Auto

Mit der Schubblubbern-Symphonie BMW 850i Cabrio - Kurvengier im Langformat

BMW fährt weiter mit Vollgas seine Modelloffensive im Luxussegment und schickt das 8er Cabrio gegen die offene S-Klasse ins Rennen. Und wie das in Bayern üblich ist, hat man dort alles auf maximalen Fahrspaß ausgerichtet. Aber reicht das?

DSC_1726.JPG

Die Schulterlinie des 850i Cabrio präsentiert sich bei offenem Dach sehr geradlinig.

(Foto: Holger Preiss)

Der offene Luxus bekommt im Portfolio von BMW einen neuen Namen: 8er Cabrio. Na ja, so richtig neu ist das mit dem Namen natürlich nicht, denn ein 8er Coupé gab es schon mal. Der E31 war es, der bis 1999 die Herzen der Sportwagenfraktion höher schlagen ließ. Auch ein sehr luxuriöses BMW Cabrio gab es fünf Jahre später in Form des 6er. Aber Autos kommen und gehen, Nomenklaturen verändern sich. Deshalb soll hier gar nicht weiter in der Geschichte rumgewühlt, sondern einfach die Wachablösung in Form des 8er Cabrios besungen werden. Speziell der 850i, der jetzt neben dem 840d auf die Märkte fahren wird und sich gegen das Mercedes S-Klasse Cabrio stellt.

Klar, die 50 hinter der 8 steht für das wohl mit Abstand sportlichste Triebwerk der Bayern, für den 4,4 Liter V8 mit 530 PS und 750 Newtonmeter maximalem Drehmoment, die über eine 8-Gang-Automatik an alle vier Räder verteilt werden. Ja, das Triebwerk gibt es in gleicher Form auch im 750i und bereits dort ist es ein Ausbund an Fahrspaß. Was die Ingenieure allerdings als Gesamtpaket im 850i abgeliefert haben, übertrifft die Sache noch einmal deutlich und das, obgleich das Cabrio mit 2,09 Tonnen sogar 50 Kilogramm schwerer ist als der Luxusliner.

DSC_1880.JPG

Der 850i macht auch in der Bewegung eine gute Figur.

(Foto: Holger Preiss)

Allerdings muss dazugesagt werden, dass die Maße nahezu exakt denen des 8er Coupés entsprechen und damit die Basis für absolute Sportlichkeit und puren Fahrspaß ohnehin gelegt sind. Will man das abseits von Länge, Höhe und Breite in Zahlen fassen, heißt das, dass der Radstand von 2,82 Meter, als auch die Spurweite (vorn 1,61 Meter, hinten 1,62 Meter) identisch sind. Auch die dazugehörige Mischbereifung ist mit 245er Schluffen vorn und 275er Pneus hinten, auf 20 Zoll Felgen und der darin arbeitenden Sportbremsanlage ein Garant für dynamisches Fahrvergnügen.

530 wilde Mustangs

Aber noch mal zurück zum V8, der unter der langgestreckten Haube lauert und nur auf den Gasbefehl des Piloten wartet, um die 530 wilden Mustangs auf Wunsch mit brachialer Gewalt voranstürmen zu lassen. Tatsächlich sprechen die im V der Zylinderbänke liegenden Turbolader gerade im Sport-Plus-Modus so spontan an, dass der Antritt, ob aus dem Stand oder im vollen Lauf, dem Abgang einer Achterbahn vom höchsten Punkt gleicht. Turboloch? Fehlanzeige! Außer einem brutalen Schlag ins Kreuz, dem Kribbeln im Magen und dem stärker werdenden Fahrtwind spüren die Insassen nicht den Hauch von einer Verzögerung. Und auch der Wind zaust nicht so arg am Haupthaar, wie das in anderen Sonnenanbetern der Fall ist.

DSC_1634.JPG

Auf Passform geschnitten: der Arbeitsplatz des Fahrers im 8er Cabrio.

(Foto: Holger Preiss)

Das Ganze wird intoniert von der serienmäßig verbauten M Sportabgasanlage mit Klappensteuerung. Grollend, spratzend und hustend spielt der V8 gemeinsam mit der 8-Gang-Steptronik, die blitzschnell die Schaltstufen durcheilt, die Schubblubbern-Symphonie. Natürlich kann der Fahrer hier auch selbst dirigieren und über die großen Schaltwippen am Lenkrad die Gänge wuppen. Um den richtigen Schaltpunkt zu finden, laufen im Head-up-Display zwei gelbe Streifen von rechts und links zusammen. Wenn sie sich in der Mitte in einer Art rotem Blitz treffen, sollte der nächste Gang eingetippt werden. Und das zwingend! Denn BMW lässt im Sportmodus zwar den Begrenzer kommen, schaltet aber nicht über die Automatik nach, sondern lässt die Drehzahlen einfach stehen.

Jubel-Arien längs und quer

Der spontane Vortrieb ist auch dem Umstand geschuldet, dass der neue Achtender sein maximales Drehmoment bereits ab 1800 Kurbelwellenumdrehungen zur Verfügung stellt. Seine Höchstleistung erreicht er zwischen 5500 und 6000 Umdrehungen. Das heißt wiederum in Zahlen, dass der Spurt von 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden abgeschlossen ist und dass der 850i ungebremst bis zu den obligaten abgeregelten 250 km/h eilt. Wem der normale Start aus dem Stand nicht reicht, der kann natürlich auch die Launch-Control-Funktion bemühen und, wie es BMW nennt, "traktionsoptimiert, mit maximaler Dynamik" beschleunigen.

DSC_1861.JPG

Bei Kurvenfahrten präsentiert sich das 850i Cabrio trotz seines Gewichtes fein ausbalanciert.

(Foto: Holger Preiss)

Wer aber im Rahmen der Längsbeschleunigung schon Jubel-Arien singt, der soll mal erst die Kurven fahren. Hier zeigen die Bayern nämlich in der Abstimmung des Zweitonners ihr ganzes Können. Zum einen sorgt eine Lamellenkupplung für die vollvariable Kraftverteilung an Vorder- und Hinterachse, zum anderen begünstigt die geregelte Differenzialsperre im Hinterachsgetriebe und die Integral-Aktivlenkung ein besonders dynamisches Herausbeschleunigen aus Kurven. Nimmt man jetzt noch den tiefen Schwerpunkt, die Achslastverteilung von 50 zu 50, Radstand, Spurweite, steifere Karosserie und die Wankstabilisierung dazu, dann spürt man zwar das Gewicht des Wagens in der Kurve, aber in keiner Sekunde dessen Einflüsse auf die Linie, die man zieht. Selbst dann nicht, wenn die Kurve böse zumacht. Wer hier das Rennsport-Knowhow der M GmbH vermutet, liegt übrigens völlig richtig.

Keine unmäßige Härte

Natürlich ist der Fahrspaß nicht auf ein geöffnetes Dach beschränkt, man kann die Stoffhaube auch schließen und ums Eck schießen oder einfach ganz gepflegt dahingleiten. Auch das ist übrigens erwähnenswert, dass der 850i selbst in der schärfsten Sporteinstellung nie das Gefühl von unmäßiger Härte vermittelt. Selbst hier federt er sanft, aber nachdrücklich aus. Das ist besonders gut, da man in recht straffe mit Nappa bezogene Sportsitze gebettet ist. Die verfügen auf Wunsch dann auch über eine ganz neuartige Sitzklimatisierung. Hier wird nämlich die gekühlte Luft aus dem Innenraum angesaugt und dabei am Körper entlang zu den in den Sitzen integrierten Lüftern geleitet.

DSC_1642.JPG

350 Liter Stauraum bietet der Kofferraum. Wer das Verdeck schließt, kann zwei Golfbags verstauen.

(Foto: Holger Preiss)

Werfen wir noch einen Blick auf die Alltagstauglichkeit. Tatsächlich sind die zwei Sitze der zweiten Reihe trotz einer Gesamtlänge des Cabrios von 4,82 Metern ehrlich gesagt Makulatur. Es bedarf schon einiger gemeinsamer Anstrengungen und Kompromisse, dass an dieser Stelle zwei Menschen eine Fahrt antreten können. Dafür gibt es ein Stauabteil mit einem Volumen von 350 Litern und einer Durchlademöglichkeit. Zwei Golfbags lassen sich hier locker unterbringen. Zudem sind die Fondsitze serienmäßig im Verhältnis 50:50 teilbar und können unabhängig voneinander umgeklappt werden. Der Mechanismus kann über zwei Hebel im Kofferraum ausgelöst werden.

Auch für sportliche Sparfüchse

Natürlich hat BMW teilweise in Serie, zum Großteil optional auch ein üppiges Angebot an Assistenten für das 8er Cabrio im Angebot: Kollisionen verhindern, Spurhalten und -wechseln, Abstand wahren und selbständig überholen. Das alles bei Tag und Nacht und bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h. Auch das Parken und Rangieren übernimmt auf Wunsch die Elektronik. Ein ganz eigenes BMW-Feature ist, dass der Wagen eine Strecke bis zu 50 Metern, die er vorwärts gefahren ist, allein zurückfahren kann. Überblicken kann der Fahrer das alles mit serienmäßig verbauten Kameras, die ein Bild des Cabrios aus allen Perspektiven auf den 10,25 Zoll großen Monitor oberhalb der Mittelkonsole projizieren.

DSC_1692.JPG

Mit geschlossenem Verdeck wird das 8er Cabrio zu einem waschechten Coupé.

(Foto: Holger Preiss)

Nun gibt es das alles nicht für umme. Das hier beschriebene 850i Cabrio startet bei 133.700 Euro. Wer sich noch eine schicke Farbe, das Open-Air-Paket mit Nackenfön, den Driving Assist, Nachtsicht-Paket und für noch mehr Sportlichkeit ein entsprechendes M-Fahrwerk gönnt, der ist schnell bei 145.800 Euro angekommen.

Es gibt aber eine Alternative in Form des 840d xDrive Cabrios. Der Sechszylinder-Diesel leistet 320 PS, drückt 680 Newtonmeter maximales Drehmoment auf die Achsen und beschleunigt in 5,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Auch hier sind abgeregelte 250 km/h das Ende der Fahnenstange. Ansonsten ist technisch auch beim Selbstzünder alles wie oben beschrieben. Ach nein, nicht alles: der Einstiegspreis liegt bei 108.000 Euro und der Spritverbrauch differiert laut Datenblatt bei durchschnittlich 6,3 Litern Diesel zu 10,0 Litern Benzin um fast 4 Liter. Der 840d, der natürlich Euro 6d-Temp erfüllt, ist also der offene Gleiter für sportliche Sparfüchse.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema