Marktberichte

Virus-Effekte an der Wall Street US-Börsen fallen erneut ins Minus

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Wie gewonnen, so zerronnen: An der Wall Street verloren die Kurse in breiter Front.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Das Muster ist von den vergangenen Tagen bekannt: Gewinne werden derzeit nicht alt an den Börsen. Mit neu aufflammenden Virussorgen brechen die Kurse einzelner Unternehmen teils prozentual zweistellig ein. Experten knüpfen eine Erholung inzwischen an sinkende Corona-Neuinfektionen.

Die Schaukelkurse an der Wall Street setzen sich fort. In dieser Woche folgte auf eine kräftige Erholung am folgenden Tag stets ein deutlicher Absturz. Von diesem Rhythmus wich der Markt erneut nicht ab. Neue Hiobsbotschaften über die Corona-Epidemie drückten die US-Börsen kräftig ins Minus. Neben fallenden Aktienkursen manifestierte sich die Verunsicherung der Anleger auch im wieder gestiegenen Volatilitätsindex VIX - dem "Angstbarometer".

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Im Donnerstagshandel in New York büßte der Dow-Jones-Index erneut kräftig und ein und schloss 3,6 Prozent im Minus bei 26.121 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 3,4 Prozent. Der technologielastige Nasdaq-Composite sank um 3,1 Prozent.

Zwar sind immer mehr Staaten und Institutionen wie der Internationale Währungsfonds bereit, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen, um die konjunkturellen Folgen der Coronavirus-Epidemie einzudämmen. Doch gleichzeitig breitet sich die Epidemie immer weiter aus. Von einer Verlangsamung der Coronavirus-Ausbreitung außerhalb Chinas könne keine Rede sein, hieß es. Die Weltgesundheitsorganisation prangerte fehlendes Engagement zahlreicher Länder im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus an.

"All diese wirtschaftlichen Stützungsmaßnahmen können den Virus letztlich nicht aufhalten. Ohne Anzeichen sinkender Neuinfektionen werden wir kaum eine nachhaltig Rally erleben", sagte Marktökonom Jonas Goltermann von Capital Economics. Das "Beige Book" der US-Notenbank hatte der US-Wirtschaft bereits am Vorabend erste Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs attestiert. Nun zeigten aktuelle Januardaten, dass sich der Auftragseingang der US-Industrie schwächer als erwartet entwickelt hatte. Auch die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft hatte im vierten Quartal 2019 nach revidierter Rechnung weniger als erwartet zugenommen. Die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten fielen wie vorhergesagt aus.

Öl billiger - Gold teurer

Die Ölpreise gaben nach, obwohl das Erdölkartell Opec eine vorläufige Vereinbarung über eine drastische Kürzung der Rohölförderung getroffen hatte, wie Insider mitteilten. Ob das Nicht-Mitglied Russland mitspielt, war aber noch nicht raus. Der Plan soll am Freitag im Rahmen der Gruppe Opec+ diskutiert werden. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 1,9 Prozent, europäisches Referenzöl der Sorte Brent gab um 2,8 Prozent nach.

Der Goldpreis kletterte auf den höchsten Stand seit über einer Woche. Marktteilnehmer verwiesen auf die schwache Entwicklung am Aktienmarkt. Daneben stützte die Erwartung, dass neben der US-Notenbank weitere Zentralbanken die Zinsen reduzieren werden. Das zinslose Edelmetall wird so attraktiver, wobei auch die Dollarschwäche und einbrechende Marktzinsen halfen. Der Preis für die Feinunze stieg um 2,2 Prozent auf 1673 Dollar im späten Geschäft.

Am Markt mussten vor allem die Titel von Reiseunternehmen ordentlich Federn lassen und zählten zu den schwächsten: United Airlines stürzten um 13,3 Prozent ab. Die Fluggesellschaft will die Zahl der Inlandsflüge reduzieren, da die Buchungen vor dem Hintergrund der Virusepidemie zurückgegangen sind. Im Gefolge verloren Delta Air Lines 7,2 Prozent. Die Luftverkehrsvereinigung Iata erwartet Umsatzeinbußen für die Branche im laufenden Jahr von 113 Milliarden Dollar.

Auch die Aktien von Kreuzfahrtschiffreedereien reihten sich ein. Dazu gesellte sich die Schlagzeile, dass ein zweites Schiff der Reederei Carnival kurz vor einem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie an Bord stehe. Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line und Carnival gingen um 17,1 und 13,4 und 7,3 Prozent unter.

Mit den wegbrechenden Marktzinsen und der Erwartung weiterer Leitzinssenkungen zeigten sich auch Bankenwerte extrem schwach - der Sektorindex gab um Prozent nach: JP Morgan verloren 4,9 Prozent, Goldman Sachs 4,8 Prozent und Wells Fargo 6 Prozent.

Die Aktien von Boeing rutschten mit den neuerlichen Kursverlusten auf einen neuen Tiefstand: Mit einem Minus von etwas mehr als 8,0 Prozent notierten die Anteilsscheine des Luftfahrt- und Rüstungsgiganten so schwach wie seit Ende 2017 nicht mehr. Auf Tagessicht entwickelte sich Boeing zum zweitschwächsten Wert im Dow, nur übertroffen von United Technologies mit minus 9,1 Prozent.

Die Ausbreitung des Coronavirus setze dem krisengeschüttelten Flugzeugbauer nach dem Desaster mit seiner 737 Max zusätzlich zu, hieß es. Am Vortag hatten bereits Spekulationen die Runde gemacht, wonach der europäische Wettbewerber Airbus erwägt, die Produktion seiner A330neo-Jets zusammenzustreichen.

Airlines dürften Flugzeugbestellungen wegen des Coronavirus hinauszögern, warnen Branchenkenner. Airbus litt bereits im Februar unter einer Auftragsflaute mit Null Bestellungen. Die derzeit weltweit eingeschränkte Reiseaktivität führt dazu, dass immer mehr Airlines Flugzeuge am Boden lassen und ihre Flugpläne ausdünnen.

Mit der Talfahrt an den US-Börsen setzt sich die Flucht in die "sicheren Häfen" fort: Der Euro baute seine Kursgewinne im Tagesverlauf sukzessive auf über 1,12 Dollar aus. Nach US-Börsenschluss wurden 1,1237 Dollar dafür bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1187 (Mittwoch: 1,1125) US-Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,8939 (0,8989) Euro gekostet.

Der Preis für Gold kletterte auf den höchsten Stand seit über einer Woche. Marktteilnehmer verwiesen auf die schwache Entwicklung am Aktienmarkt. Daneben stützte die Erwartung, dass neben der US-Notenbank weitere Zentralbanken die Zinsen reduzieren werden. Das zinslose Edelmetall wird so attraktiver, wobei auch die Dollarschwäche und einbrechende Marktzinsen halfen. Der Preis für die Feinunze stieg um 2,2 Prozent auf 1673 Dollar im späten Geschäft.

"Die Weltwirtschaft hängt derzeit am Tropf", sagte Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. Der Markt erwarte entschlossene Maßnahmen, eine weitere Lockerung der Geldpolitik liege auf der Hand. "Dennoch bleibt die Erkenntnis bestehen, dass geldpolitische Werkzeuge keinen Impfstoff gegen Corona ersetzen können."

Am US-Rentenmarkt stiegen richtungsweisende zehnjährige Papiere um einen ganzen und 9/32 Punkte auf 105 16/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,918 Prozent.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/dpa/rts