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NAIAS im Jahr 2019 Hat die Detroit Auto Show noch eine Chance?

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Lincoln präsentiert in Detroit ein limitiertes Jubiläums-Sondermodell des Continental mit längerem Radstand und hinten angeschlagenen Türen.

(Foto: Michael Gebhardt)

Viele Hersteller haben ihre Teilnahme an der Auto Show in Detroit abgesagt. Zwar gab es trotzdem einige spannende Weltpremieren. Die Zukunft der Messe ist aber ungewiss - auch wenn die Veranstalter alles versuchen, die Schau zu retten.

Zum letzten Mal findet die Detroit Auto Show 2019 an ihrem angestammten Platz Anfang Januar statt, ab nächsten Jahr öffnet die Cobo Hall ihre Türen im Juni. Vorausgesetzt, es finden sich dann noch genug Aussteller, die zur NAIAS reisen. Schon diese Jahr ist die Hersteller-Liste ziemlich dünn: Mercedes, BMW, Audi, Porsche, Mini, Volvo, Jaguar, Land Rover, Bentley, Rolls-Royce, Maserati, Mazda, Mitsubishi und Tesla haben abgesagt und hinterlassen sichtbare Lücken in der deutlich geschrumpften Messehalle. Immerhin: Die verbliebenen Aussteller haben einige spannende Neuheiten mit an den Detroit River gebracht. Leider kommen davon kaum welche nach Deutschland.

Toyotas neue Superstar

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Toyota feiert in Detroit die Weltpremiere des Supra.

(Foto: Michael Gebhardt)

Ab Sommer auch bei den deutschen Händlern steht der neue GR Toyota Supra – GR steht für Gazoo Razing und ist die neue Sport-Marke der Japaner. Auf die Wiedergeburt des Sportwagen-Klassikers mussten Fans lange warten, schon 2002 wurde der alte Supra eingestellt. Die Neuauflage ist gemeinsam mit BMW entstanden und teilt sich die Technik mit dem Z4. Unterschied: Während der Münchner nur als Roadster zu haben ist, gibt es den Toyota ausschließlich als Coupé. In Anbetracht des markanten Supra-Blechkleids mit Retro-Anleihen fällt die Verwandtschaft aber ohnehin nicht gleich auf.

Erst im Innenraum werden die BMW-Gene sichtbarer, vor allem der aufgesetzte Infotainment-Bildschirm und der iDrive-Knubbel erinnern an die Bayern. Platzmäßig überrascht der Supra: Auch lange Fahrer passen dank des Double-Bubble-Dachs problemlos rein! Wieviel in den Kofferraum geht, verrät Toyota allerdings nicht. Dafür steht der Preis schon fest: 62.900 Euro werden für den zunächst einzig verfügbaren Motor fällig: Der Dreiliter-Reihensechszylinder mit 340 PS, der auch im Z4 M40i seinen Dienst tut.

Kias erstes Groß-SUV

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Der Kia Telluride ist das erste Fünf-Meter SUV der Koreaner.

(Foto: Michael Gebhardt)

Wenige Meter neben dem Toyota-Stand hat sich Lexus in Position gebracht. Die Nobel-Tochter der Japaner präsentiert – kurz nach der Vorstellung des überarbeiteten RC – auch die aufgefrischte V8-Version RC-F, die dazu noch in einer besonders leichten Track-Version debütiert und ebenfalls nach Deutschland kommen wird. Dass das als Studie gezeigte LC-Cabrio kommt, ist dagegen offiziell noch nicht bestätigt, hinter vorgehaltener Hand wird allerdings schon ein Serienstart auf der Autoshow in New York im Frühjahr kolportiert.

Ausgeschlossen ist dagegen, dass auch Kia Telluride seinen Weg nach Europa findet. Zumindest offiziell wird es das siebensitzige Fünf-Meter-SUV nur in den USA geben. Dort erweitert der Telluride das Angebot der Koreaner nach oben und tritt erstaunlich eigenständig auf, selbst der markentypische Tiger-Nose-Kühlergrill ist auf ein Minimum geschrumpft. Innen dagegen herrscht typisch aufgeräumtes Kia-Ambiente. Unter der Haube steckt ein fast 300 PS starker V6, der auch im Schwestermodell Hyundai Palisade arbeitet.

Volkswagen zeigt US-Passat

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Alte Plattform, neue Außenhaut für den US-Passat.

(Foto: Michael Gebhardt)

Auch der letzte verbliebene deutsche Hersteller hat eine Premiere am Start, schließlich betont Konzern-Chef Herbert Diess höchstpersönlich die Bedeutung der Messe für die Marke, und dass der Auftritt ein Muss für VW sei. Mit dem überarbeiteten US-Passat rücken die Wolfsburger ein für den amerikanischen Markt enorm wichtiges Auto in den Fokus, das sich optisch nun am VW Arteon orientiert und von den neuesten Assistenzsystemen profitiert. Mit dem europäischen Passat hat die US-Version allerdings nichts zu tun, der feiert seine Facelift-Premiere erst auf dem Genfer Salon im März.

Mehr Tränchen als wegen des bei uns nicht erhältlichen Billig-Passats (in den USA startet er bei rund 25.000 Dollar), dürften Sportwagenfans ob des Subaru S209 verdrücken. Während hierzulande der WRX STi wegen der neuen Abgasrichtlinien Geschichte ist, bekommen die Amerikaner jetzt erstmals eines der regelmäßig aufgelegten, limitierten S-Sondermodelle – mit deutlich mehr Wumms: Die Leistung steigt unter anderem dank höherem Turbo-Druck und Wasseraufspritzung auf den Ladeluftkühler von 300 auf 346 PS, dazu kommt umfangreiches Feintuning am Fahrwerk.

Stärkster Serien-Ford

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Neu ist auch der Ford Explorer auf der Messe in Detroit.

(Foto: Michael Gebhardt)

Erstaunlich: Selbst die amerikanischen Hersteller scheinen sich der Bedeutung der Detroit-Messe nicht mehr ganz sicher zu sein. Ford jedenfalls hat den neuen Explorer schon einige Tage vor der Show mit einem eigenen Event gefeiert. Auf der NAIAS zeigt sich das SUV im GLE-Format dafür erstmals als Hybrid (mit einem 3,3-Liter-V6 als Basis und in Summe 322 PS) und als Sportmodell ST, dessen doppelt aufgeladener Dreiliter-Sechszylinder auf 405 PS kommt.

Alles nur Peanuts, im Vergleich zum Shelby GT500: Mit dem Top-Modell der Mustang-Reihe ist in Detroit der bislang stärkste Serien-Ford überhaupt zu sehen. Satte 709 PS stehen in den technischen Daten, die den Ami mit den nochmal etwas breiteren Backen in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 katapultieren. Zum Drehmoment macht Ford derzeit noch keine Angabe, die in den USA typische Viertel-Meilen-Distanz soll der Shelby aber in weniger als elf Sekunden zurücklegen. Auch für den GT500 gilt, wie für den Explorer: Nach Deutschland kommt er höchstens als Grauimport.

Wenig grün

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Mit dem XT6 steigt auch Cadillac in die Klasse der Fünf-Meter-SUV ein.

(Foto: Michael Gebhardt)

Neben Ford hält vor allem ein Hersteller die US-Fahne auf der NAIAS hoch. Während Chevrolet nichts neues im Gepäck hat, Dodge sich auf die Schwerlast-Versionen des Pick-ups RAM beschränkt und Lincoln ein limitiertes Jubiläums-Sondermodell des Continental mit längerem Radstand und hinten angeschlagenen Türen präsentiert, stellt Cadillac eine ganz neue Baureihe vor: Das SUV XT6 drängt sich mit knapp über fünf Meter Länge in die Lücke zwischen XT5 und Escalade. Der Siebensitzer fährt mit einem 314 PS starken V6 vor, der auch im Camaro eingesetzt wird und bei Nicht-Bedarf immerhin zwei seiner Zylinder abschaltet. Wieviel Sprit das spart, habne die US-Amerikaner allerdings nicht verraten.

Wirklich grün präsentiert sich keiner der US-Hersteller, neben dem Hybrid-Ford ist die am Vorabend gezeigte Cadillac-Studie einziger Hinweis eines Umdenkens in der amerikanischen Auto-Industrie. Das noch namenlose Crossover-Concept ist Cadillacs erste Elektro-Studie und könnte in rund einem Jahr auf den Markt kommen. Gleichzeitig bekräftigt der Hersteller aber auch, an einer konventionellen Hochleistungs-Limousine und der Neuauflage des spritfressenden Escalades zu arbeiten.

Infiniti-Studie mit Start-Schwierigkeiten

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Die Studie einer Großraumlimousine präsentiert der chinesische Hersteller GAC in Detroit.

(Foto: Michael Gebhardt)

Selbst an der Studien-Front gibt es in Detroit nur wenig neues: Neben dem schon in Las Vegas auf der CES enthüllten Leaf mit mehr Reichweite zeigt Nissan die Studie IMs: Die Vision einer elektrisch angetriebenen Sport-Limousine, die – wie sollte es auch anders sein – in der Theorie auch autonom fahren kann. Und das bis zu 610 Kilometer weit mit einer Akkuladung.

Keinerlei Worte zum Antrieb verliert die Nissan-Tochter Infiniti. Die Japaner dürften froh sein, ihre Studie QX Inspiration überhaupt auf die Bühne gebracht zu haben. Den großen Auftritt während der Pressekonferenz hat der Crossover wegen eines technischen Defekts verpasst. Als er danach doch noch ins Rampenlicht geschoben wurde, hielt sich die Begeisterung in Grenzen: Von hinten sieht das Concept, das einen Ausblick auf das neue Design der Marke geben soll, ein bisschen nach Audi Q8 aus, die Front wirkt dagegen recht uninspiriert. Das gilt auch für die GAC-Studie: Der chinesische Hersteller zeigt mit dem Entranze EV eine Van-Studie – dabei sind die Großraumlimousinen selbst in den USA mittlerweile auf dem Rückzug.

Wie geht es weiter?

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Ein neuer Ford Mustang Shelby Cobra darf in Detroit nicht fehlen.

(Foto: Michael Gebhardt)

Auch wenn sich zahlreiche Hersteller abgemeldet haben: Vor allem für den US-Markt gab es 2019 durchaus noch einige spannende Premieren und mit dem Supra hat Toyota auch einen echten Kracher mit an den Detroit River gebracht. Das neben den meisten europäischen Autobauern allerdings auch einige amerikanische Hersteller nichts Neues aufgefahren haben oder, wie Chrysler, der Messe ganz fern geblieben sind, ist bezeichnend.

Ob ein Wechsel in den Sommer der Messe neuen Schwung verleihen kann, bleibt abzuwarten. Zwar rückt die NAIAS damit in weite Ferne der CES; die Haushaltswaren-Messe in Las Vegas wird von einigen Herstellern in den letzten Jahren als die neue Auto-Show schlechthin gefeiert. De facto sind Autos auf der Consumer Electronics Show aber nur eine Randnotiz und die Ausstellung in Vegas hat sicher nicht alleine Schuld am schlechten Abschneiden der NAIAS. Vielleicht sind drei große Messen einfach zu viel für die USA – und die Autoschauen in New York und Los Angeles sind schon allein wegen ihrer Lage attraktiver als Detroit. Daran wird auch die Verlagerung in den Sommer nicht viel ändern können.

Quelle: n-tv.de

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