Margen im zweiten Quartal seien schwächer als erwartet, daher auch das operative Quartalsergebnis.
Vor diesem Hintergrund wirke auch der am Vortag bekanntgegebene Einstieg beim chinesischen Autohersteller Xpeng wie ein Eingeständnis, dass man es bei E-Autos nicht allein schaffe. Stützend auf VW wirke allerdings, dass die Jahresprognose bestätigt wurden. Vorbörslich notieren die Aktien 1,4 Prozent schwächer.
Telefonica nach Gewinnsprung optimistischer
Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat nach einem unerwartet hohen Quartalsgewinn seine Jahresziele präzisiert. Der Vorstand erwartet nun beim Umsatz ein Plus von vier Prozent und einen Anstieg des Gewinns um drei Prozent. Bislang hatte das Management ein "niedriges einstelliges" Wachstum prognostiziert.
Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um 0,9 Prozent auf 10,13 Milliarden Euro, der Nettogewinn schnellte um 44 Prozent auf 462 Millionen Euro in die Höhe. Analysten lagen mit ihren Gewinnschätzungen von 274 Millionen Euro deutlich darunter.
Renault mit Rekordmarge im ersten Halbjahr
Der französische Autobauer Renault hat dank höherer Preise und Einsparungen im ersten Halbjahr eine rekordhohe operative Marge vorgelegt. Mit 7,6 Prozent erreicht die operative Umsatzrendite bereits fast das Ziel von acht Prozent, das sich der Konzern für 2025 gesetzt hat.
Renault verzeichnete außerdem einen Nettogewinn von 2,12 Milliarden Euro, nachdem im ersten Halbjahr 2022 wegen der Schließung der russischen Niederlassungen noch ein Verlust von 1,68 Milliarden Euro angefallen war. "Unsere Fundamentaldaten waren noch nie so solide und robust", erklärte Vorstandschef Luca de Meo. Sie seien das Ergebnis kontinuierlicher Kostensenkungen und einer beispiellosen Produktoffensive.
Pralle Auftragbücher und höhere Jahresprognose: Anleger fliegen vorbörslich auf Aixtron
Prall gefüllte Orderbücher haben den Chip-Anlagenbauer Aixtron zuversichtlicher gestimmt. Der Vorstand hob seine Prognose für 2023 an und erwartet nun einen Umsatz zwischen 600 und 660 Millionen Euro statt 580 bis 640 Millionen.
Beim Auftragseingang rechnet die Firma mit 620 bis 700 Millionen Euro statt mit 600 bis 680 Millionen. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll indes unverändert 25 bis 27 Prozent erreichen. Im ersten Halbjahr stiegen die Bestellungen um zwölf Prozent auf 317,7 Millionen Euro und der Umsatz um 31 Prozent auf 250,7 Millionen Euro. Das Ebit schnellte um 53 Prozent auf 48,1 Millionen Euro. An der Börse kamen die Nachrichten gut an: Die Aktie stieg im frühen Handel um 3,6 Prozent
Verbraucher hoffen auf rückläufige Inflation - GfK-Konsumklima stabilisiert sich etwas
Angesichts der Hoffnung auf ein Abebben der Inflationswelle bessert sich die Laune der deutschen Verbraucher wieder. Die GfK-Konsumforscher sagen für August einen Anstieg ihres Barometers um 0,8 auf minus 24,4 Punkte voraus.
Ökonomen hatten lediglich mit einer Verbesserung auf minus 24,7 Zähler gerechnet. Aktuell trägt laut den Konsumforschern ausschließlich die Einkommenserwartung zur Verbesserung der Konsumstimmung bei. Diese stieg um 5,5 Zähler auf minus 5,1 Punkte: "Grund für den schwindenden Pessimismus ist vor allem die Hoffnung auf rückläufige Inflationsraten", erläuterte GfK-Experte Rolf Bürkl.
Nestle profitiert deutlich von Preiserhöhungen
Beim Nahrungsmittelriesen Nestle wächst die Zuversicht für das laufende Geschäftsjahr. Für 2023 rechnet Nestle nun mit einem organischem Umsatzwachstum von sieben bis acht statt von sechs bis acht Prozent. Im ersten Halbjahr lag das organische Wachstum bei 8,7 Prozent - dank Preiserhöhungen von 9,5 Prozent - mehr als Analysten erwartet hatten. Nestle peilt weiterhin eine operative Ergebnismarge von 17,0 bis 17,5 Prozent an. Im ersten Halbjahr lag sie bei 17,1 (Vorjahr: 16,9) Prozent.
"Für den Rest des Jahres sind wir zuversichtlich, eine positive Kombination von Volumen und Produktmix sowie eine verbesserte Bruttomarge erreichen zu können. Zudem wollen wir die Marketinginvestitionen deutlich erhöhen", soNestle-Chef Mark Schneider.
Heidelberg Materials steckt Flaute am Bau weg - Jahresziel angehoben
Der Baustoffkonzern Heidelberg Materials hat trotz schwacher Nachfrage privater Häuslebauer in Europa im zweiten Quartal den Gewinn kräftig gesteigert und hebt deshalb sein Jahresziel an. Von April bis Juni kletterten die Erlöse des Herstellers von Zement, Beton, Sand und Kies auf vergleichbarer Basis um 4,6 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte stärker zu um 17,5 Prozent auf 931 Millionen Euro, obwohl die Absatzmengen wie schon zum Jahresauftakt sanken.
Händler reagireten teils überrascht über die leicht erhöhte Prognose. "Angesichts der massiven Schrumpfung im Bausektor hatten nur Optimisten mit einer nochmaligen Erhöhung gerechnet", kommentiert einer Händler mit Blick auf das um fast 9 Prozent höher erwartete Jahresergebnis. Der Zementhersteller habe die Bauschwäche aber nach eigenen Angaben mit Infrastruktur-Projekten aufgefangen.
Volkswagen stutzt Verkaufsziele zurück
Europas größter Autokonzern Volkswagen hat angesichts des mauen Wirtschaftsumfelds seine Ziele für 2023 gekappt.
So sollen nun zwischen 9 und 9,5 Millionen Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert werden. Die Wolfsburger waren bisher von rund 9,5 Millionen Stück ausgegangen, nach 8,3 Millionen im Vorjahr. Branchenexperten hatten im Vorfeld bereits Zweifel angemeldet, ob VW das Ziel noch schaffen kann.
Im ersten Halbjahr hat der Konzern weltweit 4,4 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von knapp 13 Prozent. Beim Jahresumsatz bleibe VW allerdings voll auf Kurs, das gesteckte Ziel von 10 bis 15 Prozent Plus und damit 307 bis 321 Milliarden Euro zu erreichen, hieß es.
Hier die neuesten Entwicklungen bei VW:
Meta und Ebay bestimmen nachbörslichen Handel
Im nachbörslichen Handel hat wieder die Bilanzsaison das Geschehen bestimmt. Unter anderem hatten Ebay und Meta über den Verlauf des zweiten Quartals berichtet:
Ebay fielen nachbörslich um 4,5 Prozent. Der Betreiber des gleichnamigen Internet-Auktionshauses war in die Gewinnzone zurückgekehrt und hatte dabei die Erwartungen des Markts übertroffen. Die Gewinnprognose für das laufende Quartal habe jedoch enttäuscht, hieß es.
Meta verbesserten sich dagegen um 6,9 Prozent. Die Facebook-Mutter überraschte mit einem kräftigen Gewinnanstieg und einem überzeugenden Ausblick.
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Schwierigem Umfeld getrotzt: Mercedes-Benz hängt die Latte höher
Der Autobauer Mercedes-Benz hält Absatz und Gewinn trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf hohem Niveau. Nach einem deutlichen Ergebnisanstieg im zweiten Quartal hob der Dax-Konzern das Gewinnziel für das laufende Jahr an.
Erwartet werde nun ein operatives Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres und nicht mehr leicht darunter. Die Eckdaten waren bereits am Vorabend per Pflichtmitteilung veröffentlicht worden. Von April bis Juni stieg der Umsatz um fünf Prozent auf 38,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis legte um acht Prozent auf knapp 5,0 Milliarden Euro zu. Das Konzernergebnis wuchs noch stärker um 14 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro.
"Wir erwarten, dass sich das Absatzmomentum der ersten sechs Monate auch im Rest des Jahres fortsetzen wird. Denn unser Angebot an begehrenswerten Produkten im Markt bleibt stark", erklärte Konzernchef Ola Källenius. Allerdings sei die Nachfrage in wichtigen Märkten weiterhin verhalten.
Asien-Börsen im Plus: Fed lindert Rezessionsängste, Xpeng und BYD gefragt
Überwiegend freundlich tendieren am Morgen die Aktienmärkte in Fernost, nachdem die US-Notenbank am späten Mittwoch den Leitzins wie weithin erwartet um 25 Basispunkte erhöht hat.
Zinssenkungen wird es nach Aussage von Jerome Powell, Chairman der Federal Reserve, in diesem Jahr noch nicht geben, allerdings sieht die Fed auch nicht mehr die Gefahr einer Rezession der US-Wirtschaft. Die Aussicht auf eine "weiche Landung" wird an den Börsen mit Erleichterung aufgenommen.
In Schanghai steigt der Composite-Index um 0,4 Prozent, in Hongkong legt der Hang-Seng-Index um 1,4 Prozent zu. Die chinesischen Börsen profitieren zusätzlich von der Hoffnung auf neue Wirtschaftsstimuli der Regierung in Peking. Gesucht sind Automobilwerte, nachdem Volkswagen die Investition von 700 Millionen US-Dollar in den Elektrofahrzeughersteller Xpeng bekanntgegeben hat. Die Aktie von Xpeng springt in Hongkong um 34 Prozent nach oben. BYD verbessern sich um 3,5 Prozent und Great Wall Motor um 6,6 Prozent.
In Tokio steigt der Nikkei-225-Index um 0,8 Prozent. Unter den Einzelwerten verlieren Advantest rund 2 Prozent in Reaktion auf die Geschäftszahlen, die der Ausrüster der Chipindustrie am Mittwoch nach Börsenschluss veröffentlich hat. Das Unternehmen hat einen Gewinneinbruch um 75 Prozent verzeichnet. Nach einer Gewinnwarnung geht es mit der Nissan-Aktie um 3,2 Prozent abwärts.
An der Börse in Seoul legt der Kospi um 0,7 Prozent zu. Schwergewicht Samsung Electronics stützt den Index mit einem Kursgewinn von 2,2 Prozent. Der Hersteller von Chips, Smartphones und Unterhaltungselektronik verbuchte zwar einen heftigen Gewinneinbruch im zweiten Quartal, schnitt dabei aber besser ab als befürchtet und stellte für das zweite Halbjahr eine Erholung in Aussicht. Die Ertragswende schon geschafft hat der Kosmetikhersteller Amorepacific, dessen Aktie um rund 11 Prozent steigt.
Das wird für den DAX heute wichtig
Nach einem Dämpfer hat sich der DAX am Vortag mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 16.131 Punkten aus dem Handel verabschiedet. Für die weitere Richtung dürften nun die Notenbanken die Impulse setzen, die Fed hat am Vorabend ihre Entscheidung verkündet, die EZB wird es heute Mittag tun. Am Freitag beendet die Bank of Japan den Reigen.
Volkswirte gehen davon aus, dass die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde die Zinsen das neunte Mal in Folge anheben werden. Erwartet wird eine Erhöhung des Einlagensatzes, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, um einen viertel Prozentpunkt auf dann 3,75 Prozent. Mit Spannung warten Beobachter darauf, ob Lagarde sich nach dem Zinsbeschluss auf der Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen äußert. Unter den Euro-Wächtern gab es zuletzt Stimmen, die mit Blick auf den jüngsten Rückgang der Inflation und die Rezessionssorgen für eine Zinspause bereits bei der September-Sitzung plädierten.
Bei den Einzeltiteln stehen derweil die Autobauer weiter im Fokus: Europas größtem Autobauer Volkswagen macht die schwache Nachfrage nach seinen Elektroautos in China zu schaffen, der Konzern fährt der Konkurrenz hinterher. Mit Spannung erwarten Experten daher die Quartalsbilanz und Informationen darüber, wie sich die Wolfsburger andernorts geschlagen haben. Interessant aus Investorensicht ist auch, wie sich der Konzern auf die kommenden Monate vorbereitet, wenn die Konjunktur unsicher bleibt und die Werke schwach ausgelastet sind. Im zweiten Quartal sah das Geschäft noch rosig aus, weil Volkswagen von den vollen Auftragsbüchern aus dem Vorjahr profitierte. Von Refinitiv befragte Analysten rechnen im Schnitt für die Zeit von April bis Juni mit einem Betriebsgewinn (EBIT) von sechs Milliarden Euro, ein Drittel mehr als vor Jahresfrist. Der Konzernumsatz dürfte um 14 Prozent auf 79,5 Milliarden Euro gestiegen sein.
Zahlen gibt es auch von Mercedes-Benz. Hier lautet die Frage: Kann die Marke mit dem Stern ihre Devise "Klasse statt Masse" auch bei einem trüberen Marktumfeld durchhalten? Der Stuttgarter Autobauer konzentriert sich auf hochpreisige Ober- und Luxusklassemodelle statt den Absatz mit günstigeren Kompaktmodellen anzukurbeln. Die Hauptsparte Cars soll mit dieser Strategie die Umsatzrendite auf vergleichsweise hohem Niveau von zwölf bis 14 Prozent halten. In dieser Woche räumte Konzernchef Ola Källenius gegenüber dem "Handelsblatt" ein, das Umfeld werde mit höheren Zinsen und sich abkühlender Weltwirtschaft auch für den DAX-Konzern härter. Mercedes werde aber nicht beim ersten Gegenwind umfallen und die Preise senken, um mehr Autos zu verkaufen. Für das zweite Quartal erwarten Analysten nach Daten von Refinitiv mit 4,85 Milliarden Euro fünf Prozent mehr Betriebsgewinn als im Vorjahreszeitraum.
Und, hier noch einmal für alle, die es verpasst haben: So lief es gestern an der Wall Street: