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Eilige Drucksache BMW 2002 Turbo trifft auf M2 Clubsport

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Obgleich zwischen dem BMW 2002 Turbo und dem M2 Clubsport Jahrzehnte liegen, sind doch beide quasi Geschichte.

(Foto: Patrick Broich)

Der BMW M2 Clubsport ist so etwas wie der heimliche Nachfolger des 2002 Turbo, des ersten Turbomodells nicht nur der Marke mit dem Propeller, sondern überhaupt eines deutschen Autoherstellers. Ein Treffen nach fast fünf Jahrzehnten fasziniert auf beiden Seiten.

Vor 47 Jahren wurde der erste hiesige Turbo-Serienwagen in Form des BMW 2002 mit 170 PS auf die Straße gebracht. Angesichts von Energiespar-Appellen und Fahrverboten im Jahr der Ölkrise 1973 traf er allerdings auf eine echt miese Stimmung.

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Die 170 PS des BMW 2002 Turbo wirkten 1973, im Jahr der Ölkrise, geradezu frivol.

(Foto: Patrick Broich)

Dabei waren diese 170 PS eine für damalige Verhältnisse geradezu frivole Power für eine 4,22 Meter lange Limousine, die gerade einmal 1,1 Tonnen auf die Waage brachte und somit plötzlich im 911er-Revier wilderte. Auf der Vorderachse lag ein eigentlich profaner Zweiliter-Vierzylinder, der allerdings per Abgasturboaufladung zwangsbeatmet wurde. Damit hatten US-Automarken zwar schon Erfahrung gesammelt, hierzulande war diese Technik aber noch Neuland. Mit Hinterradantrieb und Sperrdifferenzial ausgerüstet ist dieser optisch verbreiterte Nullzwo kein harmloses Spielzeug für halbstarke Jungs.

Der exotische M2 Clubsport, dessen Ära quasi schon wieder vorüber ist, passt gut in die Philosophie des 2002 Turbo. Mit 4,46 Metern Länge überragt der dem Kompaktsegment zuzuordnende M2 den früheren Mittelklässler zwar deutlich, aber die Zeiten haben sich eben geändert. Der M2 CS verfügt über zwei Lader. Sein intern als S55 bezeichneter Sechszylinder mit 450 PS ist dem Vorgänger-M3 entliehen. Der Testwagen ist zudem mit einem im Aussterben begriffenen manuellen Schaltgetriebe ausgerüstet.

Für Rennstrecken-Junkies oder Sammler

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Für Sportfahrer absolut reizvoll ist die Handschaltung des BMW M2 Clubsport.

(Foto: Patrick Broich)

Dieser spezielle M2 ist ein Auto für Rennstrecken-Junkies oder Sammler. Das Werk hat ihm zur Gewichtsoptimierung nicht nur Kohlefaser-Anbauteile spendiert, sondern vorsichtshalber auch Michelin Pilot Sport Cup 2 montiert. Sind die Pneus ordentlich warmgefahren, baut der Reifen derart Grip auf, dass ein Kavalierstart trotz Hinterradantriebs und mechanischer Kupplung schon einiger Mühe bedarf. Mit dem feinen Alcantara-Lenkrad, wandelbarem Adaptiv-Fahrwerk und viel Reserve im rechten Pedal erobert der 1,6-Tonner Kehre um Kehre. Dennoch ist der Clubsport kein Spielverderber auf langen Distanzen, steckt Bodenwellen gekonnt weg und mimt dabei den braven Alltagsbegleiter.

Einer, der freilich mehr als souverän motorisiert ist und auch wie der 2002 Turbo damals im 911er Revier wildert. Die Fahrleistungen bewegen sich auf Carrera S-Level. Wie Fachmagazine gemessen haben, reichen dem Münchener rund 13 Sekunden bis zur 200 km/h-Marke - ein Wert, der das Auto in die Kategorie der führerscheingefährdenden Vehikel hievt. Letzteres auch, weil sein Sechszylinder fluffig gen Drehzahlbegrenzer rotiert, während die Karosse magenbelastend auf Tempo stürmt. Dabei bleibt das Aggregat akustisch zurückhaltend. Der M2 schreit und sprotzelt lange nicht so energisch wie seine Vorläufer ohne Partikelfilter.

Ein 2002 Turbo bedeutet Drama

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Mit heutigem Blick wirkt das Innenleben des BMW 2002 Turbo absolut puristisch. Eben genau so, wie es sich für einen Sportler gehört.

(Foto: Patrick Broich)

Erstaunlich, dass der alte Vierzylinder aus den frühen Siebzigern kaum weniger Laune macht. Keine Frage, das Performance-Niveau rangiert in der Gesamtsicht deutlich weiter unten - die sieben Sekunden für den Standard-Sprint macht heute ein Golf GTD - aber eben viel unspektakulärer. Ein 2002 Turbo bedeutet Drama in jeder Hinsicht: Die Beschleunigungskurve verläuft alles andere als linear. Erst passiert wenig und wenn die Turbine des Laders bei steigendem Abgasstrom Fahrt aufnimmt, setzt der Schub zackig ein. Bei Nässe oder mit zu viel Lenkwinkel ist man schneller quer, als einem lieb ist.

Gute 2002 Turbo liegen aktuell im sechsstelligen Preisbereich und damit über den 92.605 Euro, die BMW für den Clubsport verlangte; also bitte immer schön vorsichtig umgehen mit dem wertvollen Stück automobiler Zeitgeschichte. Generell ist das Fahren mit diesem Oldtimer Arbeit - Kupplungspedal und Lenkung sind stramm, die fünf Vorwärtsgänge rasten schwergängig und es gibt keinen doppelten Boden namens Stabilitätsprogramm, falls man es doch mal übertreiben sollte. Wer vergeblich nach dem gerüchteweise vorhandenen Modellschriftzug sucht, der in Spiegelschrift auf dem Frontspoiler prangen sollte - diese bösartige Idee gab es zwar, sie wurde aber nie in die Realität umgesetzt.

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Ein wirtschaftlicher Erfolg war der BMW 2002 Turbo damals nicht. Wer heute einen besitzt, ist da ganz anderer Meinung.

(Foto: Patrick Broich)

Ein wirtschaftlicher Erfolg wird der 210 km/h schnelle BMW damals übrigens kaum gewesen sein, der in einer stimmungsmäßig autofeindlichen Zeit auf den Markt kam, als sonntägliche Autobahnen leergefegt waren und über 100 Tage lang ein Tempolimit von 100 km/h galt. Andererseits gab es insgesamt bloß vier autofreie Sonntage im November und Dezember 1973 - die Situation wird in der Retrospektive öfter dramatischer dargestellt.

Dennoch fand der 2002 Turbo kaum anderthalbtausend Käufer und wurde nach etwas mehr als einem Jahr eingestellt, worüber sich heutige Besitzer natürlich freuen. Der rund ein Jahr gebaute M2 Clubsport hat den Sammlerstatus allerdings wesentlich schneller erreicht - besonders mit manueller Schaltung.

Quelle: ntv.de, Patrick Broich, sp-x