Riekes Rückspiegel

Was war am 18. November? Als Krug den Deutschen die T-Aktie andrehte

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Am 18. November 1996 geht eine der berüchtigsten deutschen Aktien an den Start.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schneller Reichtum durch Aktien: Ende 1996 verspricht die Telekom den Deutschen gemeinsam mit dem beliebten Schauspieler Manfred Krug das Magenta vom Himmel. Der Start der T-Aktie löst ein Börsenfieber aus, das für viele Anleger bitter endet.

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Wussten Sie, dass … eine der berüchtigtsten deutschen Aktien heute vor 23 Jahren erstmals verkauft worden ist? Am 18. November 1996 geht die T-Aktie an die Börse - begleitet von einer großangelegten Werbekampagne mit Schauspieler Manfred Krug. Auf die Anleger-Euphorie folgt bald der Schock.

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Manfred Krug ist das Gesicht der großen T-Aktie-Kampagne. Später bereut er sein Werben.

(Foto: imago stock&people)

Schnell verdientes Geld dank einer sogenannten Volksaktie: Mit einem simplen, aber großen Versprechen löst die Deutsche Telekom Ende 1996 eine neuartige Aufbruchsstimmung im Land aus. "Die T-Aktie wird so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente sein", verkündet Konzernchef Ron Sommer. Nur die Lockrufe von Manfred Krug sind noch legendärer. "Die Telekom geht an die Börse. Und ich geh' mit", sagt er etwa. Die Sympathien sind dem "Tatort"-Kommissar nach wie vor sicher, Deutschland packt das Börsenfieber.

Die Werbekampagne mit bis dahin beispiellosem Ausmaß zeigt Wirkung, rund 1,9 Millionen Menschen leisten sich die Wertpapiere des vertrauenswürdigen Konzerns aus Bonn. Der Preis pro Aktie: 28,50 D-Mark. Das sind umgerechnet etwa 14,32 Euro. Etwa 20 Milliarden D-Mark (das wären heute etwa 10,2 Milliarden Euro) nimmt die Telekom damals durch den Verkauf von 713 Millionen Aktien ein.

Abwärtstrend macht vor T-Aktie nicht halt

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Der damalige Vorstandschef Sommer preist die T-Aktie an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Hype ist ungebrochen, am 28. Juni 1999 wuchtet der magentafarbene Riese ein zweites Aktienpaket zum stolzen Preis von 39,50 Euro pro Papier auf den Markt. Die Konzernstrategie scheint aufzugehen, denn am 6. März 2000 markiert die T-Aktie bei 104,90 Euro ihr Rekordhoch. Die Anleger vertrauen der Telekom im aufgehenden Internetzeitalter. Doch auf die goldenen Jahre folgt Tristesse. Schon zum Zeitpunkt des dritten Börsengangs am 16. Juni 2000, als eine Aktie sogar 66,50 Euro kostet, geht es bergab. Wer jetzt seine Anteile nicht abgestoßen hat, macht längst Verluste. Für die meisten Anleger ist mehr als nur die versprochene Zusatzrente futsch.

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Der weltweite Abwärtssog der Technologiewerte macht auch vor der T-Aktie nicht halt. Hinzu kommen Fehler des Managements um Konzernchef Sommer, der Mitte Juli 2002 gehen muss. In diesem Zeitraum erreicht die T-Aktie ihre vorübergehende Talsohle von 8,16 Euro. Doch es geht noch weiter bergab: Das Rekordtief erreicht die Aktie erst am 5. Juni 2012 bei 7,71 Euro. Heute hat sich der Kurswert immerhin fast verdoppelt.  Der inzwischen verstorbene Lockvogel Manfred Krug bezeichnet seine Werbekampagne später als "größten beruflichen Fehler". Im Jahr 2007 bekräftigt er seine Reue im "Stern": "Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind."

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

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Quelle: n-tv.de