Ölpreisanstieg geht in die nächste Runde
Am Rohstoffmarkt legen die Ölpreise zu. So verteuert sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,7 Prozent auf 96,93 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notiert 0,7 Prozent fester bei 92,14 Dollar. Die Preise werden von geopolitischen Spannungen im Nahen Osten angetrieben, nachdem sich die USA und der Iran gegenseitige Angriffe auf Schiffe im Golf geliefert hatten. Teheran kündigt zudem an, in den kommenden Tagen eine Sperrzone außerhalb der Straße von Hormus einzurichten. Diese inflationären Impulse schüren am Markt die Erwartung, dass die Zentralbanken die Zinsen weiter anheben könnten.
"Die gute Nachricht, die niemand wollte"
Auf einen relativ ruhigen Handelstag stellen sich Händler an Europas Börsen ein. Mit dem US-Feiertag werde es am Nachmittag an Vorgaben fehlen. Diese seien angesichts der Diskussion um die US-Schuldenkrise und den Renditeanstieg derzeit extrem wichtig. Vor allem die weitere Entwicklung nach dem starken Arbeitsmarktbericht am Freitag stehe bei den US-Staatsanleihen im Fokus. Aktuell werden zehnjährige Papiere wieder über 4,78 Prozent gehandelt, eine Entspannung zeichnet sich hier nicht ab.
Der starke Arbeitsmarktbericht für August "ist die gute Nachricht, die niemand wollte", sagt Peter Graf, Chief Investment Officer bei Amova Asset Management Americas. "Er nimmt der Fed die glaubwürdigste Ausrede, die Zinsen im September nicht zu erhöhen". Volkswirte sehen Fed-Chef Kevin Warsh nun vor dem Dilemma stehen, die Zinsen erhöhen zu müssen, obwohl der US-Finanzminister gerade den Plan verkündet hatte, verstärkt über Kurzläufer finanzieren zu wollen. Eine Zinserhöhung würde damit direkt die Staatsverschuldung verteuern.
In Deutschland stehen mit dem Sentix-Index und der Industrieproduktion Konjunkturdaten im Blick. Diskutiert werde auch über den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt, Bedeutung für die Börse habe dieser jedoch nicht, heißt es.
Studien-Misserfolg belastet Novartis
Etwas leichter werden Novartis-Akien erwartet, nachdem eine Studie zu einem Cholesterin-Wirkstoff seine Ziele verfehlt hat. "Novartis wird gerade sehr nach Studien gehandelt", kommentiert ein Händler. Für einen kräftigen Kursanstieg habe vor einer Woche der Erfolg bei einem MS-Medikament gesorgt, dem Analysten einen Blockbuster-Status zubilligen.
E-Autos beim Fahren günstiger als Benziner
Batteriebetriebene Elektroautos in der EU sind im vergangenen Jahr beim Fahren 33 Prozent günstiger gewesen als Benziner. Das geht aus einem Bericht des International Council on Clean Transportation (ICCT) hervor. Als Grund für den Spareffekt nennt der Bericht fallende Batteriekosten und hohe Treibstoffpreise. Die leitende Forscherin und Hauptautorin des ICCT-Berichts, Marie Rajon Bernard, geht nach eigenen Angaben davon aus, "dass die Verbreitung von batterieelektrischen Fahrzeugen in ganz Europa in den kommenden Jahren zunehmen wird, sofern die derzeitige Politik beibehalten wird."
Die steigenden Ölpreise seit Ende Februar dieses Jahres haben die Verbrauchskosten für Verbrenner laut dem Bericht um 12 bis 36 Prozent in die Höhe getrieben und den Abstand noch vergrößert.
Zudem seien die Anschaffungskosten für batteriebetriebene Elektroautos in den drei größten Fahrzeugsegmenten im Jahr 2025 etwa gleich hoch gewesen wie bei Benzinern, wie eine Erhebung von Preisdaten von 100.000 Fahrzeugen auf dem größten europäischen Automobilmarkt Deutschland ergeben habe. Die Zahl der batteriebetriebenen Elektroautos habe sich hier von 2020 bis 2025 vervierfacht.
Zugleich verändere die wachsende Nachfrage nach batteriebetriebenen E-Autos auch die Fahrzeugproduktion innerhalb der EU, hieß es weiter. Der Anteil von Verbrennern an der Gesamtproduktion fiel demnach im Zeitraum von 2020 bis 2025 von 91 auf 72 Prozent. Der Anteil von batteriebetriebenen E-Autos erreichte im selben Zeitraum 19 Prozent.
DIW-Chef fordert wirtschaftlichen Kurswechsel
DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert nach dem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen wirtschaftlichen Kurswechsel der Bundesregierung. "Dieses Wahlergebnis ist vor allem ein Misstrauensvotum gegenüber der Bundesregierung", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. "Die einzig richtige Konsequenz für unsere Demokratie aus diesem Wahlergebnis kann nur bedeuten, dass die Bundesregierung einen Kurswechsel vollzieht und tiefgreifende, strukturelle Reformen bei Subventionen, Bürokratie, Steuern, Sozialsystem und Europa umsetzt."
Der Berliner Ökonom fordert eine Neuausrichtung. "Wir benötigen dringend einen Wandel in Deutschland mit Reformen, die um ein Vielfaches weitergehen als die Agenda-2010-Reformen vor 25 Jahren", sagte Fratzscher mit Blick auf die vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) durchgesetzten Reformen. "Ein Scheitern wird den Gewinn einer absoluten Mehrheit 2029 durch die AfD wahrscheinlicher machen", fügte er mit Blick auf die dann turnusmäßig anstehende Bundestagswahl hinzu.
Amazon-Frachtflieger abgestürzt
Bei dem Absturz eines Frachtflugzeugs von Amazon Prime Air auf dem internationalen Flughafen von Miami sind mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Die Maschine war bei der Landung über die Landebahn hinausgeschossen und hatte am Boden mehrere Fahrzeuge getroffen, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Zudem seien fünf Menschen verletzt worden, drei davon befänden sich in einem kritischen Zustand. Der Flughafen wurde nach dem Zwischenfall komplett gesperrt. US-Verkehrsminister Sean Duffy warnte vor erheblichen Verspätungen und möglichen Flugausfällen.
Amazon und die Luftfahrtbehörde von Miami-Dade bestätigten, dass sich bei dem Landeversuch der Maschine ein Zwischenfall ereignet habe. Amazon sammele derzeit noch Informationen über den Hergang des Vorfalls, sagte Unternehmenssprecherin Kelly Nantel. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine Boeing 767-300, die aus San Juan in Puerto Rico kam und von der Frachtfluggesellschaft 21 Air für Amazon betrieben wurde. Die US-Luftfahrtbehörde FAA kündigte eine Untersuchung an.
Das ist los im frühen Devisenhandel
Im asiatischen Devisenhandel gewinnt der Dollar geringfügig auf 156,21 Yen und legt leicht auf 6,7123 Yuan zu. Zur Schweizer Währung notiert er 0,2 Prozent höher bei 0,8108 Franken. Parallel dazu bleibt der Euro fast unverändert bei 1,1608 Dollar und zieht leicht auf 0,9411 Franken an.
Der südkoreanische Won erreicht derweil den höchsten Stand seit fast zwei Jahren, angetrieben von Dollar-Verkäufen großer Exporteure. Der Yen bleibt nach den massiven Stützungskäufen der japanischen Regierung im August, die zu dem historischen Rückgang der Währungsreserven führten, vergleichsweise stabil.
"Anleger wechseln in Risk-on-Modus" – Rally bei Chipaktien
Die asiatischen Aktienmärkte legen dank starker Vorgaben aus dem US-Technologiesektor und robuster US-Arbeitsmarktdaten mehrheitlich zu. In Tokio legt der Nikkei-Index um 2,2 Prozent auf 66.460,11 Punkte zu, und der breiter gefasste Topix notiert 0,6 Prozent höher bei 4128,53 Zählern. Der Shanghai Composite bleibt dagegen fast unverändert bei 3928,30 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen steigt 0,3 Prozent auf 4562,33 Punkte.
Angetrieben werden die Kurse in Asien vor allem von Halbleiterwerten, die der starken Entwicklung an der Wall Street folgen. Zu den Gewinnern in Japan zählen die Chipausrüster Advantest und Tokyo Electron, die um jeweils mehr als vier Prozent nach oben springen. Der Speicherhersteller Kioxia gewinnt 6,8 Prozent. "Da US-Finanzminister Scott Bessent anscheinend die Anleiherenditen dämpft und den Fall des Yen stoppt, ist die Volatilität am Markt gesunken", sagt Mamoru Shimode, Chefstratege bei Resona Asset Management. "Das hat es Aktienanlegern erleichtert, in den Risk-on-Modus zu wechseln."
Für Erleichterung sorgt zudem der jüngste US-Arbeitsmarktbericht, der die Sorgen vor einer globalen Rezession lindert. In Südkorea profitieren Schwergewichte wie Samsung Electronics und SK Hynix mit Aufschlägen von 3,7 und 6,0 Prozent von der weltweiten Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI).
Rekordrückgang bei Japans Währungsreserven
Japans Währungsreserven sind im August so stark gesunken wie noch nie. Grund dafür sind massive Stützungskäufe für den schwachen Yen. Die Reserven fielen um den Rekordwert von 79,6 Milliarden Dollar auf 1,208 Billionen Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 6,18 Prozent, teilte das Finanzministerium in Tokio mit. Der Rückgang geht vor allem auf den Verkauf ausländischer Wertpapiere zurück. Dabei handelt es sich meist um US-Staatsanleihen, die vor etwa zwei Jahrzehnten bei Dollar-Käufen erworben wurden und rund 70 Prozent der japanischen Bestände ausmachen. Zwischen dem 30. Juli und dem 26. August gab Japan 15,4 Billionen Yen (98,66 Milliarden Dollar) für Interventionen aus. Dies war die größte derartige Maßnahme in einem einzelnen Monat, wie aus separaten Daten des Ministeriums aus dem Vormonat hervorgeht.
Mit Zinssorgen in den Herbst-Blues
Die trübe Stimmung der Dax-Anleger dürfte sich Strategen zufolge mit der Aussicht auf weiter steigende Zinsen kaum aufhellen. Zum Start in den Herbstmonat September verlor der Dax bei einem Stand von 26.046 Punkten am Freitag auf Wochensicht bereits rund 1,5 Prozent. Der Anstieg der Anleiherenditen rückte das Thema Staatsverschuldung in den Vordergrund und der andauernde Krieg im Nahen Osten treibt die Energiepreise. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank in der neuen Woche gilt unter den Marktteilnehmern deswegen als gesetzt, während der weitere Zinspfad in Europa und den USA ungewiss bleibt.
Das Klima an den Börsen dürfte den Herbst hindurch jedenfalls stürmisch bleiben. Einige Investoren gehen deswegen vorsichtiger vor. "Starke Fundamentaldaten sind an den Aktienmärkten weitgehend eingepreist, während Risiken an Gewicht gewinnen", sagt Peter Reichel, Chief Investment Officer bei ODDO BHF. Sein Haus reduziere deswegen die Aktienquote in den verwalteten Portfolios und gehe zu einer leichten Untergewichtung von Aktien über. Das robuste Gewinnwachstum der Unternehmen und die dynamischen Gewinnerwartungen hätten die Kurse gestützt, "doch auf immer neue positive Gewinnüberraschungen kann man nicht dauerhaft bauen", warnt Reichel.
Börsianer rechnen angesichts der Inflationsentwicklung fest damit, dass der EZB-Rat am Donnerstag den für die Geldpolitik maßgeblichen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent anheben wird. Die Notenbank steht als Hüterin der Preisstabilität massiv unter Zugzwang. Infolge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks hat sich die Inflation mit 3,3 Prozent weit von ihrem Ziel von 2,0 Prozent entfernt. Nach der Zinserhöhung im Juni, der ersten seit fast drei Jahren, muss die EZB wohl nun nachlegen.
Noch ungewisser als die weitere Zinsentwicklung in der Euro-Zone ist die Frage, wie die Federal Reserve in der Woche darauf entscheiden wird. "Nach Kevin Warshs Rede in Jackson Hole wäre es aus meiner Sicht schädlich für das Vertrauen in die US-Notenbank, wenn sie dann – selbst gegen den Willen von Donald Trump – Amerikas Leitzinsen nicht anhebt", sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Ein überraschend stark ausgefallener Stellenaufbau in den USA im August schürte am Freitag Spekulationen auf steigende Zinsen. Unter dem Strich entstanden 162.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, Experten hatten nur mit 56.000 Jobs gerechnet.
Bei den Wirtschaftsdaten werden die Anleger zu Beginn der neuen Woche vor allem auf die deutsche Industrieproduktion für Juli sowie das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im zweiten Quartal blicken. In den USA startet die Woche mit einem Feiertag (Labor Day), an dem die Aktienmärkte geschlossen bleiben.
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