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24-Stunden-Rennen for Girls Only Frauenteam will Grüne Hölle dominieren

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Ein reines Frauenteam will das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring aufmischen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Fahrerinnen sind beim 24h-Stunden-Rennen am Nürburgring schon lange keine Seltenheit mehr. Doch dieses Team besteht nur aus Frauen: von der Mechanikerin bis zur Fahrerin. Ihr Ziel ist ambitioniert.

Motorsport ist Männersache? Von wegen. Schon seit Jahrzehnten fahren Frauen im Motorsport erfolgreich mit: Ellen Lohr, Susi Wolf, Jutta Kleinschmidt oder Michèle Mouton sind nur einige wenige. Doch noch nie gab es ein reines Frauenteam. Beim 24h-Stunden-Rennen am Nürburgring arbeiten im Team "Giti Tire Motorsport by WS Racing" ausschließlich Frauen an den Boliden: von der Reifenbetreuerin und Mechanikerin über die Teamchefin und Ingenieurin bis zu den Rennfahrerinnen.

"Ich war es leid die Brötchen zu schmieren"

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Mit konstant schnellen Fahrerinnen soll in der Grünen Hölle gewonnen werden.

(Foto: Fabian Hoberg)

"Frauen machen die Arbeit mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser", ist sich Nicole Willems, Teammanagerin von "Girls only – ready to rock the Green Hell" von Giti Tire Motorsport by WS Racing, sicher. Sie will ihre Theorie beim diesjährigen 24-Stunden-Rennen am Nürburgring in die Praxis umsetzen. Das ist aber nur ein Grund: "Ich war es leid, nur immer die Brötchen zu schmieren und wollte endlich mit einem professionellen weiblichen Team an den Start gehen", sagt sie.

Die 39-Jährige aus dem Saarland hatte schon vor drei Jahren die Idee, damals aber noch zu viele andere Dinge um die Ohren. Mit ihrem Mann Thorsten Willems, der praktischerweise ein Gesellschafter des Rennteams WS Racing mit rund 25 Mitarbeitern ist, setzte sie vergangenes Jahr das Erdachte in die Tat um. Thorsten Willems hat am Anfang des Projekts die Frauen mit seiner Erfahrung von über 25 Jahren Motorsport unterstützt, mittlerweile hat er sich zurückgezogen, gibt nur noch Ratschläge auf Nachfrage.

"Wir arbeiten etwas überlegter"

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Ihre Arbeitsweise soll den Frauen in der Grünen Hölle den Erfolg bringen.

(Foto: Fabian Hoberg)

"Wir wollen als wirkliche Gegnerinnen wahrgenommen werden, im Rennen einen guten Platz belegen. Deshalb haben wir uns auch für konstant schnelle Fahrerinnen entschieden", sagt Nicole Willems. Für das Projekt konnte sie VW und den Reifenhersteller Giti Tire gewinnen, der das Team seitdem mit zwei professionellen Reifenexpertinnen unterstützt. Über soziale Medien startete sie einen Aufruf zur Bewerbung, 40 interessierte Frauen aus ganz Deutschland meldeten sich, 20 schafften es nach einem Casting ins Team, darunter Kfz-Meisterinnen und Maschinenbaustudentinnen. Die Fahrerinnen mussten sich extra bewerben. Fast alle haben Motorsporterfahrung, kennen Rennstrecken und Zielflaggen schon seit Jahren.

So wie Tatjana Stäbler. Die 20-Jährige studiert Technologiemanagement Richtung Maschinenbau an der Uni Stuttgart. Erfahrung im Motorsport sammelte sie in der Formel Student, bei der sie für ein Rennteam eine Felge aus Karbon konstruierte, entwickelte und produzierte. "Als Frau habe ich mir schon damals gewünscht, im Motorsport richtig ernst genommen zu werden. Ohne nervige Nachfragen, ob ich etwas kann. Meist wird uns Frauen weniger technisches Verständnis zugetraut", sagt Stäbler. Im Vergleich zu Teams mit Männern gefällt ihr die Geschwindigkeit beim Arbeiten. "Wir arbeiten zügig, aber nicht hektisch, etwas überlegter als in anderen Teams", sagt sie. Außerdem sei der Zusammenhalt im Team sehr stark.

Keine Feministin

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Tatjana Stäbler ist von dem Projekt begeistert.

(Foto: Fabian Hoberg)

Für Tatjana Stäbler geht mit ihrem Motorsportengagement ein Traum in Erfüllung. "Ich habe mich schon als Kind für Motorsport interessiert, dachte nur, dass der Zugang sehr schwierig ist. Ist er aber nicht. Es gibt viele private Teams und coole Projekte", sagt die Studentin. Ihrer Meinung nach gibt es zu wenige Frauen, die sich im Motorsport etwas trauen. Mit ihrem Engagement möchte sie deshalb ein Zeichen setzen und Mut machen. Als Feministin sieht sie sich aber nicht. "Das ist mir zu platt. Ich arbeite gerne im Rennsportbereich, trage aber auch mal am Wochenende auf Partys Highheels", sagt sie. Für die Rennen ist sie zuversichtlich: "Wir sind alle topmotiviert, haben richtig Lust zu gewinnen und dazu noch sehr schnelle Fahrerinnen", sagt Stäbler.

Als Rennfahrzeug dient ein VW Golf GTI TCR mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder und 350 PS, der in Spanien hergestellt wurde. Das Team änderte Fahrwerk, Reifen und Federn so lange, bis es für alle passte. Bei insgesamt neun VLN-Rennen am Ring, darunter das legendäre 24h-Rennen, kommt der gelb-schwarze Golf nun an den Start. "Wir wollen mit unserem Team unter die ersten 30 kommen, am liebsten ohne Schäden", sagt Nicole Willems. Das Team sei schnell zusammengewachsen, obwohl sich die Frauen vor dem ersten Treffen nicht kannten. Schon beim ersten Rennen im März schnappte sich das Team VW Golf VII GTI TCR für die Startaufstellung den zweiten Platz, konnte nach einem harten Rennen den zweiten Platz in der Klasse halten.

Grid-Boys statt Grid-Girls

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Carrie Schreiner ist 20 und fährt seit zehn Jahren Rennen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Mit dabei: Rennfahrerin Carrie Schreiner. Die 20-Jährige fährt seit zehn Jahren Rennen, zuerst im Kart, seit fünf Jahren im Auto. Nach Lamborghini Super Trofeo Huracan und einem Audi R8 LMS GT3 greift sie nun unter anderem im Golf GTI TCR ins Lenkrad. Die professionelle Fahrerin bekam durch einen Zufall mit, dass ein reines Frauenteam gegründet werden sollte. "Die Idee finde ich cool, weil es neu und anders ist", sagt sie.

Die Nordschleife kennt sie zwar noch nicht so genau, erhofft sich dennoch einen guten Platz. "Klar wollen wir erstmal ins Ziel kommen, aber jeder will auch aufs Treppchen. Da macht unser Team keine Ausnahme", sagt sie. "Wir sind gut aufgestellt, die Mitglieder haben alle Ahnung und brennen für die Sache. Sie arbeiten sehr gewissenhaft und sauber, da dürfte eigentlich nichts schiefgehen", ist Schreiner zuversichtlich. Mit ihr teilen sich Jasmin Preisig und Ronja Assmann das Cockpit. Und um noch ein Zeichen zu setzen, gibt es bei der Startaufstellung des Frauenteams statt der Grid-Girls die Grid-Boys. Den Frauen rund um den Nürburgring dürfte das gefallen.

Quelle: n-tv.de

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