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Skoda-Chef im Interview "Dürfen niemanden von Mobilität ausgrenzen"

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Skoda-Deutschland-Chef Frank Jürgens am neuen Skoda Enyaq iV 80 Sportline auf dem Greentech Festival in Berlin.

(Foto: Skoda)

Die E-Mobilität nimmt bei den meisten Herstellern weiter Fahrt auf. Bei Skoda ist es der Enyaq iV, der bereits kurz nach seinem Marktstart deutliche Tendenzen entwickelt, in Zukunft ein Volumenmodell zu werden. Aber Umwelt- und Klimaschutz besteht natürlich aus mehr als nur dem Verkauf von Elektroautos. Und auch die persönlichen Ansprüche an die Mobilität spielen bei der Wahl eines Autos eine nicht unwesentliche Rolle. ntv.de sprach im Rahmen des Greentech-Festivals in Berlin mit dem Geschäftsführer von Skoda Auto Deutschland, Frank Jürgens, darüber, was die Marke bei diesen Themen umtreibt.

ntv.de: Wenn wir beim Skoda Enyaq iV von einem Volumenmodell reden, was bedeutet das in Zahlen?

Frank Jürgens: Wir sind momentan bereits bei über 10.000 Kundenbestellungen in Deutschland. In Anbetracht der Tatsache, dass wir mit den Bestellungen Ende letzten Jahres begonnen haben und die physische Markteinführung im April 2021 folgte, ist das eine beachtliche Zahl und zeigt, dass wir mit dem Enyaq iV unsere Kunden überzeugen können. Das freut uns natürlich sehr.

Aber was sagt diese Zahl von 10.000 Stück im Vergleich zu einem anderen Volumenmodell wie zum Beispiel dem Octavia aus?

Tatsächlich war bis dato fast jeder dritte verkaufte Skoda in Deutschland ein Octavia. Nimmt man jetzt die genannten Bestellungen des Enyaq iV, dann bewegt er sich bereits auf Augenhöhe mit unseren sehr erfolgreichen Modellen Kodiaq und Karoq.

Bei dem großen Interesse für den Enyaq iV als reinem Elektroauto stellt sich natürlich die Frage, ob dieses Interesse bewusstseinsgetrieben ist oder eher dem Umstand geschuldet, dass die Innovationsprämie mit 9000 Euro Förderung lockt.

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Frank Jürgens ist überzeugt, dass sich die E-Mobilität auf lange Sicht durchsetzen wird.

(Foto: Skoda)

Es gibt tatsächlich mehrere Faktoren. Die Innovationsprämie hilft dem Thema Elektromobilität ganz enorm. Hinzu kommen die Vorteile bei der Dienstwagensteuer bei E-Fahrzeugen, die hochattraktiv sind und in welche der Enyaq iV mit seinen überzeugenden Eigenschaften und einem Preis ab 33.800 Euro hervorragend reinpasst. Ich glaube aber auch, dass die Menschen unterdessen sehr sensibel geworden sind, was das Thema Umwelt- und Klimaschutz betrifft. Die Kunden suchen nach Produkten und Marken, welchen sie bei diesem Thema vertrauen. Dieses Vertrauen haben wir uns bei Skoda in vielen Jahren hart erarbeitet. In Deutschland ist mittlerweile jedes fünfte neu zugelassene Auto ein elektrifiziertes Modell.

Wenn wir von elektrifizierten Fahrzeugen sprechen, dann müssen wir natürlich sagen, dass hier auch die Plug-in-Hybride eingerechnet werden.

Die sind da zu Recht mit eingerechnet, weil Plug-in-Hybride gerade im urbanen Raum für deutlichen weniger Emissionen sorgen können. Aber es ist natürlich auch ein Trend zu erkennen, der für die ausschließliche Elektromobilität spricht.

Nun ist es aber doch so, dass VW als Konzernmutter, unter deren Dach Skoda beheimatet ist, gesagt hat, dass ab dem Jahr 2030 etwa 40 Prozent aller verkauften Fahrzeuge elektrifiziert sind. Bleiben immer noch 60 Prozent, die auf andere Antriebskonzepte zurückgreifen müssen. Was heißt das für Skoda?

Skoda rechnet in Europa im Jahr 2030 mit 50 bis 70 Prozent Verkaufsanteil von reinen batterieelektrischen Fahrzeugen. Die Kunst ist es nun, im Übergang zur Elektromobilität die unterschiedlichen Nutzungsprofile der Menschen im Blick zu behalten. Auch die individuellen Lebensumstände müssen berücksichtigt werden. Leute, die in Hochhäusern leben, werden morgen noch nicht die ideale Infrastruktur vorfinden, um ihr Elektroauto vor der Tür zu laden. Deswegen ist es wichtig und fair, alle Menschen auf dem Weg zur Elektromobilität mitzunehmen und gleichzeitig Alternativen zu schaffen, ohne den Einzelnen von der Mobilität abzudocken. Das würde ich für extrem unsozial halten.

Lassen Sie uns einen Schritt in der Zeit vorausgehen. Der Diesel ist verschwunden, die Elektroautos haben Reichweiten von 1000 Kilometern. Bei den Batteriegrößen, die hier gefordert sind, bleiben aber noch Ladezeiten, die nicht in mein persönliches oder berufliches Profil passen. Ein Brennstoffzellenfahrzeug wäre eine Alternative. Das wird es aber bei VW und damit auch bei Skoda nicht geben. Was erwartet diesen Kunden dann in Zukunft?

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Frank Jürgens Ölm Gespräch mit Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg (2.v.L) auf dem Greentech Festival in Berlin.

(Foto: Skoda)

Wenn wir so durch die Technologien gehen, dann wird es verbrauchsarme Diesel und Benziner parallel zu den E-Antrieben ja noch einige Zeit geben. Dann gibt es die Brückentechnologie in Form der Plug-in-Hybride, die mir ein lokal emissionsfreies Fahren ermöglichen und die Langdistanz mit dem Verbrenner zulassen. Ob die Brennstoffzelle dann eine nächste Stufe sein kann, wird sich zeigen. Doch bis jetzt - und das zeigt sich auch beim Blick auf die Wettbewerber - ist die Technologie momentan noch sehr teuer, es gibt eine sehr dünne Infrastruktur in Deutschland. Hinzu kommt der Umstand, dass die Effizienz im Vergleich zum batteriebetriebenen Fahren noch deutlich schlechter ist. Am Ende wird es auch der Kunde sein, der über Technologien entscheidet. Denn kein Unternehmen kann es sich leisten, etwas zu produzieren, das am Ende nicht verkauft wird. Die batterieelektrischen Fahrzeuge bieten aktuell unter den genannten Technologien das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für ein emissionsfreies Fahren auf unseren Straßen.

Nun reden wir hier ja von Technologien, wie auch immer sie geartet sind, die das Klima schützen sollen. Aber was ist mit der Umwelt, die gerade bei der Erlangung der Rohstoffe für die Batterieherstellung stark belastet wird?

Ja, das ist ein wichtiges Thema. Die Umweltaspekte müssen bei der Rohstoffbeschaffung immer im Vordergrund stehen. Aber unser Gedanke ist auch der, dass Batterien zu einem hohen Prozentsatz recycelt werden. Das ist ja auch ein Vorteil gegenüber dem Öl. Dieser Rohstoff wird verbrannt und ist damit verschwunden, die Rohstoffe in den Batterien bleiben und können wiederverwendet werden.

Sie sagten vorhin, dass am Ende der Kunde entscheidet. Worüber kann der Kunde bei Skoda in Zukunft entscheiden?

Dieses Jahr wird der neue Fabia in den Markt gebracht. Den Designern ist nicht nur ein sehr schönes Auto gelungen, sondern auch ein klassenbester cw-Wert. Das neue Modell wird es ausschließlich mit verbrauchsarmen Benzinmotoren geben. Was wiederum eine ganz bewusste Entscheidung ist, denn der Wagen muss sich im Kleinwagensegment mit einem attraktiven Preis behaupten können und soll somit die Mobilität für viele Kunden garantieren. Wir reden hier von einem Einstiegspreis unter 14.000 Euro, was im Vergleich mit den Wettbewerbern sehr, sehr gut ist. Am anderen Ende unseres Modellportfolios kann ich mich aber auch für einen rundum überarbeiteten Kodiaq mit Diesel entscheiden oder eben für einen rein elektrisch angetriebenen Enyaq iV in diversen Varianten. Vielleicht will ich aber auch einen Octavia als Plug-in-Hybrid, Mild-Hybrid oder einen Kamiq mit Erdgasantrieb. Also da gibt es schon eine ganze Menge Entscheidungsmöglichkeiten. Was wir bei Skoda wollen, ist die individuelle Mobilität als ein wirklich hohes Gut zu sichern. Ein Gut, das gerade in den Zeiten der Pandemie noch einmal deutlich an Gewicht gewonnen hat.

Mit Frank Jürgens sprach Holger Preiss

Quelle: ntv.de

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