Auto

Mercedes-Konkurrent der 50er Fiat 1900 Grand Vue - italienischer Luxus

Fiat_1900_Coup_HN_SE.JPG

Der Fiat 1900 Grand Vue ist ein luxuriöses und für seine Zeit eintechnisch durchaus innovatives Coupé.

(Foto: Patrick Broich)

Mit dem Fiat 1900 Grand Vue bauen die Italiener seinerzeit ein luxuriöses und technisch durchaus innovatives Coupé. Heute ist das rassig gezeichnete Modell selten. Eigentlich schade, denn der Fünfzigerjahre-Beau fährt sich modern und ist ein Hingucker.

Woran denkt man, wenn der Markenname Fiat fällt? Panda? 500? Vielleicht noch den Tipo. Große, luxuriöse Limousinen oder Coupés der oberen Mittel- oder gar Oberklasse mit dem Fiat-Logo können sich jüngere Auto-Fans kaum vorstellen. Die gab es aber. Sogar noch bis in die Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts mit dem Mercedes-Konkurrenten Fiat 130 samt 3,2-Liter großem Sechszylinder. So viel Antriebsluxus war den privilegierten Autofahrern der 1950er-Jahre natürlich nicht vergönnt.

Fiat_1900_Coup_HN_VO.JPG

Fünfziger-Jahre-Charme bietet der Turiner jede Menge.

(Foto: Patrick Broich)

Doch damals vertrat der 1900 Grand Vue die italienische Oberklasse. Unter der Haube des Neunzehnhunderters arbeiten lediglich vier Töpfe, die zusammen 1901 Kubikzentimeter fassen und aus heutiger Perspektive recht magere 58 PS produzieren. Immerhin gelangt die Kraft an ein Hightech-Fünfganggetriebe, das neben einer Reibkupplung auch noch über einen hydraulischen Wandler verfügt. Abwürgen geht also nicht bei Fiat 1900, und viel schalten muss man auch nicht, weil der zweite Gang kurz genug ist, um zum Anfahren benutzt werden zu können.

Mit viel Fünfziger-Jahre-Charme

Fünfziger-Jahre-Charme bietet der Turiner jede Menge. Die Karosserie kommt aus dem Hause "Carrozzerie Speciali Fiat" – sozusagen ein hauseigener Schneider für besondere Fahrzeuge. Wer zu einer Zeit, als die meisten Bundesbürger noch zu Fuß gingen, Fahrrad fuhren oder bestenfalls Motorrad, mit einem exklusiven Coupé reiste, musste schon einer gehobenen Schicht angehören. Der 1900 Grand Vue macht etwas her, das gilt heute noch genauso. Der von schlichter Eleganz geprägte Zweitürer bekommt durch die Duo-Lackierung noch einen Schuss Extravaganz, und es ist kein Problem, den Fiat auf einer der vielen Concours-Events anzumelden.

Fiat_1900_Coup_HN_HI.JPG

Der von schlichter Eleganz geprägte Zweitürer bekommt durch die Duo-Lackierung noch einen Schuss Extravaganz.

(Foto: Patrick Broich)

Dick gepolsterte Sessel ohne jeglichen Seitenhalt empfangen die Passagiere freundlich zur Spritztour. Der Reflex, unmittelbar vor dem Losfahren Richtung Gurt zu greifen, läuft ins Leere. Anschnallen hat man in den Fünfzigern als nicht notwendig betrachtet. Ein großer dünner Lenkrad-Kranz erleichtert die Richtungsänderungen mit dem edlen Fiat, so lebt man auch ohne Servounterstützung wunderbar. Behände setzt sich der elegante Italiener in Bewegung. Dass sein hemdsärmelig klingender Vierzylinder auf dem Papier eigentlich gar nicht so üppige Kraftreserven bietet, stört im Fahrbetrieb nicht. Vielleicht mag es daran liegen, dass die Innengeräusche doch recht laut sind und man sich immer schneller wähnt, als man tatsächlich ist. Fünfziger eben.

Ein Autos das entschleunigt

Auch das Fahrwerk ist ein Kind der Fünfziger mit Starrachse hinten – aber immerhin fortschrittlichen Schraubenfedern. Bedenkt man, dass die Maßstäbe für Agilität seinerzeit andere waren als heute, kann man mit dem 1900er selbst auf der kurvigen Landstraße Fahrspaß empfinden – auch wenn man den Fiat jetzt nicht explizit als fahraktiv beschreiben würde. Je nach Situation entschleunigt er mehr oder weniger, und dann bleibt ein bisschen Zeit, um das für zeitgenössische Verhältnisse schmuckvoll-wuchtige Armaturenbrett zu erkunden. Darin steckt sogar ein integriertes Radio – alle Achtung!

Fiat_1900_Coup_HN_IN.JPG

Dick gepolsterte Sessel ohne jeglichen Seitenhalt empfangen die Passagiere im Diat 1900 Coupé.

(Foto: Patrick Broich)

Und wer die klassischen Rundskalen inspiziert und den fehlenden Drehzahlmesser moniert, sollte kurz in sich gehen, um über die linke Skala zu sinnieren. Der Fiat 1900 besitzt als Vorläufer moderner Bordcomputer eine Vorrichtung zur Ermittlung der Durchschnittgeschwindigkeit. So viel Innovation muss man erst einmal finden in dieser Epoche. Genützt hat es der Baureihe wenig – es entstanden insgesamt gerade einmal rund 20.000 Exemplare. Heute ist der Italiener eine rare Spezialität, so selten, dass Classic Data noch nicht mal eine Bewertung vornimmt. Also gilt: Wenn einer auf dem Markt einer auftaucht und das Budget mit der Preisvorstellung übereinstimmt, unbedingt zuschlagen!

Quelle: n-tv.de, Patrick Broich, sp-x