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Teststrategie braucht Anreize Halbherzig reguliert ist auch daneben

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Wer seiner Verantwortung gerecht wird, sich testen und impfen zu lassen, der sollte dann zu Normalität in Freizeit und Beruf zurückkehren können.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Bundesregierung verpflichtet Arbeitgeber dazu, Mitarbeitern mindestens einmal pro Woche Corona-Tests anzubieten. Die Idee ist sinnvoll. Aber so wie sie nun beschlossen wurde, ist die Maßnahme nicht zu Ende gedacht.

Wochenlang wurde eifrig um eine Testpflicht für Unternehmen diskutiert und gerungen. Wirtschaftsverbände hielten dagegen. Immer wieder wurden neue Zahlen, Umfragen und Prognosen ins Feld geführt. Und nun das: Wer nicht von zu Hause arbeiten kann, der soll mindestens einmal pro Woche von seinem Arbeitgeber einen Corona-Test zur Verfügung gestellt bekommen. Klingt gut. Aber springt zu kurz. Denn ob der Test auch genutzt wird, ist nicht geregelt. Es ist ein verpflichtendes Angebot an die Arbeitnehmer - mehr nicht. Wenn Tests ungenutzt in der Schublade verschwinden oder erst gar nicht nachgefragt werden? Konsequenzen hat das nicht.

Ein weiteres Mal beweist die Politik damit, dass sie zwar schlagkräftig anmutende Maßnahmen zum Kampf gegen das Coronavirus auf den Weg bringt. Doch ob sie auch die gewünschte Wirkung erzielen, das scheinen die politisch Verantwortlichen auch bei diesem Vorhaben nicht zu Ende gedacht zu haben.

Wenn man es ernst meint mit dem Aufspüren derer, die von Corona infiziert und bedroht sind, hätte man parallel für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anreize zum Durchführen der Tests schaffen sollen, wenn sie vom Homeoffice zurück ins Büro oder in den Betrieb gehen. Für Friseur- oder Kosmetikbesuche gibt es diesen Anreiz längst - und er zeigt auch Wirkung.

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Die halbherzige und einseitige Regulierung erweckt den Eindruck, es liege ausschließlich an den Arbeitgebern, infizierte Mitarbeiter zu erkennen und damit eine Ausbreitung zu verhindern. Falsch! Die bisherige Linie der Politik beim Testen und Impfen setzt auf Eigenverantwortung jedes einzelnen. Das ist sinnvoller als eine Test- oder Impfpflicht. Doch Freiwilligkeit braucht Anreize. Wer seiner Verantwortung gerecht wird, sich testen und impfen zu lassen, der sollte dann zu Normalität in Freizeit und Beruf zurückkehren können. Davor aber scheut die Regierung zurück.

Die Politik belastet ein weiteres Mal die durch Pandemie und Lockdowns geschwächten Firmen. Und sorgt für Durcheinander. Eine nachhaltige Pandemiebekämpfung steckt in der einseitigen Arbeitgeber-Pflicht zum Angebot von Schnelltests nicht.

Quelle: ntv.de

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