Wirtschaft
An der Wall Street sind die Zeichen tiefrot.
An der Wall Street sind die Zeichen tiefrot.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 10. Oktober 2018

Zinssorgen und Tech-Verkäufe: Dow Jones sackt 800 Punkte ab

Anleger an den US-Börsen schmeißen im großen Stil Technologiewerte und Papiere der Luxusgüter-Industrie aus ihren Depots. Zudem drücken Warnungen des IWF vor Finanzmarkt-Turbulenzen massiv auf die Stimmung.

Sorgen um die Weltkonjunktur haben die Wall Street nach steil unten gezogen und für einen schwarzen Mittwoch gesorgt. Nachdem die Indizes markante technische Marken durchbrochen hatten, kamen in Wellen in mehr Verkäufer herein. Damit beschleunigte sich der seit Tagen anhaltende Abwärtslauf, der von den steigenden Anleiherenditen ausgelöst worden war. Steigende Marktzinsen schmälern die relative Attraktivität von Aktien und erschweren überdies die Unternehmensfinanzierung. Nach der mehrjährigen Rally an der Wall Street sind viele Aktien deutlich nach oben gelaufen, so dass sie anfällig für Gewinnmitnahmen sind.

Hinzu kam als belastender Faktor die gesenkte Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds. Als Gefahren für die ökonomische Entwicklung betrachtet der Fonds insbesondere die Handelskonflikte und steigende Zinsen. Die Ausführungen des IWF brachten auch den Ölpreis unter Druck, was wiederum die Energiewerte drückte. Zudem sehen die Anleger zunehmend vorsichtig der beginnenden Berichtsaison entgegen, die unter den Handelskonflikten gelitten haben könnte.

Konjunktursensible Werte lassen Federn

Am Ende büßt der Dow-Jones-Index der Standardwerte 3,2 Prozent ein. Im Handelsverlauf verliert der Index mehr als 800 Punkte und kommt erst bei 25.599 Stellen zum Stehen. Für den S&P 500 geht es um 3,3 Prozent hinab auf 2786 Punkte. In Frankfurt hatte der Dax 2,2 Prozent schwächer bei knapp 11.713 Punkten geschlossen. Der technologiebasierte Nasdaq verlor sogar 4,1 Prozent auf 7422 Zähler. Besonders stark abverkauft wurden konjunkturabhängige Branchen wie Software und Halbleiter, zyklische Konsumgüter oder Energie. Hier gab es Sektorenverluste von bis zu 5,4 Prozent. Die als sicher angesehenen Titel wie Versorger-, Lebensmittel- oder Telekomwerte hielten sich dagegen noch recht gut.

Abwärts geht es auch für die Technologie-Papiere. Ihnen versetzten Analysten von Barclays einen zusätzlichen Stoß, denn sie rechnen mit "moderaten Enttäuschungen", wenn die großen Internet-Konzerne ihre Zahlen zum dritten Quartal vorlegen werden. Barclays-Teamleiter Ross Sandler erinnert daran, dass bereits im zweiten Quartal die Unternehmen der Branche ihre Umsatzziele verfehlt hatten - erstmals seit der Finanzkrise. Die Unternehmen hätten demzufolge auch ihre Erwartungen für das dritte Quartal heruntergeschraubt. Es sei mit einer schwierigen Saison zu rechnen.

Insgesamt rechnet Sandler damit, dass die Zahlen von Alphabet "okay" sein werden, die von Amazon "gemischt". Twitter und Snap dürften schwach ausfallen, Ebay "inline". Unter den Aktien der Branche verloren Amazon 6,2 Prozent, Alphabet 4,6 Prozent, Facebook 4,1 Prozent und Twitter 8,5 Prozent.

Luxusgüter unter Druck

Sears stürzten um 17 Prozent ab. Laut informierten Kreisen bereitet sich der Einzelhandelskonzern darauf vor, Insolvenz zu beantragen. American Airlines fielen um 5,8 Prozent. Die Fluggesellschaft hat wegen Hurrikan "Michael" allein für Mittwoch 75 Flüge abgesagt.

Tiffany verloren gut 10 Prozent. Morgan Stanley hat den europäischen Luxusgütersektor auf "Underweight" abgestuft, dies drückte auch die US-Wettbewerber. Zudem weckten neue Zahlen des französischen Wettbewerbers LMVH Sorgen um die Nachfrage aus China.

Pharmaeinzelhändler CVS Health ist der Übernahme von Aetna einen Schritt näher gekommen. Das US-Justizministerium hat die Zustimmung zu dem 70 Milliarden Dollar schweren Deal erteilt, nachdem die Unternehmen einige Maßnahmen zur Beruhigung regulatorischer Sorgen unternommen hatten. CVS gaben 0,7 Prozent ab, Aetna 0,2 Prozent.

Am Ölmarkt gaben die in jüngster Zeit gestiegenen Preise kräftig nach. US-Leichtöl der Sorte WTI sank um 2,8 Prozent auf 72,86 Dollar je Barrel. Brent sackte ebenfalls um 2,8 Prozent ab auf 82,61 Dollar. Beobachter warnten, dass der Preisanstieg der vergangenen Monate die Nachfrage dämpfen könnte.

Quelle: n-tv.de