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Können Konzernchefs Politik? Ex-Managerin will ins Weiße Haus

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Carly Fiorina.

(Foto: REUTERS)

Carly Fiorina will US-Präsidentin werden. Chancen hat die ehemalige Chefin von Hewlett-Packard keine. Und das ist im Grunde keine schlechte Nachricht.

Noch 18 Monate, dann wird in den USA gewählt. Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen sind noch weit entfernt, doch immer mehr Kandidaten gehen in die Startlöcher. Aus Sicht der Wall Street sticht Carly Fiorina hervor, die frühere Chefin von Hewlett-Packard. Sie glaubt, den Republikanern als Frau die besten Chancen gegen Hillary Clinton zu bieten. Dabei stellt sich ganz grundsätzlich die Frage: Was kann sie? Und ist "Corporate America" wirklich ein gutes Sprungbrett in die Politik?

Eines vorweg: Carly Fiorina hat keine Chance, ins Weiße Haus einziehen. Nicht bei der nächsten Wahl, nicht bei der übernächsten... überhaupt nie. Schon in den Vorwahlen wird sie sich nicht durchsetzen können. Denn die Sechzigjährige will für die Republikaner kandidieren, und in einem schon jetzt dicht gedrängten Feld voller sozialkonservativer Möchtegern-Präsidenten hat sie keine Chance, bei der Basis zu punkten. Die sucht im ersten Durchgang nämlich den konservativsten Kandidaten, einen klaren Anti-Obama gewissermaßen, und der muss nach aktuellem Stand der Dinge radikal gegen Einwanderer und Schwule sein, für niedrige Steuern und möglichst überzeugt davon, dass Gott die Welt erschaffen hat und der Mensch mit dem Klimawandel nicht zu tun hat.

Da fällt Fiorina durch. Sie hat sich schon vor Jahren dafür ausgesprochen, die Emissionen der Industrie zu regulieren, sie ist für die Gleichstellung der Homo-Ehe und findet, dass Einwanderer für den wirtschaftlichen Erfolg der USA kein Hindernis sind - mit einer anderen Meinung wäre sie in ihrer ersten Karriere im Silicon Valles allerdings auch knallhart gescheitert.

Ach ja, gescheitert ist sie da sowieso, weshalb Fiorinas Vergangenheit im Top-Management im Wahlkampf eigentlich auch nicht hilft. Ihr Merger mit dem kriselnden Computerhersteller Compaq hätte Hewlett-Packard um ein Haar ruiniert. Dass sie sich im Rahmen der Übernahme einen Bonus von 65 Millionen Dollar zahlte, kam auch nicht gut an. Zumal sie in ihrer Karriere im Rahmen von Kostensenkungsmaßnahmen immerhin 30.000 Mitarbeiter entließ... ein Umstand, der keinem entgeht, der einmal die Webseite carlyfiorina.org anklickt. Die Kandidatin hat vergessen, die Domain zu registrieren – jetzt hat ein Kritiker 30.000 mürrische Emoticons draufgesetzt und den Hinweis, dass die Frau in der Politik nichts zu suchen habe.

Und noch etwas: Die Aktie von HP verlor unter Carly Fiorina rund 40 Prozent an Wert – vereinfacht gesehen bringt diese Zahl letztlich den Erfolg oder Misserfolg der Chefin auf den Punkt.

Ein Staat ist kein Konzern

So stellt sich die Frage, ob Top-Manager - erfolgreich oder nicht - überhaupt das Zeug haben, ein Land zu regieren. Eher nicht. Denn wenn Amerika in den letzten Jahren ein Problem besonders zu schaffen machte, dann der Umstand, dass das Land immer mehr wie ein Unternehmen geführt wurde. Was die USA brauchen ist das Bewusstsein, dass ein Staat nicht in allen Bereichen ein gewinnorientiertes Unternehmen sein kann. Die Regierung muss sich um Dinge kümmern, die Geld kosten: Militär, Infrastruktur, Bildung, Sozialwesen, Umweltschutz... man kann diese Bereiche nicht privatisieren, wie etwa die Republikaner immer wieder nahelegen. Man muss sie über Steuereinnahmen finanzieren.

Um letztlich den Haushalt auszugleichen, müssen manchmal die Staatseinnahmen angehoben werden - Kostensenkungen reichen nicht aus. Besser gesagt: Kostensenkungen funktionieren nicht in einem makroökonomischen Umfeld. Wo ein Unternehmen Leute entlassen und sich aus der Verantwortung stehlen kann, herrschen in einem Land andere Zwänge. Wer bei HP fliegt, sucht sich im besten Fall eine neue Arbeit... Amerika jedoch wird seine Leute nicht so einfach los. Die Parameter sind nicht übertragbar. Managen ist nicht regieren.

Quelle: n-tv.de

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