Auto
Zu den individualisierbaren Teilen gehören auch die Side Scuttles am Mini.
Zu den individualisierbaren Teilen gehören auch die Side Scuttles am Mini.
Mittwoch, 27. Dezember 2017

Individueller geht's nicht: Der ganz eigene Mini aus dem 3D-Drucker

Von Holger Preiss

Individualität ist für viele wichtig. Auch wenn es um das eigene Auto geht. Deshalb hat sich Mini für seine Kunden etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Für Anbauteile kann nicht nur die Struktur selbst gewählt werden, sondern auch eine eigene Botschaft.

Unterschiedliche Anbauteile für den Mini.
Unterschiedliche Anbauteile für den Mini.(Foto: Günter Schmied)

Wenn etwas beim Autokauf inzwischen groß geschrieben wird, dann ist es die Individualisierung. Gerade bei den Kleinwagen sollen andersfarbige Dächer und Seitenspiegel sowie originelle Felgen den Wagen zu einem Unikat machen. Auch bei Mini gibt es seit Jahren die Möglichkeit, auf diese Art und Weise sein Fahrzeug aus der Masse herauszuheben. Doch jetzt wollen die Briten bei der Individualisierung noch eins draufsetzen. Mit "Mini Yours Customised" sollen auch ältere Fahrzeuge mit ganz persönlich gestalteten Teilen ausgestattet werden.

Welche das sind? Nun, für den Anfang gibt es vier Optionen: die Side Scuttles, also die Seitenblinker mit ihren entsprechenden Einlagen, die Dekorleisten im Dashboard auf der Beifahrerseite, die LED-Einstiegsleisten vorn und hinten sowie die LED-Türprojektoren. Wenden wir uns zuerst den Side Scuttles und der Dekorleiste im Dashboard zu. Auf einer extra konzipierten Seite im Internet kann der Kunde seinen Schriftzug, die Struktur, das Muster und die Farbe auswählen, die am Ende die beiden Teile zieren soll.

Botschaft und Farben bewusst limitiert

Zwei Arten von individualisierten Dekorleisten.
Zwei Arten von individualisierten Dekorleisten.(Foto: Günter Schmied)

Dabei sind Strukturen und Muster im Maßstab variabel. Außer­dem werden Designwelten rund um die Themen "Reiselust, Freizeit und Geschichte des Mini" aufgelistet. Aus diesen Themenfeldern ergeben sich abgestimmte Farben und Vorlagen sowie spezifische Icons. Auch sie lassen sich in ihrer Größe variieren und werden in einem vordefinierten Designfeld platziert. Darüber hinaus wird dem Nutzer ein Textfeld angeboten, dessen Größe und Position verändert und das mit einer entsprechenden Botschaft versehen werden kann. Ob das der Name des Mini, des Liebsten oder der Mutti ist, kann jeder selbst entscheiden.

Einschränkend muss angemerkt werden, dass es bei den Texten und Farben Grenzen gibt. Botschaften, die gegen den guten Ton verstoßen, werden ebenso wenig an einem Mini zugelassen wie Farben, die das Gesamtbild stören könnten. Insofern ist die Auswahl auf Weiß, Rot, Schwarz, Silber und Weiß-Silber beschränkt, bei den Dekorleisten kommen noch Blau und Grau dazu. Aufgetragen wird die Farbe auf die jeweiligen Teile in Handarbeit. Was die Frage nach dem Verfahren für die Herstellung der Scuttles und Dekorleisten aufwirft.

140 Euro für Teile aus dem 3D-Printer

Die Konfiguration erfolgt am Tablet oder Computer.
Die Konfiguration erfolgt am Tablet oder Computer.(Foto: Mini)

Die werden tatsächlich von einem 3D-Drucker erstellt. Mini hat sich hier mit Hewlett-Packard, der Carbon Inc. und der EOS GmbH zusammengetan, um zum einen eine hochprofessionelle Fertigungsanlage zu entwickeln. Zum anderen, um einen Kunststoff zu erschaffen, der in Qualität und Langlebigkeit den anderen Teilen an einem Fahrzeug in nichts nachsteht. Insofern wundert es am Ende nicht, wenn die Fertigung der beiden Teile in etwa einen Tag in Anspruch nimmt. Dafür sind die Kosten, die Mini für den gesamten Blinker und die Dekoreinlage mit jeweils etwa 140 Euro berechnet, noch recht bescheiden.

Natürlich hat man darauf geachtet, dass die Demontage so einfach ist wie der Anbau der Teile. Die Überlegung war, dass kaum jemand ein Auto mit seinen persönlichen Botschaften verkaufen möchte und es ebenso unwahrscheinlich ist, dass der Käufer den Namen einer mutmaßlich fremden Frau spazieren fahren will. Also Motorhaube auf, Scuttles mit Blinker herausgedrückt, Tür auf und Dekoreinlage aus den Verankerungen gelöst.

Später auch bei BMW?

Ebenso einfach lassen sich auch die laserbeschrifteten Einstiegsleisten anbringen und wieder entfernen. Auch die können individuell am Computer beschriftet werden. Per Laser wird die Botschaft dann im Werk aufgebracht. Wenn sich dann später die Tür des Wagens öffnet, wird der Schriftzug hinterleuchtet sein. Aber Achtung! Grundvoraussetzung, dass das funktioniert, ist, dass schon eine LED-Einstiegsleiste vorhanden ist. Wer die nicht hat, kann sich aber noch LED-Türprojektoren mit einer eigenen Botschaft konfigurieren.

In Summe entstehen so einige echte Individualisierungen am Fahrzeug, die mit großer Wahrscheinlichkeit kein Zweiter hat. Mini ist hier im Übrigen eine Art Versuchsballon. Sollte sich diese Form der Fahrzeugverschönerung beim Publikum bewähren, könnte auch BMW nachziehen. In jedem Fall ist die bayrisch-britische Gemeinschaft hier ein echter Vorreiter. Ein solches Verfahren bietet bis dato kein anderer Hersteller. Und in München hat man natürlich schon die Patente für die einzelnen Verfahren angemeldet.

Eine Sache funktioniert aber dennoch nicht. Wer von einer Mini-Generation in die nächste steigt, muss damit rechnen, dass das mutmaßlich neue Design es verhindert, dass die individualisierten Anbauteile dann noch passen. Aber bis dahin ist man King in the Ring!

Quelle: n-tv.de