Marktberichte

IBM vermiest US-Anlegern den Tag Stärkerer Euro drückt Dax nach unten

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nach einer gewinnträchtigen Vorwoche legt der Dax eine Verschnaufpause ein. Der Index verliert mehr als ein Prozent und kann gerade noch die 11.600er Marke halten. Für Abtrieb sorgen zudem die schwache Wall Street und der leicht gestiegene Eurokurs.

Deutliche Verluste verzeichnete der deutsche Aktienmarkt nach einem Anstieg von zuletzt 1150 Punkten oder rund zehn Prozent. Der Dax sank um 1,1 Prozent auf 11.605 Punkte. Im Handel wurde auf die Euro-Erholung verwiesen, die Gemeinschaftswährung stieg über 1,09 Dollar nach Wechselkursen um 1,0825 am Vorabend. Der steigende Euro macht Aktien für Anleger außerhalb des gemeinsamen Währungsraums kostspieliger und schmälert die Exportchancen deutscher Unternehmen.

"Nach den jüngst starken Kursgewinnen sollten Anleger mit Verschnaufpausen rechnen", sagte Achim Matzke, Marktanalyst der Commerzbank. Über den Tag hinaus bleibe die Lage aber aussichtsreich, auch wenn die Kurse langsamer steigen sollten als in den vergangenen Wochen. Die Umsätze waren laut Händler rückläufig, ebenfalls ein Zeichen für einen typischen Konsolidierungstag.

Im Blick steht vor allem die Berichtssaison. Am Abend wird Apple Quartalszahlen vorlegen. Sollten diese überzeugen, könnte der S&P-500 auf neue Rekordhochs steigen, was auch die internationalen Börsen antreiben sollte. Etwas belastet wurde die Stimmung von den Geschäftszahlen von United Technologies.

Auch das deutsche Softwarehaus SAP ließ sich in die Bücher schauen, am Abend folgen neben Apple noch die US-Konzerne Microsoft und Yahoo - allerdings erst nach US-Börsenschluss.

Deutschland: Märkte im Bann der Geschäftsberichte

SAP
SAP 137,22

Der Dax verlor am Ende 1,1 Prozent auf 11.605 Punkte. Verluste zeigten sich auch beim MDax, der 0,9 Prozent abgab auf 20.929 Zähler. Um 0,8 Prozent verbilligte sich der TecDax auf 1814 Punkte. Verluste von 1,1 Prozent gab es auch beim Euro-Stoxx-50, der bei 3648 Zählern landete.

Spitzenreiter im Dax waren Lanxess, die 1,4 Prozent zulegten. Dahinter kamen Adidas und Heidelbergcement mit einem Plus von 1,1 und 0,5 Prozent.

SAP-Aktien erlebten nach Zahlen einen wechselhaften Tag: Zuerst im Minus, zwischenzeitlich mit Gewinnen, ließen die Aktien am Ende 1,4 Prozent nach. Händler bezeichneten den Geschäftsausweis als "diskussionswürdig". Die Societe Generale machte Licht und Schatten aus. Die Erlöse seien zwar besser als erwartet ausgefallen, dafür hätten der Gewinn je Aktie bzw die Margen die Prognosen nicht erfüllt.

Zalando
Zalando 66,76

Als wenig positiv wurden im Handel Berichte über ein anhaltendes Interesse von ProSieben an Scout24 aufgenommen. "Das könnte sehr teuer werden und weckt Sorgen vor einer Verzettelung bei der Strategie, falls man sich weiter in Richtung einer Fusion mit Springer bewegen will", sagt ein Händler. ProSiebenSat.1 büßten 0,4 Prozent ein.

Mit Abgaben von 5,1 Prozent reagierte die Zalando-Aktie auf die Geschäftszahlen. Nach dem guten Lauf der vergangenen Wochen war im Handel von Gewinnmitnahmen die Rede. Seit Jahresbeginn hat sich das Papier um ein Drittel verteuert.

Sehr gut kamen im Handel die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal vom TecDax-Konzern Sartorius an. "Die Zahlen sind nicht nur wegen Währungseffekten, sondern auch substanziell sehr gut", sagte ein Händler. Sartorius legten 7,4 Prozent zu.

USA: IBM-Verluste setzen Dow Jones zu

Dow Jones
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Hohe Kursverluste bei IBM, United Tech und Verizon drücken den Dow-Jones-Index. Die übrigen Indizes an der Wall Street zeigen sich dagegen mit moderaten Abschlägen. Der Handel steht ganz im Lichte der Berichtsperiode. Die Berichtssaison habe Griechenland als Hauptaufreger endgültig abgelöst. "Die zwei wichtigsten Themen der vergangenen Monate lieferten Griechenland und der chinesische Aktienmarkt mit seiner hohen Volatilität. Aktuell ist es bei der Fed, in Griechenland und in China ruhig. (...) Es dreht sich alles um die Berichtsperiode", sagt Händler Doug Shapiro von Raymond James.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss ein Prozent tiefer bei rund 17.919 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,4 Prozent auf 2119 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 0,2 Prozent auf 5208 Punkte.

"Es fühlt sich ein bisschen wie die Ruhe vor dem Sturm an. Wenn es ein Unternehmen gibt, das kritische Analysten bei der Vorlage von Geschäftszahlen zum Schweigen gebracht hat, dann ist das Apple", sagt IG-Stratege Chris Weston. Der Technologieriese wird sich allerdings erst nach der Schlussglocke in die Bücher schauen lassen.

IBM
IBM 106,45

Gebremst wird der Markt von der IBM-Aktie, die 5,9 Prozent verlor. Der im Umbau befindliche IT-Dienstleister hat im zweiten Quartal abermals einen Umsatzrückgang verbucht, der überdies etwas deutlicher als erwartet ausfiel. Mit United Technologies überzeugt ein weiteres Technologieunternehmen Anleger nicht, das Papier sank um 7 Prozent.

Auf wenig Gegenliebe stoßen auch die Geschäftszahlen von Verizon Communications. Der Telekommunikationskonzern hat zwar im zweiten Quartal mehr verdient als am Markt erwartet, der Umsatz verfehlte jedoch die Marktschätzungen. Die Titel gaben um 2,3 Prozent nach. Für einen Lichtblick sorgt die Motorradlegende Harley-Davidson, deren Papiere um etwa 5 Prozent anzogen.

Besser als erwartet lief es auch bei Travelers, der Kurs des Versicherers stieg um 1,8 Prozent. Sanmina zogen um fast 12 Prozent an. Die Ergebnisse des Fertigungsdienstleisters für elektronische Komponenten lagen über den Erwartungen.

Devisen: Euro steigt wieder über 1,09 Dollar

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,18

Der Kurs des Euro hat wieder zugelegt und die Marke von 1,09 zum US-Dollar geknackt. Im späten US-Handel notierte er bei 1,0940 Dollar. Nach wie vor bleibt die Gemeinschaftswährung aber aufgrund der erwarteten Zinswende in den USA auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Am späten Vorabend war sie mit 1,0809 Dollar auf den tiefsten Stand seit Ende April gefallen.

Analysten der Commerzbank weisen darauf hin, dass nach der zumindest vorläufigen Beruhigung in der Griechenlandkrise größere Kursschwankungen im Euro-Dollar-Handel ausbleiben dürften. Sie rechnen aber nicht damit, dass diese Entwicklung von Dauer ist. Mit der Aussicht auf die erste Zinserhöhung in den USA seit der schweren Wirtschaftskrise sei bald wieder mit einer steigenden Aktivität am Markt zu rechnen.

Das insgesamt weiterhin niedrige Niveau des Eurokurses ist auf die Erwartung einer Zinsanhebung durch die US-Notenbank Fed noch in diesem Jahr zurückzuführen. Fed-Präsidentin Janet Yellen hatte vergangene Woche die Erwartung einer baldigen Zinswende bestärkt. Zudem hatte am Montag der Präsident der regionalen Notenbank des US-Bundesstaats St. Louis, James Bullard, gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende im September liege derzeit bei über 50 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise legen wieder etwas zu

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 44,68

A Nach dem Fall unter die Marke von 50 Dollar im Tagesverlauf auf ein frisches Viermonatstief erholte sich der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI auf Tagessicht um 0,4 Prozent bzw 0,21 Dollar auf 50,36 Dollar. Der Augustkontrakt wurde letztmalig gehandelt. Für den ab Mittwoch marktführenden September-Kontrakt ging es um 0,8 Prozent bzw 0,42 Dollar auf 50,86 Dollar nach oben. Der Preis für die europäische Referenzsorte Brent stieg um 0,7 Prozent bzw 0,39 Dollar auf 57,04 Dollar.

Am Rohölmarkt deutet nach wie vor jedoch wenig auf stark steigende Preise hin: Das Angebot des Ölkartells Opec und der USA bleibt hoch. Die Nachfrage wird von Analysten allenfalls als moderat bezeichnet. Das Überschussangebot setzt die Weltmarktpreise unter Druck. Hinzu kommt der starke Dollar, der Rohöl für viele Investoren verteuert und damit auf die Nachfrage drückt. Und schließlich deutet sich sogar eine Ausweitung des Angebots an, sollten die Handelssanktionen gegen den Iran infolge des Atomabkommens gelockert werden.

Der Goldpreis setzte seine Talfahrt fort, wenn auch gebremst. Das Edelmetall kostet derzeit so wenig wie zuletzt im März 2010. Die Feinunze fiel zum Settlement um 0,3 Prozent bzw 3,30 Dollar auf 1.103,50 Dollar nach Kursen unter 1.100 Dollar im späten Handel am Vorabend.

Asien: Gute Geschäftszahlen halten Kauflaune hoch

Die Hoffnung auf gute Quartalsbilanzen verhilft den Börsen in Fernost zu Gewinnen. Die Anleger setzten darauf, dass die meisten Konzerne mit ihren Geschäftszielen auf Kurs seien, sagten Händler. Für Ruhe an den Märkte sorgten zudem die Fortschritte zur Lösung der griechischen Schuldenkrise.

In Japan schloss der Leitindex Nikkei 0,93 Prozent fester bei knapp 20.842 Punkten. Der MSCI-Index für die Aktien der Asien-Pazifik-Region ohne Japan tendierte 0,4 Prozent höher.

In Schanghai ging es um 0,7 Prozent nach oben, damit zeigt sich der Markt den vierten Tag in Folge im Plus. Dennoch riet Alliance Bernstein dazu, die Börse in Schanghai gegenwärtig zu meiden und verwies auf die Volatilität und darauf, dass das Handeln der Regulierer in China schwer vorherzusehen ist.

In Hongkong verbuchte der Hang-Seng-Index ein Plus von 0,5 Prozent. Vor allem Telekomwerte waren gesucht, nachdem chinesische Unternehmen der Branche eine Zunahme bei den Mobilbreitband-Kunden im Juni verzeichnet hatten.

Quelle: ntv.de, kst/jwu/rts/DJ