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Alle Feuerkraft auf China? Händler erwarten Trumps schweres Geschütz

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Anleger befürchten, dass Trump sich auf Nafta und dann mit der EU einigt, um dann alle Kraft gegen China zu richten.

(Foto: picture alliance / dpa)

An den Märkten richten sich in der kommenden Woche die Blicke einmal mehr auf US-Präsident Trump. Er könnte Zölle in dreistelliger Milliardenhöhe gegen China verhängen. In Deutschland werden derweil die Indizes neu sortiert - zulasten der Banken.

Mit dem vorläufigen Abkommen zwischen den USA und Mexiko ist die Furcht der Anleger vor einem Handelskrieg Experten zufolge noch nicht gebannt. "Derzeit läuft eine große Debatte", sagt Andrew Milligan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Aberdeen Standard. "Hofft US-Präsident Donald Trump auf Abkommen mit allen großen Partnern, um zu beweisen, dass er ein erfolgreicher Verhandler ist, oder will er eine Einigung über Nafta und mit der EU, um seine gesamte Feuerkraft auf China zu richten?" Die USA und Mexiko haben in der alten Woche einen Nachfolger für das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta ausgehandelt. Mit Kanada ist der dritte Partner allerdings noch nicht an Bord. Am Mittwoch gehen die Gespräche weiter.

Der Dax hat in der abgelaufenen Woche 0,2 Prozent an Wert eingebüßt und bei 12.364 Punkten geschlossen. Auch in der kommenden Woche dürfte der Handelsstreit die Börsen weiter in Atem halten. Denn Trump will einem Medienbericht zufolge am Mittwoch US-Strafzölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Milliarden Dollar in Kraft setzen. "Sollte Trump tatsächlich zusätzliche Abgaben erheben, so wäre über die Hälfte des Handels mit China durch Sonderzölle belastet, was Risiken für die Entwicklung der globalen Konjunktur mit sich bringen würde", warnt Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer.

US-Arbeitsmarkt und Bayer

Daneben warten Anleger einmal mehr gespannt auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Von ihnen erhoffen sie sich Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Einen Vorgeschmack liefern die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Donnerstag - wegen eines US-Feiertags am Montag einen Tag später als üblich. Der Stellenaufbau werde voraussichtlich relativ gering ausfallen, was aber kein Grund zur Besorgnis sei, sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Die Arbeitslosenquote werde dennoch auf 3,8 Prozent sinken.

Darüber hinaus legt Bayer am Mittwoch seine Quartalsergebnisse vor. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern hatte die Veröffentlichung verschoben, um die Geschäfte des kürzlich übernommenen Saatgut-Anbieters Monsanto in das Zahlenwerk einzuarbeiten.

Indizes werden neu geordnet

Zudem werden zahlreiche Indizes überprüft. Am Montag wird der Anbieter Stoxx voraussichtlich den Abstieg der Deutschen Bank aus dem EuroStoxx50 bekanntgeben. Am Mittwoch wird dann wohl der Abschied der Commerzbank aus dem Dax besiegelt. Aussichtsreichster Kandidat für den Aufstieg in die erste Börsenliga ist der Online-Zahlungsabwickler Wirecard.

Parallel dazu wird die Deutsche Börse die endgültige Zusammensetzung der neu geordneten Nebenwerte-Indizes bekanntgeben. Der MDax wird auf 60 und der SDax auf 70 Mitglieder erweitert. Die bisherigen TecDax-Mitglieder werden auf diese beiden Indizes verteilt. Der TecDax selbst wird zu einem Zweitnotierungsindex für die Technologiewerte aus Dax, MDax und SDax heruntergestuft.

Auch an der Wall Street sind Reformen geplant: Internet-Giganten wie Amazon oder Facebook erhalten ihren eigenen Branchenindex "Kommunikationsdienstleistungen". Experten zufolge bietet dies kleineren Technologiefirmen die Chance, aus deren Schatten herauszutreten.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

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