Riekes Rückspiegel

Was war am 22. November? Der kleine Mann mit dem famosen Schlafsand

sandmann_8.jpg

Wer "Unser Sandmännchen" nicht kennt, hat einiges verpasst.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zipfelmütze und ein Bart wie Walter Ulbricht - so richtig sexy erscheint "Unser Sandmännchen" nicht. Sei's drum: Der kleine Wicht ist ein bemerkenswerter Karrierist, der nicht nur kleine Kinder in den Schlaf rieselt.

1959.jpg

Wussten Sie, dass … ein kleines landesbekanntes Wesen heute vor 60 Jahren erstmals deutsche Kinder mit einer pulvrigen Substanz in den Schlaf geschickt hat? Am 22. November 1959 feiert "Unser Sandmännchen" seine Premierensendung im DDR-Fernsehen, ganz drogenfrei. Seitdem begeistert es ganze Generationen mit seinem Abendgruß.

Wer kennt diese Zeilen nicht: "Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit. Wir sehen erst den Abendgruß, ehe jedes Kind ins Bettchen muss. Du hast bestimmt noch Zeit." Und ob er noch Zeit hat. Einen 60-Jährigen kann nichts mehr aus der Ruhe bringen. Zumal der kleine Herr schon Abenteuer für sechs Menschenleben erlebt hat: Ob zur Schiene, zur See oder gar im Weltraum - kein Gefährt und keine Ecke des Universums kann vor der Neugier des Winzlings sicher sein.

Erschaffen hat "Unser Sandmännchen" der Regisseur und Puppenbildner Gerhardt Behrendt. Den Auftrag erhält er vom Deutschen Fernsehfunk (DFF) der DDR. Dort ist man zufrieden mit der Figur, die mit Zipfelmütze bekleidet, ohne Mund und mit einem Bart, wie ihn seinerzeit SED-Chef Walter Ulbricht trägt, gewöhnungsbedürftig aussieht. Doch die Kinder der Republik scheren sich glücklicherweise wenig um Äußerlichkeiten und schließen "Unser Sandmännchen" in ihr Herz. Und das, obwohl es allabendlich Sand in ihre Augen streut. Es gibt wohl kaum ein Kind, das sich beim Schauen einer Abendgruß-Folge nicht die Hände vors Gesicht gehalten hat, um stark und wach zu bleiben.

*Datenschutz

Nur neun Tage nach der Premiere im Osten gibt es auch im Westfernsehen ein Sandmännchen. Ebenso mit Bart, Abenteuern und Schlafsand. Doch der Erfolg im Vergleich zum Pendant auf der anderen Seite der innerdeutschen Grenze ist überschaubar. Und so gelingt es dem Ost-Sandmännchen, seine Westverwandtschaft in den ewigen Schlaf zu rieseln. "Unser Sandmännchen" erweist sich auch als robust, als es Anfang der 1990er-Jahre aus dem gesamtdeutschen Fernsehprogramm verschwinden soll. Auf vehementen Protest großer wie kleiner Fans folgt ein neuer Sendeplatz für das längst liebgewonnene Abendritual.

Nun ist "Unser Sandmännchen" kurz vor dem Seniorenalter und besitzt sogar eine eigene App. Pittiplatsch, Frau Elster und Co. wird das gefallen - ebenso wie Millionen deutschen Kindern und Kindgebliebenen, die seit Jahrzehnten dank des kleinen Abenteurers einen ruhigen Schlaf haben.

Riekes-Rücks-Logo.jpg

Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema