Auto

Teures Arbeitstier Ford pimpt den Ranger zum Raptor

Ford_Raptor36.JPG

Der Ford Ranger geht als Raptor noch souveräner durchs Gelände.

(Foto: Ford)

Pick-ups sind eigentlich Arbeitstiere. Doch immer mehr entwickeln sich auch die Kleinlaster zu Lifestyle-Mobilen. Ford hat seinen Ranger jetzt für Freunde des Außergewöhnlichen zum Raptor gepimpt. Allerdings lassen sich die US-Amerikaner das auch teuer bezahlen.

Pick-ups gehören eigentlich nicht zu den natürlichen automobilen Erscheinungen des hiesigen Straßenbildes. Und wenn doch mal einer auftaucht, handelt es sich in der Regel um Vertreter des Eintonnen-Segments – die Rede ist von jenen Ausführungen mit einer Nutzlast von rund 1000 Kilogramm und überschaubarerer Motorisierung. Betrachtet man den Pick-up-Absatz in absoluten Zahlen, ergibt sich durchaus das Bild eines Marktes, der im Wachstum begriffen ist.

Ford_Raptor31.JPG

Bei den 2,5 Tonnen Anhängelast des Ford Ranger Raptor muss der schwere Trailer wohl stehen bleiben.

(Foto: Ford)

Allerdings kann diese Bild täuschen, denn Mercedes hat jüngst seinen Versuch mit der X-Klasse in diesem Segment durchzustarten wieder auf Eis gelegt. Allerdings kann das auch dem Preis und der Nissan-DNA der Fahrzeuge geschuldet gewesen sein. Wie dem auch sei, bei Gebäude-Technikern, Gartenbauern oder sonstigen Handwerksbetrieben gewinnt der Pick-up an Zustimmung. Über 20.000 Einheiten lassen sich hierzulande inzwischen jährlich an den Mann und die Frau bringen, da möchte auch Ford ein möglichst großes Stück vom Kuchen abbekommen.

Üppig eingepreiste Emotionen

Es reicht allerdings nicht mehr, mit einer einzigen Version aufzuwarten. Ford setzt daher auf Emotion und stellt seinem Ranger die Modellvariante Raptor an die Seite. Der im Auftritt an den großen F-150 erinnernde Raptor misst mit ausgeklappten Spiegeln 2,18 Meter in der Breite und übertrifft so den herkömmlichen Ranger um 17 Zentimeter. Zudem überragt er die Standardversion um 5 Zentimeter in der Höhe. Hinsichtlich Bodenfreiheit und Watttiefe hat er auch zugelegt. Außerdem punktet er mit größere Böschungs- und Rampenwinkeln, was seine Offroad-Fähigkeiten deutlich verbessert.

Ford_Raptor07.JPG

Mit knapp 67.000 Euro lässt sich Ford den Raptor üppig bezahlen.

(Foto: Ford)

Dafür ist der Preis aber auch üppig. Für ein simples Arbeitsgerät ist der Ranger Raptor mit 66.771 Euro ziemlich selbstbewusst eingepreist. Es gibt natürlich auch einen Gegenwert. So wird das stylische Modell ausschließlich mit dem neuen, zwei Liter großen und doppelt aufgeladenen EcoBlue-Dieselmotor ausgeliefert, der nicht nur 213 PS in den Antriebsstrang presst, sondern auch noch 500 Newtonmeter maximales Drehmoment ab 1750 Touren auf die Kurbelwelle wirft. Damit wird dann selbst ein Zweieinhalbtonnen-Brocken mit stabiler Rahmen-Karosserie recht munter.

Der Hersteller beziffert den gemittelten WLTP-Verbrauch mit 8,9 Litern je 100 km, ein akzeptabler Wert für Größe und Leistung des Pick-ups. Der Raptor bietet mehr als nur Power: Die Anhängerkupplung ist ebenso serienmäßig wie die praktischen Trittbretter. Und ein Sperrdifferenzial gehört hier auch zu den Selbstverständlichkeiten. Der schwarze Kühlergrill sowie die markant-grobstolligen Goodrich-Pneus inklusive der dunkel lackierten Leichtmetallräder sorgen für einen präganten Auftritt.

Sehr sachlich im Innenraum

060_RANGER_352ad1g.jpg

Auch im Ford Ranger Raptor dominiert Kunststoff den Innenraum.

(Foto: Ford)

Da geht es innen schon deutlich sachlicher zu. Ledersitzbezüge und elektrisch verstellbares Mobiliar schaffen zwar einen Hauch von Luxus und Komfort, aber die Innenarchitektur ist geprägt von Funktionalität. Kunststoffe dominieren, der große Screen sitzt gut ablesbar im Bereich der Mittelkonsole oben zwischen den Lüftungsdüsen. Infotainment ist Ford wichtig – es gibt einen WLAN-Hotspot für bis zu zehn verschiedene Endgeräte. Zwischen den klassischen Tachoskalen befindet sich ein großes, farbiges Feld, das als Ausgabe vielfältiger Informationen dient, darunter auch, welcher Fahrmodus gerade aktiv ist. Und davon hat der Ranger einige.

Beispielsweise lässt sich während der Fahrt auf Allradantrieb umstellen, was sich indes nur empfiehlt, wenn es anders nicht mehr weitergeht. Denn abgesehen vom erhöhten Kraftstoffverbrauch verspannt der Antriebsstrang beim Lenkeinschlag wegen des Durchtriebs ohne Ausgleich der Drehzahlunterschiede. Keine Frage, der Leiterrahmen-Pick-up mit verstärktem Chassis ist ein Gelände-Profi erster Güte mit 85 Zentimetern Wattiefe, ansehnlichen 32,5 Grad Böschungswinkel vorn, 100 Prozent-Sperre für das Hinterachs-Differenzial sowie massivem Unterfahr- und Motorschutz plus robuster Starrachse hinten. Schade allerdings, dass die maximale Anhängelast auf 2,5 Tonnen begrenzt ist – 3,5 Tonnen sollten bei einem solch schweren Offroader schon drin sein.

Zehngang-Automatik im Preis enthalten

Ford_Raptor08.JPG

Die Zehngang-Wandlerautomatik für den Ford Ranger Raptor ist aufpreispflichtig.

(Foto: Ford)

Ebenfalls im Grundpreis inbegriffen ist die zehnstufige Wandlerautomatik, die ihren Job geschmeidig erledigt. Dabei wären so viele Übersetzungswechsel angesichts der bärigen Zugkraft gar nicht nötig – aber viel Drehmoment-Split heißt eben auch, meistens im betriebsgünstigen Bereich des Motors unterwegs zu sein. Viel Drehzahl braucht das Triebwerk jedenfalls nicht, um den Raptor kräftig anzuschieben. Zwar verzichtet der Hersteller darauf, die Beschleunigungswerte anzugeben, aber bis Richtgeschwindigkeit ist man mit dem geräumigen Multifunktions-Vehikel, das ausschließlich mit Lkw-Homologation anrollt, ziemlich souverän unterwegs.

Auch Assistenten wie Auffahr-Warnung, Spurhalte-Kontrolle und Verkehrszeichen-Erkennung weilen serienmäßig an Bord. Ein aktiver Tempomat würde dem geräumigen und kommod federnden Langstrecken-Riesen ebenfalls gut zu Gesicht stehen, ist aber leider nur für die Limited-Ausführung erhältlich. Womöglich steht das dreidimensionale Ford-Emblem im Kühlergrill ja der Radarsensorik schlicht im Weg. Wer schön sein will, muss eben Abstriche machen.

Quelle: n-tv.de, Patrick Broich, sp-x

Mehr zum Thema