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USA und China vor Einigung? Hoffnung auf Zollsenkung vorerst geplatzt

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Die Wall Street reagierte empfindlich auf den Bericht zu US-Zöllen auf chinesische Produkte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Phase-1-Abkommen zwischen den USA und China steht kurz vor der Unterzeichnung. Bis die Zölle auf chinesische Produkte wegfallen, kann es wohl aber noch dauern. Diese Nachricht hat an der Wall Street für einige Turbulenzen gesorgt.

Die erneute Rekordjagd an der Wall Street war am Dienstag lediglich von kurzer Dauer. Zunächst konnten Dow & Co zwar neue Allzeithochs markieren, doch im späten Handel gaben die Indizes ihre Gewinne wieder vollständig ab und drehten zum Teil ins Minus. Auslöser war ein Bloomberg-Bericht, wonach die Zölle auf chinesische Waren bis nach den Präsidentschaftswahlen im November bestehen bleiben sollen. Zollsenkungen würden letztlich davon abhängen, inwieweit sich Peking an die Bedingungen des Phase-1-Abkommens halte, hieß es unter Verweis auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Am Mittwoch wollen die USA und China ihr Phase-1-Abkommen unterzeichnen.

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In der Folge rutschten die Indizes ins Minus, lediglich der Dow-Jones-Index konnte ein kleines Plus behaupten. Hier stützten überzeugende Quartalszahlen von JP Morgan - die Aktie war zweitstärkster Dow-Wert. Noch am Montag hatten die USA ein weiteres Entgegenkommen signalisiert, indem sie den Vorwurf der Währungsmanipulation gegen China fallen ließen.

Der Dow-Jones-Index rettete ein Plus von 0,1 Prozent auf 28.940 Punkte ins Ziel. Das neue Rekordhoch liegt bei 29.054 Punkten. Der S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 3.283 Punkte und der Nasdaq-Composite fiel um 0,2 Prozent auf 9.251 Punkte. Den 1.542 (Montag: 2.053) Kursgewinnern an der NYSE standen 1.408 (864) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 60 (91) Aktien.

Hier können Sie nachlesen, wie sich der Dax heute geschlagen hat.

Darüber hinaus gab es weitere Belastungsfaktoren. So sind die Exporte in China 2019 mit dem langsamsten Tempo seit drei Jahren gewachsen - verursacht auch durch die Handelsspannungen mit den USA. Dies rief die Sorgen um eine mögliche Abschwächung der globalen Konjunktur wieder auf den Plan, hieß es.

Mit der an Fahrt gewinnenden US-Berichtssaison dürfte die Entwicklung des Handelsstreits zwischen den USA und China jedoch in den Hintergrund treten, so ein Teilnehmer. "Die übergeordnete Stimmung ist gut, doch es wird auf den genauen Wortlaut des ausgehandelten Abkommens ankommen", so Edward Park, Investment-Stratege bei Brooks Macdonald Asset Management. "Die Investoren wollen klare Fortschritte sehen", ergänzte er.

JP Morgan und Citigroup überzeugen - Wells Fargo enttäuscht

Citigroup
Citigroup 48,00

JP Morgan hat das Schlussquartal 2019 mit einem Gewinnsprung abgeschlossen und damit die Erwartungen des Marktes übertroffen. Maßgeblichen Anteil daran hatte das Geschäft mit Konsumentenkrediten, das dank der guten Beschäftigungslage in den USA hervorragend lief. Die Aktie gewann 1,2 Prozent.

Auch die Zahlen der Citigroup überraschten positiv, was der Aktie zu einem Aufschlag von 1,6 Prozent verhalf. Das Institut profitierte vom guten Geschäft im Investmentbanking. Wells Fargo hingegen hat die Erwartungen knapp verfehlt. Vor allem die Rechtsstreitigkeiten nach dem Skandal um die Vertriebspraktiken des Instituts lasteten weiter auf dem Ergebnis. Die Aktie fiel um 5,4 Prozent. Am Mittwoch stehen Bank of America, Goldman Sachs und US Bancorp mit ihren Zahlen auf der Agenda.

US-Daten ohne großen Einfluss

Die Daten zu den Verbraucherpreisen haben die Erwartungen leicht verfehlt. Diese stiegen im Dezember auf Monatssicht sowohl insgesamt als auch in der Kernrate etwas weniger stark als erwartet. Teilnehmer beurteilten die Daten indessen positiv, denn sie sprächen für fortgesetzt niedrige Zinsen in den USA. Die Realeinkommen sanken im Dezember geringfügig. Am Devisenmarkt wertete der Dollar zwischenzeitlich leicht auf. Der Euro notierte im späten US-Handel bei 1,1128 Dollar nach einem Tageshoch von 1,1145 Dollar. Im Tagestief war es schon bis auf 1,11 Dollar nach unten gegangen.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 46,28

Die Ölpreise legten nach zuletzt fünf Tagen mit Abgaben leicht zu. Händler verwiesen auf Optimismus bezüglich des US-chinesischen Handelsabkommens. Der Preis für ein Barrel US-Rohöl der Sorte WTI stieg um 0,6 Prozent auf 58,42 Dollar. Brent verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 64,64 Dollar. Nachdem sich der Konflikt zwischen den USA und Iran zuletzt entspannt hat, nehmen die Akteure die Versorgungslage in den USA in den Blick. Am späten Dienstag wird zunächst der US-Branchenverband API wöchentliche Daten zu den Ölvorräten veröffentlichen, am Mittwoch folgen die offiziellen Daten des US-Energieministeriums.

Gold war wiederum nicht gefragt, was am festeren Dollar lag, der das Edelmetall für Käufer aus anderen Währungsräumen verteuert. Die Erwartung andauernd niedriger Zinsen stützte hingegen etwas. Die Feinunze reduzierte sich um 0,1 Prozent auf 1.547 Dollar. Mit dem Bloomberg-Bericht holte der Goldpreis einen Teil seiner Verluste jedoch wieder auf.
Am Anleihemarkt legten die Notierungen geringfügig zu; auch hier wurde die Aussicht auf längere Zeit niedrige Zinsen positiv aufgenommen. Dies drückte die Zehnjahresrendite um 3,3 Basispunkte auf 1,82 Prozent.

Delta Air Lines überzeugt

Die Fluggesellschaft Delta Air Lines hat im normalerweise saisonbedingt schwachen vierten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich stärker gesteigert als erwartet. Das Aktie kletterte um 3,3 Prozent. Die Boeing-Aktie gewann 0,6 Prozent, obwohl der US-Flugzeughersteller 2019 so wenige Neuaufträge erhalten hat wie seit 16 Jahren nicht mehr. Im Dezember wurden 35 neue Flugzeuge ausgeliefert, immerhin der höchste Wert seit März. Darunter befanden sich jedoch keine 737 Max. Für diese besteht weiter ein Flugverbot, weshalb auch keine Maschinen ausgeliefert werden. Mit einer Übernahme wartete die Kreditkartengesellschaft Visa auf. Sie kauft das Fintech-Startup Plaid für 5,3 Milliarden Dollar. Die Visa-Aktie verbesserte sich um 0,4 Prozent.

Quelle: ntv.de, ibu/DJ