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Obama bei Bits & Pretzels Ohne Lederhosen, dafür mit viel Optimismus

Nach Kevin Spacey und Jan Böhmermann eröffnet dieses Jahr niemand Geringeres als Barack Obama die Gründerkonferenz in München. Anders als von den Organisatoren erhofft, trägt der charismatische Ex-Präsident der USA keine Lederhosen - zumindest nicht auf der Bühne. Seine Botschaft kommt aber auch ohne Leder an.

Auf der Gründer-Konferenz Bits & Pretzels wird die bayerische Tradition hochgehalten. Anstatt in Anzug und Kostüm treffen sich hier junge Unternehmer und Investoren in Lederhosen und Dirndl. Doch als der charismatische Ex-Präsident Barack Obama in München die Bühne betritt, ist klar: Er hat sich von dieser Stimmung nicht anstecken lassen.

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Obama (l) begrüßt die Gründer Andreas Bruckschlögl (2.v.l-r), Felix Haas und Bernd Storm van's Gravesande.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dabei hatten die Gastgeber Bernd Storm van's Gravesande, Felix Haas und Andreas Bruckschlögl nichts unversucht gelassen und ihrem diesjährigen Eröffnungsredner sogar eine Lederhose und ein kariertes Hemd auf sein Hotelzimmer gelegt. Für das moderierte einstündige Gespräch hat sich der Politiker aber trotzdem lieber für den klassisch eleganten Zweiteiler entschieden. "Ich habe die Lederhosen heimlich in meinem Hotelzimmer anprobiert. Und ehrlich gesagt: Das sah ziemlich gut aus. Ich werde sie zu Hause für Michelle nochmal anziehen", verrät der ehemalige US-Präsident auf der Bühne des International Congress Centers München (ICM).

An zwei Konferenztagen im ICM und auf einem Networking-Event auf dem Oktoberfest kommen dieses Jahr zum fünften Mal in Folge Startup-Gründer und Investoren zusammen. Nachdem in der Vergangenheit schon US-Schauspieler Kevin Spacey und Fernsehmoderator Jan Böhmermann die Konferenz eröffnet hatten, konnten Gravesande, Hass und Bruckschlögl mit Obama einen echten Spitzen-Redner gewinnen.

"Barack Obama ist eine der einflussreichsten Personen unserer Zeit. Ihm ist es gelungen, Menschen unabhängig von ihrem Alter und ihrer Herkunft zu inspirieren und der Welt zu zeigen, dass es möglich ist, Grenzen einzureißen", sagt Bruckschlögl in der Eröffnungsrede. Bevor Obama die Bühne betritt, schwören er und seine Kollegen die Teilnehmer auf das diesjährige Motto "Impact" , Einfluss, ein: "Wir wollen dem Spirit von Greta Thunberg folgen." Nach "Fridays for Future" sei es an der Zeit für "Founders for Future". "Gründer müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden", sagt Haas. Und: "Es braucht nur einen einzigen Gründer, um einen Unterschied zu machen. Wir alle sind dafür verantwortlich, dass sich die Welt ändert."

"Greta Thunberg ist ein außergewöhnliches junges Mädchen. Eine 16-Jährige sollte solch eine Last eigentlich nicht tragen müssen", sagt Obama zum Auftakt. Ein Teil ihrer Stärke sei nicht nur, in welcher Klarheit sie sich über die aktuelle Klimakrise bewusst sei; sie erinnere auch stets daran, dass diejenigen, die von sich behaupten, erwachsen zu sein, eine Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation haben. Um der globalen Klimakrise etwas entgegenzusetzen, müssten junge Unternehmen, Regierungen und die Gesellschaft zusammenarbeiten, fordert Obama. "Ich glaube nicht, dass ich jemanden hier in diesem Raum noch davon überzeugen muss, dass es den Klimawandel wirklich gibt."

Gretas gibt es überall und das Silicon Valley ist kopierbar

Während eines Treffens mit Greta Thunberg habe die 16-Jährige Klima-Aktivistin ihn einmal gefragt: "Verstehen Politiker eigentlich die wissenschaftlichen Aspekte hinter dem Klimawandel?" Er habe ihr gestehen müssen: "In 98 Prozent der Fälle tun sie das nicht." Das Problem sei, dass Politiker nicht führten, sondern nur folgten. Gerade im Kampf gegen den Klimawandel wachse deshalb auch die Bedeutung von jungen Unternehmern mit Expertise.

Einige erfolgreiche technische Lösungen, um zum Beispiel die CO2-Emissionen zu senken, gebe es bereits. Die entsprechenden Startups dahinter verdienten damit auch gutes Geld. "Doch das allein reicht nicht", sagt Obama. Regierungen und Gesellschaften müssten den technischen Fortschritt auch annehmen und umsetzen können. "Einen umfassenden Wandel wird es nur durch gemeinsame Anstrengungen geben." Die Chancen dafür stünden nicht schlecht, ergänzt er.

Auch wenn außerhalb des Silicon Valley noch zu wenig in Startups investiert werde und ein Großteil des Risikokapitals nur bei einer Handvoll junger Unternehmen ankomme: Das Ökosystem des Silicon Valley sei kopierbar, ist sich Obama sicher. Besonders Universitäten seien ein wichtiger Anker, um eine Startup-Kultur aufzubauen und in die Forschung zu investieren.

Ohne einen Zugang zu Kapital bringe das alles aber nichts. Eine Unternehmerkultur könne letztendlich auch erst dann entstehen, wenn eine Gesellschaft in die Zukunft ihrer Kinder investiere. "Ich habe ein bisschen Sorge, dass wir glauben, all die tollen Ideen werden in Zukunft auch weiter ohne Investitionen in unser Bildungssystem einfach so aus dem Boden schießen."

Doch der ehemalige Präsident ist optimistisch: "Wenn dein Name Barack Hussein Obama ist und du es trotzdem ins Weiße Haus geschafft hast, dann kannst du nur ein Optimist sein", sagt er. Obama hat die Geschichte schon öfter erzählt. Ihm liegt vor allem eine Botschaft am Herzen: In Zeiten antidemokratischer Tendenzen in westlichen Demokratien, in Zeiten von Rechtsruck und Populismus gibt es aus seiner Sicht noch immer genug Grund zu hoffen, genug Grund, ein Optimist zu bleiben. Nach einer Stunde kommt er wieder auf die engagierten Jugendlichen auf der ganzen Welt zurück. "Gretas gibt es überall." Er sehe so viel Mut, Idealismus und Optimismus in dieser Generation. Die jungen Leute wüssten, dass es auf sie ankomme. "Darum zähle ich auf sie."

Quelle: n-tv.de

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