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Abnahmefahrt in Schweden GLB - Mercedes' Schweizer Taschenmesser

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Der GLB bei den letzten Abnahmefahrten im Norden Schwedens.

(Foto: Dieter Rebmann)

Mit dem GLB baut Mercedes ein kompaktes SUV mit sieben Sitzplätzen. Noch vor der eigentlichen Präsentation war n-tv.de mit dem Newcomer bei letzten Abnahmefahrten in Schweden unterwegs.

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Bei voller Bestuhlung bietet der GLB immer noch 500 Liter Kofferraumvolumen.

(Foto: Dieter Rebmann)

Sieben Sitze in einem Kompaktwagen: Das ist eine Ansage. Im neuen GLB (intern X247) soll das möglich sein. Vor allem das chinesische und das US-Publikum soll sich vom Platzangebot begeistern lassen. Erstmals zeigten die Stuttgarter ihr kompaktes SUV auf der Auto Show in Shanghai der Öffentlichkeit. n-tv.de durften ihn schon vorher sehen und sogar bei einer der letzten Abnahmefahrten in Schweden dabei sein.

Betrachtet man den noch in Tarnfolie gehüllten GLB, wird eines auffällig: die eckige Bauform. Sie erinnert an den kantigen GLK, der vor der Ablösung durch den GLC im Jahr 2015 ein Bestseller war und natürlich an die G-Klasse. Es ist, als wolle der GLB sagen: Ich bin ein echter Geländewagen. Als zweites fallen die hohe Sitzposition und der bequeme Einstieg auf.

Gefühlt müssen sich Passagiere nach dem Türöffnen nur ein paar Zentimeter fallen lassen, und schon sitzen sie im Mercedes – deutlich höher als in den Baureihen-Brüdern wie B-Klasse oder GLA, die auf der selben Plattform aufbauen. Vom sportlichen und tiefen Derivat A-Klasse ganz zu schweigen. Es ist schon erstaunlich, wie weit die Spreizung auf der Mercedes-MFA-II-Plattform möglich ist. Insgesamt sieben Varianten entwickeln die Stuttgarter darauf, der GLB ist die aktuellste. Eine Limousine mit verlängertem Radstand soll noch für den chinesischen Markt folgen.

"Der liegt gut in der Hand"

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Der Autor im Gespräch mit Baureihen-Chef Jochen Eck.

(Foto: Dieter Rebmann)

Der GLB scheint also ein Auto für die Familie, die am Wochenende auch mit sieben Personen unterwegs ist, auf ein ganz großes Auto aber im Alltag verzichten will. "Der GLB ist in der kompakten Baureihe das Schweizer Taschenmesser. Er ist noch kompakt, liegt gut in der Hand und bietet viele Möglichkeiten für die Passagiere", sagt Jochen Eck, Baureihenleiter Kompaktwagen bei Mercedes.

Dazu zählt die optionale dritte Sitzreihe, die verstellbare Lehnenneigung und der großzügige Platz in der zweiten Sitzreihe. Selbst Erwachsene im Format eines Basketballspielers müssen sich nicht über Kopf- und Kniefreiheit beschweren. Durch einen um 10 Zentimeter auf 2,82 Meter gewachsenen Radstand zur B-Klasse wächst der GLB auf 4,63 Meter, was vor allem den Passagieren in der zweiten Reihe zugute kommt. Damit ist er ganze 21,5 Zentimeter länger als die B-Klasse. Wettbewerber wie BMW X1 oder VW Tiguan sind kürzer, der größere Mercedes GLC ist nur 2,2 Zentimeter länger als der GLB.

Mit dem GLB ist die Plattform ausgereizt

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Der GLB baut deutlich höher als die Brüder der Baureihe und erinnert so an den GLK und die G-Klasse.

(Foto: Dieter Rebmann)

"Damit ist unsere Kompaktklasse-Plattform ausgereizt. Mehr geht nicht, ohne dass sich das Auto schwer und träge fährt", sagt Eck. Beim Platzangebot liegt das neue SUV zwischen dem GLA und dem teureren GLC. Für den Mercedes-Ingenieur macht aber die Länge nicht die Klasse aus, sondern die Ausstattung. Im Gegensatz zum GLC kommen beim Kompaktmodell nur die Vierzylindermotoren der A-Klasse zum Einsatz, darunter zwei Benziner und ein Diesel mit einem Leistungsband zwischen 140 PS und 200 PS. Genaue Daten und einen Preis nannte Mercedes noch nicht, er dürfte aber mindestens 3000 Euro teurer sein als ein ähnlich ausgestatteter GLA, der mindestens 30.330 Euro kostet.

Wenn man es genau nimmt, ist der GLB eine Langversion des GLA, auch wenn Mercedes das etwas differenzierter sieht. "Den GLA haben wir deutlich sportlicher ausgelegt, den GLB praktischer und komfortabler", sagt Eck. Auch die Offroadfähigkeit soll größer sein als beim kleinen Bruder. Langer Radstand, breite Spur und die bis zu 21 Zoll großen Räder machen dann auch im getarnten Zustand das etwas andere SUV aus dem GLB. Neben dem üppigen Platz im Fond bietet der Wagen einen großen Kofferraum: Mit fünf Sitzplätzen fasst er 560 Liter, als Siebensitzer immerhin noch ordentliche 500 Liter. Liegen die beiden hinteren Sitzreihen flach, wächst die mögliche Zuladung auf knapp 1800 Liter. Nur der VW Tiguan Allspace schluckt in dieser Klasse mehr.

Robust und großzügig

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Lediglich mit einem Standardfahrwerk ausgestattet soll der GLB ausreichend Komfort bieten.

(Foto: Dieter Rebmann)

Die steil stehende Scheibe des GLB scheint an die G-Klasse erinnern zu wollen. Ebenso der Innenraum, der robuster und wesentlich großzügiger wirkt als im kleineren GLA. Die Sitze machen bei der ersten Mitfahrt im schwedischen Eis einen straffen, aber nicht unbequemen Eindruck. Zudem bieten sie auch dem Beifahrer ordentlichen Seitenhalt. Durch die hohe Sitzposition erhalten Pilot und Co-Pilot auch einen besseren Überblick als im GLA.

Im Vorserienfahrzeug sitzen zwar noch nicht alle Nähte und Kanten, dafür lässt sich die Anordnung der Instrumente klar erkennen: Keine Überraschung, sie gleicht der in den Geschwistermodellen: breites Widescreen-Cockpit für Fahrerinformationen wie Geschwindigkeit und Drehzahl sowie für das Entertainmentsystem. Bei der Größe hat der potentielle Käufer wie gehabt die Wahl zwischen 7-Zoll- oder 10,25-Zoll-Bildschirmen. Die Steuerung erfolgt unter Anderen über MBUX mit den Worten "Hey Mercedes". Auch das ein Teil des Luxus, den Mercedes neben einem Energizing Coach mit Fitness-Empfehlungen in den neuen GLB gepackt hat.

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Man darf gespannt sein, wie der GLB sich ohne Tarnkleid präsentiert.

(Foto: Dieter Rebmann)

Die auszuprobieren gibt es aber keine Zeit, denn Eck gibt auf der geschlossenen Schneedecke mächtig Gas. Wedelt mit dem GLB leicht durch die Kurven, wobei der Motor unter der gedämmten Motorhaube nur leise brummt. Vom Beifahrersitz aus spürt man die starken Karosseriebewegungen, das leichte Aufschaukeln des Fahrwerks. Hierbei setzten die Ingenieure nämlich lediglich auf Stahlfedern, das komfortable Luftfahrwerk bietet Mercedes erst eine Fahrzeugklasse höher an. "Die Herausforderung in den vergangenen vier Jahren war es, auf der begrenzten Fläche einen maximal großen und variablen Innenraum zu schaffen und dennoch beim Fahrverhalten keine Kompromisse zu machen", sagt Eck. Wie sich der GLB wirklich fährt, wird in Bälde auf diesen Seiten lesen zu lesen sein.

Quelle: n-tv.de

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