Marktberichte

Spekulative Kursgewinne im Dax Dow schließt auf Tageshoch

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Am Ende eines bewegten Handelstages: Die Fed belässt den US-Leitzins "unchanged", lässt aber für Dezember alles offen.

(Foto: REUTERS)

Die Jahresend-Rally steht in den Startlöchern. Kleine Kaufimpulse liefert Volkswagen, den wesentlich größeren steuert die US-Notenbank bei. An der Wall Street wischen sich Händler nach einem wilden Arbeitstag den Schweiß aus den Gesichtern.

Bleiben die US-Zinsen niedrig? Das war zur Wochenmitte am deutschen Aktienmarkt die beherrschende Frage. Da die Antwort darauf erst nach dem europäischen Börsenschluss fallen sollte, spekulierten die Anleger kräftig - und setzten darauf, dass alles so bleibt wie bisher. Und das heißt: billiges Geld, steigende Kurse.

Der Dax kam erst am Nachmittag richtig in Fahrt, verabschiedete sich dann aber mit einem Aufschlag von 1,3 Prozent und 10.832 Punkten oberhalb der 10.800er Marke. Die Verluste der vom Wochenbeginn sind damit wettgemacht. Der MDax schloss 1,3 Prozent fester bei einem Stand von 20.954 Zählern. Der TecDax gewann 1,6 Prozent auf 1800 Stellen.

Die US-Notenbank behielt bei ihrer Zinsentscheidung gegen 19.00 Uhr (MEZ) den Kurs bei und nahm am Leitzins keine Veränderungen vor. Der schriftliche Begleitkommentar des Fed-Offenmarktausschusses (FOMC) hatte es jedoch in sich: Die Hinweise auf eine mögliche Anhebung in der ausdrücklich erwähnten Dezember-Sitzung lösten an den Märkten größere Reaktionen aus.

"Die Fed lässt mal wieder die Tür für eine Zinserhöhung auf, signalisiert dem Markt damit Vertrauen in die Konjunktur", fasste Daniel Saurenz von Feingold Research die Lage zusammen. "Ob es so kommt, ist nicht ausgemachte Sache. Doch es genügt den Dollar zu stärken, den Euro zu schwächen und die alte Logik wiederzubeleben, wonach ein schwacher Euro Antrieb für einen starken Dax ist." Die Jahresendrally laufe, so Saurenz, weiter auf vollen Touren. "Der Dax peilt die 11.000 an."

Auf der Ebene der deutschen Einzelwerte sorgten die am Vorabend vorgelegten Zahlen von Apple allgemein für gute Laune. "Bei Apple waren die Zahlen gut, der Ausblick ebenfalls. Und angesichts des China-Umfelds dürfen die Investoren beruhigt sein", kommentierte Saurenz.

Voll im Vordergrund standen hierzulande aber die Geschäftsberichte einiger Dax-Unternehmen. Vor allem auf Volkswagen waren die Augen gerichtet. Neu-Chef Matthias Müller stellte einen Fünf-Punkte-Plan vor. Vorausgegangen war ein Milliardenverlust aufgrund der enormen Rückstellungen für die Folgen des Abgas-Skandals. Die VW-Aktie zeigte sich davon unbeeindruckt und schloss fast 4 Prozent fester.

Die Gründe sahen Marktexperten darin, dass sich der Skandal bisher nicht auf die Verkäufe ausgewirkt hat und der Jahresausblick bestätigt wurde. Auch die Tatsache, dass die Papiere bereits deutlich abgestraft w orden waren, dürfte eine Rolle gespielt haben.

An den Quartalszahlen von Linde fanden Anleger erst auf den zweiten Blick Gefallen. Die Aktien, die zunächst verloren, drehten dann ins Plus und schlossen mehr als 2 Prozent fester. DZ-Bank-Analyst Peter Spengler bezeichnete die Zahlen zum dritten Quartal als "ziemlich gut". Das organische Wachstum sei vor allem im Bereich Healthcare gut ausgefallen.

Eine Herunterstufung bremste Infineon aus. Die Aktien des Chipherstellers verloren etwa 1,5 Prozent und waren damit der schwächste Wert im Dax. Die Analysten der UBS sehen mittelfristig zwar noch immer solide Wachstumstreiber für Infineon - vor allem wegen der steigenden Nachfrage nach elektronischen Produkten in der Automobilbranche. Allerdings sei die Aktie derzeit fair bewertet, hieß es in dem Analystenkommentar. Die Experten stuften die Titel herunter auf "Neutral" von "Buy".

MDax: Analysten liefern Impulse

Nach einem positiven Analystenurteil griffen Anleger bei Leoni-Aktien zu. Die Papiere kletterten mehr als 6,5 Prozent - zeitweise sogar 8 Prozent - und führten die Gewinnerliste im MDax an. Die Analysten der Credit Suisse stuften die Papiere auf "Outperform" von "Neutral" herauf und rechnen mit bedeutenden strategischen Veränderungen bei dem Zulieferer.

Trotz rückläufiger Erlöse und eines sinkenden Auftragseingangs legten Gea zu. Der Kurs zog etwa 2,5 Prozent an. DZ-Bank-Analyst Jasko Terzic lobte die "sehr starke Marge". Die operative Ebitda-Marge kletterte in den ersten neun Monaten auf 11,7 Prozent. Equinet-Analyst Thomas Rau sieht mittelfristig Aufwärtspotenzial für die Aktien, da der Markt das mögliche weitere Margen-Wachstum bei Gea unterschätze.

Mit ihrer Kaufempfehlung beflügelten Commerzbank-Analysten die Aktien von Dürr. Die Papiere verteuerten sich um 1,8 Prozent. Sie setzten damit den Aufwärtstrend der vergangenen vier Wochen fort, in denen sie nun nahezu fast 20 Prozent zugelegt haben.

Im TecDax waren die Verlierer vom Dienstag die Gewinner zur Wochenmitte. Nach einem Kurseinbruch von 30 Prozent zogen die Titel des Spezialmaschinenbauers Manz um rund 3 Prozent an. Auch Dialog Semiconductor verteuerten sich - um mehr als 6 Prozent.

USA: Dow schließt auf Tageshoch

Dow Jones
Dow Jones 27.934,02

Die Wall Street reagierte auf die Zinsentscheidung der Notenbank (Fed) mit einer Berg- und Talfahrt. Zum Handelsschluss ging es deutlich nach oben. Die US-Notenbank schloss ausdrücklich nicht aus, dass die seit langem erwartete Anhebung der Zinsen noch im Dezember Jahr kommen könnte. Das trieb vor allem Aktien aus der Finanzbranche an.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 17.779 Punkten auf Tageshoch aus dem Mittwochshandel. Unmittelbar vor der Fed-Erklärung lag er noch bei 17.700 Zählern, in den Minuten danach fiel er sogar ins Minus. Im späten Handel dann ging es wieder stetig bergauf. Der breiter gefasste S&P-500 schloss mit einem Plus von 1,2 Prozent bei 2090 Zählern. Der Composite-Index an der Technologiebörse Nasdaq legte 1,3 Prozent zu auf 5095 Stellen.

Bei den Einzelwerten legten Apple nach Zahlen 4,1 Prozent zu. Der Konzern hatte in den Sommermonaten rund 48 Millionen iPhones abgesetzt - so viel wie nie zuvor in dem Quartal.

Die Papiere von Twitter sackten im frühen Handel bis auf 27,70 Dollar ab und schlossen am Ende mit einem Abschlag von 1,5 Prozent bei 30,87 Dollar. Ein verhaltener Ausblick auf den Umsatz im Weihnachtsgeschäft und das schwache Nutzer-Wachstum kamen nicht gut an.

Auf dem Verkaufszettel standen auch Aktien von Fiat Chrysler, die 4,5 Prozent nachgaben. Der Autobauer ist nach überraschend hohen Rückstellungen für Rückrufe in die roten Zahlen gerutscht.

Asien: Tokio knackt den Trend

Nikkei
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Die Aktienmärkte in Fernost verzeichneten überwiegend Verluste. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte rund 0,8 Prozent tiefer. In China zogen Finanz- und Versicherungstitel die Indizes nach unten. Angesichts der niedrigen Gewinne der Banken und zunehmender Kreditausfälle hielten sich Anleger von der Branche fern. Der Index in Shanghai fiel 1,7 Prozent. Auch in Hongkong gaben die Kurse nach. Enttäuschende Quartalszahlen hatten zuvor bereits die Wall Street belastet.

Gegen den Trend kletterte in Tokio der Nikkei-Index um knapp 0,7 Prozent auf 18.903 Punkte. Nach den Verlusten am Dienstag trieben Händlern zufolge Schnäppchenjäger die Kurse. Insgesamt fiel der Handel aber wegen der Unsicherheit über die US-Zinswende in den USA schwach aus. In Sydney beendete die Börse den Handel mit einem kleinen Minus.

Devisen: Es geht aufwärts

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,11

Der Euro sackte im späten Geschäft auf bis zu 1,0895 Dollar ab und war bei Handelsschluss am US-Aktienmarkt mit 1,0915 Dollar noch 1,2 Prozent günstiger als am Vortag zu haben. Im europäisch geprägten Handel hatte er sich noch gefestigt präsentiert. Die Gemeinschaftswährung wurde kurz vor dem Zinsentscheid der Fed mit 1,1083 Dollar gehandelt.

Das war ein deutlicher Aufschlag zum späten Dienstagshandel in New York, wo der Euro noch bei 1,1044 Dollar notiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1085 Dollar festgesetzt nach 1,1061 Dollar am Dienstag.

"Und weil heute niemand mit einer Zinserhöhung rechnet, kommt auch keine", argumentierte Devisenexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank. "Im gegenwärtigen Umfeld möchte die Fed den Markt nicht auf dem falschen Fuß erwischen."

Vor einer Woche hatten Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi zu einer möglichen Ausweitung der Anleihekäufe und damit einer Fortsetzung und vielleicht sogar Verstärkung der Politik des billigen Geldes für ein Absacken des Euro gesorgt. Davor hatte er sich in einer Spanne zwischen 1,13 und 1,15 Dollar bewegt.

Rohstoffe: Gold ist "sicher"

In Erwartung von vorerst unverändert niedrigen US-Zinsen langten die Anleger bei Gold zu. Der Preis kletterte um 1,4 Prozent auf 1182,50 Dollar je Feinunze. Die Käufe seien auch durch charttechnische Kaufsignale ausgelöst worden, sagte ein Börsianer. Von der Fed erhofften sich die Marktteilnehmer vor allem Hinweise auf den Zeitpunkt der seit langem erwarteten Zinswende in der weltgrößten Volkswirtschaft. Wegen der niedrigen Renditen am Rentenmarkt gilt eine Anlage in Gold derzeit wieder als sichere Alternative zu den Aktien.

Die Ölpreise stabilisierten sich ebenfalls nach zuletzt deutlichen Verlusten. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostete 48,96 Dollar. Das waren 4,2 Prozent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um 5,2 Prozent auf 45,76 Dollar.

Für diesen Preissprung hatten US-Lagerdaten gesorgt. Nachhaltig, sind sich Experten aber sicher, kann der Rückgang beim Ölpreis wahrscheinlich nur eine gemeinsame Förderkürzung der Opec und der anderen Förderländer stoppen. Das sei aber nicht in Sicht.

Quelle: n-tv.de, mmo/bad/rts/DJ/dpa

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