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Neue VW-Strategie Besser spät als nie

VW-Chef Herbert Diess treibt endlich die Umstellung auf Elektroantriebe voran. Der Schritt kommt spät - ist aber alternativlos.

Von wegen Spinner! Elon Musk wurde auf den Vorstandsfluren der Wolfsburger VW-Zentrale lange als weltfremd belächelt. Elektroantriebe? Ach was! Tesla-Autos seien eine Zeiterscheinung, die bald wieder verschwinden werde. Es gehe nichts über deutsche Ingenieurskunst und ausgefeilte Verbrennungsmotoren. Klimaschutz hin oder her.

Damals war Martin Winterkorn noch VW-Chef. Und Patriarch Ferdinand Piech stand an der Spitze des Aufsichtsrates. Der Absatz von Golf, Passat und den übrigen Volumenmodellen ließen die Kassen klingeln. Deutlich mehr Spaß brachten Winterkorn & Co aber die PS-Boliden. Bugattis mit mehr als 1000 PS Leistung. Bentleys. Lamborghinis. Es schien keine Grenze zu geben – nach oben hin.

Vorbei! Selbst die Diesel-Manipulationen, die Milliardenlöcher in die Konzernbilanz rissen, scheinen Geschichte. VW flüchtet sich nach vorn – zum Anbieter von Elektrofahrzeugen, Batterieproduzenten und Software. VW-Chef Herbert Diess, sein Vertrag wurde gerade bis zum Jahr 2025 verlängert, versucht Tesla-Gründer Musk nachzueifern. Das Belächeln des lange unterschätzten US-Konkurrenten ist längst Geschichte.

Die Chancen stehen gut, dass die Transformation gelingt. Rund elf Millionen Autos verkauft der VW-Konzern pro Jahr. Das bedeutet noch immer Milliardengewinne. Noch können die Wolfsburger den Umstieg in Richtung Elektro stemmen. Noch haben sie die finanziellen Mittel dafür.

Und seitdem der frühere Betriebsratschef Bernd Osterloh sich als Personalchef der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton mit einem Millionengehalt auf seinen Altersruhestand vorbereitet, hat Diess auch von den Arbeitnehmervertretern weniger Gegenwehr zu befürchten. Über Jahre hatte sich Osterloh an Diess abgearbeitet und den Umstieg auf neue Technologien gebremst. Diese Manöver gibt es bis auf Weiteres nicht mehr.

Jetzt braucht es nur noch genügend Elektroladesäulen, um die vielen neuen E-Autos auch zu betanken. Daran hapert es bislang. Brüssel hat Abhilfe versprochen. Tesla-Chef Musk war auch in diesem Punkt schneller: Er hat seit Jahren ein Schnellladesystem für seine Fahrzeuge installiert.

Quelle: ntv.de

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