Marktberichte

Wie schnell steigen die Zinsen? Fed-Signale verunsichern die US-Börsen

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Was steht im Fed-Protokoll? Anleger legen in den "Minutes" der Fed jedes Wort auf die Goldwaage.

(Foto: REUTERS)

Die Aussicht auf steigende Zinsen beherrscht an der Wall Street den Handel: Nach der Vorlage des Fed-Protokolls geraten die Kurse in Bewegung. Der Euro sackt ab, die US-Börsen drehen ins Minus.

Nach der Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank Fed sind die New Yorker Börsen in unsicheres Fahrwasser geraten. Die frühen Kursgewinne schmolzen in der zweiten Handelshälfte dahin, der vom Technologiesektor gespeiste Aufwärtstrend verlor an der Wall Street an Zugkraft.

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Der Dow-Jones-Index fiel deutlich zurück und schloss 0,7 Prozent im Minus bei 24.797 Punkten. Kurz vor Veröffentlichung der Fed-Minutes hatte der US-Leitindex noch gut 0,6 Prozent im Plus gelegen und war bis auf 25.267 Zähler gestiegen. Der breiter gefasste S&P-500 gab in einer ähnlichen Reaktion nach dem Fed-Protokoll um 0,5 Prozent nach und beendete den Handelstag bei 2701 Zählern. An der Nasdaq drehte der Composite-Index ebenfalls ins Minus und schloss 0,2 Prozent schwächer bei 7218 Punkten.

Im Blickfeld vieler Anleger standen die Mitschriften der Fed-Sitzung von Ende Januar, die gegen 20.00 Uhr (MEZ) die Marktöffentlichkeit erreichten. Aus Sicht der Börsianer ging es dabei vor allem um Hinweise darauf, wie oft und wie stark die Fed noch an der Zinsschraube drehen wird. In den Minuten nach der Veröffentlichung setzte sich nach und nach die Lesart durch, dass die Währungshüter eine Zinsanhebung in der März-Sitzung anstreben.

Die US-Notenbank hatte bei ihrer Sitzung Ende Januar die Zinsen unverändert gelassen, aber weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Anfang Februar hatten Spekulationen auf einen stärkeren Preisantrieb und damit eventuell noch einen zusätzlichen Zins-Schritt zu einem Ausverkauf an der Wall Street und an anderen Börsen geführt.

Das Thema Zinsen hatte zuvor bereits die Anleger an den europäischen Aktienmärkten in Schach gehalten. Der Dax schloss mit 12.470 Punkten leicht im Minus. Der Eurostoxx50 kam ebenfalls kaum vom Fleck.

Wie der Börsen-Tag in Europa lief, können Sie hier nachlesen.

Bei den Einzelwerten trennten sich Anleger vor allem von Aktien von Devon Energy, nachdem der Öl- und Gaserzeuger mit einem Gewinnrückgang enttäuschte. Die Titel gingen knapp zwölf Prozent im Minus aus dem Handel.

Auf Talfahrt blieben auch Wal-Mart. Die Aktien des Einzelhändlers verloren 2,8 Prozent. Am Dienstag waren die Titel nach enttäuschenden Geschäftszahlen um über zehn Prozent abgestürzt.

Aktien von United Technologies gewannen dagegen 2,2 Prozent und setzten sich damit an die Spitze des Dow. Die Triebwerkstochter Pratt & Whitney hat eine Übergangslösung für Triebwerke der A320neo-Reihe von Airbus gefunden. Zu Anfang des Jahres waren in weltweit vier bekannten Fällen Triebwerke in den neuen Mittelstreckenjets von Airbus ausgefallen.

Papiere des Autozulieferers Delphi stiegen ebenfalls um knapp 2,2 Prozent. Die Umsatzprognose des Unternehmens für das Gesamtjahr liegt über den Erwartungen der meisten Analysten. Mosaic legten um 2,6 Prozent zu, nachdem die US-Bank JPMorgan die Aktien des Düngemittelproduzenten auf "Overweight" hochgestuft hatte. Mosaic dürfte von steigenden Preisen für Phosphat profitieren, lautete die Begründung.

Im Ringen um die bislang teuerste Tech-Übernahme hat der Chipkonzern Broadcom sein Gebot für den Konkurrenten Qualcomm gesenkt. Grund ist, dass Qualcomm seinerseits am Vortag das Angebot für die Übernahme des europäischen Halbleiter-Spezialisten NXP erhöht hatte. Broadcom argumentiert nun, damit werde mehr Vermögen von Qualcomm-Aktionären an NXP-Aktionäre weitergereicht. Bei den Kursen war nach dem nun schon länger dauernden Bieterkampf die Luft raus: Broadcom gaben um 0,40 Prozent nach und Qualcomm um 0,92 Prozent.

Der Kurs des Euro fiel nach dem Fed-Protokoll wieder unter die Marke von 1,23 US-Dollar. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,2288 US-Dollar. Damit setzte sich die Abwärtsbewegung des Eurokurs nach dem Dreijahreshoch vom Freitag fort. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,2340 (Montag: 1,2410) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8122 (0,8104) Euro gekostet. Staatsanleihen der USA gaben am Mittwoch kräftig nach. Richtungweisende zehnjährige Papiere büßten 14/32 Punkte auf 98 11/32 Punkte ein. Ihre Rendite stieg auf 2,94 Prozent.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts