Frage & Antwort

Temperaturen um die 40 Grad Wie viel Hitze überlebt ein Mensch?

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Bereits eine "gefühlte Temperatur" von 32 Grad ist vielen Menschen unangenehm.

(Foto: imago/Panthermedia)

Im Juni werden neue Hitzerekorde für Deutschland gemessen. Der Mensch ist für solche Temperaturen nicht geschaffen: Die Zahl der Todesfälle steigt an heißen Tagen messbar an. Aber wie heiß ist zu heiß für den Körper? Neben der Lufttemperatur spielen auch andere Faktoren eine Rolle.

In Deutschland gab es bereits im Juni neue Hitzerekorde. Bei Temperaturen von teilweise mehr als 39 Grad Celsius scheint es fast unerträglich, sich im Freien aufzuhalten. Aber wie viel Hitze kann ein Mensch eigentlich aushalten? Und ab welchen Temperaturen wird es lebensbedrohlich?

Entscheidend ist nicht die Lufttemperatur, sondern die "gefühlte Temperatur", sagt Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes, zu n-tv.de. Bei der "gefühlten Temperatur" handelt sich um das Wärmeempfinden der Menschen im Freien - es wird bedingt durch einen Mix aus Lufttemperatur, Luftfeuchte, Wind und Sonneneinstrahlung.

Die Lufttemperatur alleine sagt wenig darüber aus, wie wohl sich ein Mensch fühlt. "Wenn sie etwa nach Doha am Persischen Golf gehen, ist die Luft dort 50 Grad heiß. Aber trotzdem fallen die Menschen nicht um - weil es trocken und windig ist", so Matzarakis. Fährt man hingegen in tropische Gefilde, können aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit Temperaturen in den 30ern bereits unerträglich werden.

Luftfeuchte erschwert das Schwitzen

Warum die Luftfeuchtigkeit eine so große Rolle spielt: Die Temperatur im Körper muss konstant bei rund 37 Grad gehalten werden, auf der Haut sind es etwa 33 bis 34 Grad. Wird die Luft in der Umgebung wärmer, muss der Körper überschüssige Energie loswerden. "Die wichtigste Art für den Körper, sich der Wärme zu entledigen, ist das Schwitzen", so Matzarakis. Beim Schwitzen verdunstet Schweiß auf der Haut. Doch dafür muss die Umgebungsluft auch Kapazitäten haben, Feuchtigkeit aufzunehmen. Das heißt, sie muss trocken genug sein. Ist die Luftfeuchtigkeit hingegen sehr hoch, kann das Schwitzen weniger kühlen. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent ist es praktisch nutzlos.

Diese Gefahren drohen bei Hitze

  • Hitzeschlag: Der Körper nimmt mehr Wärme auf, als er abgeben kann. Die Körpertemperatur kann bis auf 41 Grad steigen. Ein Hitzeschlag kann ohne Gegenmaßnahmen in weniger als 24 Stunden zum Tod führen.
  • Hitzekollaps: Bei anhaltender Hitze wird viel Blut in die Haut gepumpt, um den Körper zu kühlen. Wenn dadurch der Blutdruck gefährlich sinkt, kann es zu kurzfristiger Bewusstlosigkeit und zum Kollaps kommen.
  • Hitzeerschöpfung: Wenn an heißen Tagen zu wenig getrunken wird, kann eine Hitzeerschöpfung auftreten. Sie ist Folge eines übermäßigen Verlusts von Wasser und Salzen, die im Schweiß enthalten sind.
  • Hitzekrämpfe: Sie sind häufig bei Menschen, die bei Anstrengung viel schwitzen. Der Körper verliert durch das Schwitzen Salz und Flüssigkeit. Die niedrige Salzkonzentration in den Muskeln führt zu schmerzhaften Krämpfen.
  • Sonnenstich: Starke Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf kann zu einer Entzündung der Hirnhäute und einer gefährlichen Schwellung des Hirngewebes führen.

Tipps für den Umgang mit Hitze stellen Umweltbundesamt und Deutscher Wetterdienst in einer speziellen Broschüre bereit.

Auch direkte Sonnenstrahlung und Windstille treiben die "gefühlte Temperatur" nach oben. Sie liegt im Sommer daher meist über der gemessenen Lufttemperatur - in Deutschland kann die Differenz bis zu 15 Grad betragen.

Bereits ab 32 Grad "gefühlter Temperatur" spricht der Deutsche Wetterdienst von einer "starken Wärmebelastung" - die Lufttemperatur beträgt dann möglicherweise aber nur 29 Grad. Schon bei 35 Grad im Schatten kann die Wärmebelastung für den Menschen sogar "extrem" werden - die "gefühlte Temperatur" liegt hier bei mehr als 38 Grad. "Mittlerweile weiß man, dass ab dieser Temperatur die Sterblichkeit deutlich zunimmt", so Matzarakis.

Nach wenigen Minuten wird es gefährlich

Aber wie lange kann ein Mensch es in brütender Hitze überhaupt aushalten? Matzarakis nennt ein Beispiel: "In einem geparkten Auto kann im Sommer die Temperatur in wenigen Minuten bis auf 60 Grad ansteigen. Bei solchen Bedingungen dauert es fünf bis acht Minuten, bis die Kernkörpertemperatur beginnt, hochzugehen." Steigt die Temperatur des Körpers bis auf 41 Grad, wird es lebensgefährlich. Es droht unter anderem ein Hitzeschlag, der tödlich enden kann. Daher niemals Kinder oder gesundheitlich geschwächte Menschen in geparkten Autos lassen, rät der Experte.

Im Hitzesommer 2018 belief sich die Zahl der Todesfälle durch hohe Temperaturen auf mehr als 1000 allein in Hessen und Berlin, teilte das Robert-Koch-Institut Anfang Juni mit. Besonders stark betroffen laut der Statistik: Menschen, die älter als 75 Jahre waren. Der Sommer 2018 war in Deutschland der zweitheißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881.

Übrigens: Am wohlsten fühlt sich ein großer Teil der Menschen bei Temperaturen zwischen 17 und 25 Grad Celsius, sagt Matzarakis. Allerding ist die optimale Wohlfühltemperatur von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Quelle: n-tv.de

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