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Maue Aussicht für Börsenwoche Experte: Europa drohen japanische Zustände

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Wenig Wachstum, geringe Inflation, niedrige Zinsen: Ein Szenario wie in Japan könnte auch Europa dauerhaft drohen.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Bereits drei Wochen in Folge verliert der Dax an Boden. Und derzeit deutet wenig auf eine Erholung hin. Zu groß sind immer noch die Unwägbarkeiten am Markt: Italien, Brexit und der Handelsstreit zwischen den USA und China. Neue Hoffnung könnte jedoch die Fed verbreiten.

An der Börse sind die Bären los: Das Tier symbolisiert die Pessimisten und diese haben angesichts des schwelenden Zollstreits zwischen den USA und China regen Zulauf. "Von einem Handelsabkommen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt können die Anleger weiterhin nur träumen", sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

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Der drohende Chaos-Brexit und die Regierungskrise in Italien trübten die Aussichten für die heimische Konjunktur zusätzlich ein, warnt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "De facto versinkt Europa immer mehr in einem Japan-ähnlichen Szenario, also schwachem Wachstum, kaum spürbarer Inflation und niedrigen, weitestgehend negativen Zinsen."

Auch in der kommenden Woche dürften diese Risiken die Anleger umtreiben. Eine Serie enttäuschender Konjunkturdaten und das Hick-Hack im Handelskonflikt brockte dem Dax in der vergangenen Woche ein Minus von insgesamt mehr als einem Prozent ein. Es war der dritte Wochenverlust in Folge - und damit die längste Serie seit einem guten Dreivierteljahr.

Inverse Zinskurve bereitet Sorgen

Parallel dazu werfen am Anleihemarkt zweijährige US-Bonds inzwischen mehr ab als zehnjährige. Diese inverse Zinskurve gilt als Vorbote einer Rezession, weil sich in den Renditen widerspiegelt, dass die Investoren die kurzfristigen Risiken für die Wirtschaft höher einschätzen als die langfristigen. Üblicherweise werden länger laufende Titel höher verzinst.

"Unser hauseigenes Konjunkturzyklusmodell signalisiert schon seit Jahresbeginn, dass sich die globale Konjunkturlage deutlich eingetrübt hat und mittlerweile so schlecht ist wie zuletzt in den Jahren 2008/2009", sagt Anlagestratege Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg. Inzwischen schwinde allerdings der Glaube an die Wirkungsmacht neuer Geldspritzen der großen Notenbanken, der den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten Auftrieb gegeben habe. Der Konjunktureintrübung im Rest der Welt würden sich auch die USA langfristig nicht entziehen können.

Thomas Lehr, Anlagestratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, warnt dagegen vor überzogenem Pessimismus. Zwar sei US-Präsident Donald Trump unberechenbar. Ein Absturz der Konjunktur oder ein Börsencrash lägen aber nicht in seinem Interesse. "Ein solches Szenario gefährdet Trumps Wiederwahl." Sein Kollege Jeff Schulze vom Vermögensverwalter Clearbridge setzt auf die US-Notenbank Fed. "Erkennt sie früh, dass ein mögliches Rezessionsrisiko besteht und setzt auf eine entgegenkommendere Politik, erholt sich die Wirtschaft."

Weitere Zinssenkungen erwartet

Investoren rechnen derzeit bis zum Jahresende mit drei weitere Zinssenkungen der US-Notenbank. Vor diesem Hintergrund warten Börsianer gespannt auf die Veröffentlichung der Fed-Protokolle am Mittwoch. Aus den Mitschriften der jüngsten geldpolitischen Beratungen erhoffen sie sich Hinweise auf Tempo und Zeitpunkt der erwarteten Zinssenkungen.

Am Tag darauf liefern die US-Frühindikatoren Hinweise auf die Wachstumsaussichten der weltgrößten Volkswirtschaft. Parallel dazu werden die deutschen Einkaufsmanager-Indizes veröffentlicht. Er rechne vor allem im Dienstleistungssektor mit einer trüberen Stimmung, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Dies wäre ein Zeichen dafür, dass dieser Sektor zunehmend von der schwachen Industriekonjunktur in Mitleidenschaft gezogen wird."

Quelle: n-tv.de, kst/rts

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