Auto
Volvo bietet den XC40 und den V60 im Abbo an.
Volvo bietet den XC40 und den V60 im Abbo an.
Dienstag, 19. Juni 2018

Besser als Leasing?: Auto-Abos liegen im Trend

Immer mehr Hersteller testen den Vertrieb ihrer Fahrzeuge über ein Abo-Modell. Die erste Resonanz der Kunden ist positiv, das Angebot dürfte hierzulande in den kommenden Monaten und Jahren auch bei anderen Herstellern weiter steigen.

Auf der Suche nach neuen Vertriebskonzepten steigt mit Jaguar-Land Rover ein weiterer Hersteller in den Test von Auto-Abonnements ein. Die Briten bieten in Großbritannien ihre Produktpalette mit dem Dienst "Carpe" zum Abo an. Der hier zu mietende E-Pace kostet im All-inclusive-Paket monatlich 910 Pfund (1040 Euro). In Deutschland kann man bereits Modelle von Volvo, Mercedes und Cadillac zum Flatrate-Preis fahren, Porsche testet ein solches Modell in Nordamerika.

Bei Mercedes sind 12 unterschiedliche Fahrzeuge im Abbo enthalten.
Bei Mercedes sind 12 unterschiedliche Fahrzeuge im Abbo enthalten.

Die Abonnenten müssen sich um nichts kümmern: Für eine fixe Monatsrate, die Posten wie Versicherung, Wartung, Reparaturen und Reifenwechsel enthält, fahren sie immer ein neues Auto, das ihnen gegebenenfalls sogar bis vor die Haustür geliefert und für Werkstattbesuche dort auch wieder abgeholt wird. Anders als beim Leasing gibt es keine Anzahlung und die Kosten sind absolut planbar.

Modelle unterscheiden sich

Volvo bieten mit "Care by Volvo" das Kompakt-SUV XC40 ab monatlich 699 Euro (Steuern inklusive) an. Aufgrund der hohen Nachfrage in der mehrmonatigen Startphase erweitert der Hersteller jetzt sein Angebot: Nun ist auch der Kombi V60 (ab 849 Euro/Monat) im Abo erhältlich, zudem bieten die Schweden ab dem 1. Juni Laufzeiten von 6, 12, 24 und 36 Monaten an. Schon bald sollen zudem mehr Modelle und eine breitere Spreizung der Ausstattungen und Motoren folgen. Der Vertrag lässt sich online abschließen, bis auf Tanken und Motoröl-Nachfüllen braucht sich der Kunde um nichts selbst zu kümmern.

Bei Mercedes kann man zu einer monatlich fixen Mietrate ein Jahr lang bis zu zwölf neue Mercedes-Modelle fahren, das Handling läuft über die Mercedes-me-App. Die Stuttgarter testen ihr "Flexperience" genanntes Abo-Modell mit den zwei größten Autohandelsgruppen an den Standorten Münster und Osnabrück (mit Händler Beresa) sowie Essen und Bochum (Lueg).

Aus dem gesamten Angebot schöpfen

Cadillac bietet vom Sportwagen bis zum SUV alles an.
Cadillac bietet vom Sportwagen bis zum SUV alles an.

Auch die amerikanische Marke Cadillac zieht eine positive Bilanz der ersten Monate ihres Abos, das in München angeboten wird. Interessenten kommen aus ganz Deutschland, weshalb der Dienst "BOOK by Cadillac" mittelfristig ausgeweitet werden soll. Die Mitgliedschaft kann bereits für einen Monat abgeschlossen werden, kostet dann 1700 Euro (6 Monate: 1500 Euro). Dafür kann der Kunde aus dem Fahrzeugangebot von Cadillac und Chevrolet vom Sportwagen Corvette Stingray bis zum großen SUV Escalade wählen – und laut Cadillac tauschen, so oft er will. Der Wechsel wird über eine App gebucht, ein Concierge bringt dann das neue Fahrzeug.

Fahrzeugwechsel je nach Laune ist auch bei Porsches Pilotprojekt in Nordamerika möglich. Für eine monatliche 3000-Dollar-Pauschale können Kunden zwischen 22 Modellvarianten - von 911 Carrera S bis Cayenne E-Hybrid - wählen. Der Test ist Ende 2017 in der Metropole Atlanta positiv angelaufen, das Interesse laut Porsche groß - im weiteren Verlauf müsse man sehen, ob sich der Dienst wirtschaftlich trägt, so der Hersteller.

Einem Trend folgend

Porsche testet sein Abbo-Modell in den USA.
Porsche testet sein Abbo-Modell in den USA.

Mit den Modellen zur flexiblen Langzeitmiete greifen die Autohersteller den Trend vom Kauf zur Nutzung vor allem bei jüngeren Autofahrern auf, bei Cadillac ist beispielsweise ein Drittel der "BOOK"-Kunden unter 35 Jahren. Die meisten Teilnehmer waren davor keine Kunden der Marke - ein Trend, den auch Hersteller Volvo bei seinem Abo-Modell beobachtet. Bei den Schweden haben aber auch viele Gewerbekunden Interesse gezeigt, für die eine monatliche Flatrate betriebswirtschaftlich Vorteile hat, da die Kosten kalkulierbar sind und keine Überraschungen bieten.

Bedeutete das eigene Auto über Jahrzehnte für viele Menschen Freiheit und Unabhängigkeit, ist der Besitz für aktuelle Führerschein-Neulinge in der Stadt eher uninteressant. Fast die Hälfte der jüngeren Stadtbewohner zwischen 18 und 25 Jahren würden auf einen privaten Pkw zugunsten neuer Mobilitätservices verzichten, so eine Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch-Gladbach. "Fahrzeuge werden bis 2025 mehr und mehr als Teil von neuen Services genutzt", so Studienleiter Stefan Bratzel. Zum Ende dieses Jahrzehnts werde der Siegeszug dieser Dienstleistungen erstmals deutlich an Fahrt aufnehmen.

Quelle: n-tv.de