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Vom größten Autoexporteur ChinasJaecoo 7 SHS - großes Auto zum kleinen Preis, aber mit Schwächen

26.01.2026, 07:45 Uhr
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Der Jaecoo 7 ist das Herzstück der Chery-Marke. (Foto: Jaecoo)

Der chinesische Chery-Konzern startet nun mit seiner SUV-Marke Jaecoo in Deutschland. Zum Start gibt es den ziemlich preiswerten Jaecoo 7 SHS. Wer Schwächen bei Bedienung und Fahrwerk akzeptiert, kommt hier günstig zu einem zumindest teilelektrischen Crossover.

Wer in Europa Erfolg haben will, muss es in Deutschland schaffen. Das gilt auch für den Jaecoo 7 SHS, mit dem der chinesische Chery-Konzern jetzt auf dem größten kontinentalen Automarkt startet. Der Tiguan-Konkurrent hat allerdings schon ein paar Titel gesammelt, bevor er sich seiner wohl bisher härtesten Akzeptanz-Prüfung stellen muss.

Unter den beliebtesten chinesischen Automodellen in Europa liegt er aktuell auf Rang 5, in Großbritannien ist er so etwas wie ein Überraschungs-Hit und in Israel schloss er das Jahr sogar als Gesamt-Bestseller ab - vor etablierteren Wettbewerbern wie Hyundai Kona und Toyota Corolla Cross.

Nun also der Deutschland-Start. Anders als in Israel, auf der Insel und in einigen anderen Teilen Europas und der Welt ist Chery hierzulande noch kaum bekannt. Dabei ist der 1997 gegründete Konzern der größte Autoexporteur Chinas. Zum Großteil handelt es sich bei den ausgeführten Fahrzeugen um günstige und robuste Modelle der Kernmarke Chery, die nicht zuletzt an preissensible Kunden in Russland, Südamerika und dem Nahen Osten gehen.

Jaecoo und Omoda für die europäische Kundschaft

Für Europa und seine anspruchsvolle Kundschaft hat Chery extra die beiden Marken Jaecoo und Omoda aus der Taufe gehoben. Technisch sind die Fahrzeuge der beiden weitgehend identisch, optisch setzt Omoda eher auf urbanen Crossover-Style, während Jaecoo den kantigen Abenteurer gibt.

Rund-4-50-Meter-misst-der-Crossover
Rund 4,50 Meter misst der Crossover.

Erstes Jaecoo-Modell in Deutschland ist nun der J7 SHS PHEV, ein 4,50 Meter langes Kompakt-SUV, das zwar optisch auf Geländewagen macht, der aber aufgrund des fehlenden Allradantriebs kaum abseits befestigter Straßen auftauchen wird. Technische Besonderheit ist sein 151 kW/204 PS starker Plug-in-Hybridantrieb, der sich von der bei deutschen Herstellern gängigen Bauart deutlich unterscheidet.

E-Motor als Hauptantrieb

Statt den E-Motor nur als besseres Hilfsaggregat zu nutzen, setzt Jaecoo ihn als Hauptantrieb ein. Der 1,5-Liter-Benziner fungiert die meiste Zeit als Stromerzeuger, greift nur bei höherem Tempo oder geringem Batteriefüllstand direkt ein. Ganz ohne Verbrenner-Unterstützung fährt der J7 laut technischen Daten rund 90 Kilometer weit - ein Wert, der sich auch in der Praxis gut erreichen lässt. Geladen wird mit 6,6 kW an der Wallbox, am Schnelllader sind bis zu 40 kW möglich. Die 18 kWh große Batterie wäre dann nach einer knappen halben Stunde voll.

Das System arbeitet sehr geschmeidig, das Zusammenspiel der Motoren läuft vom Fahrer fast unbemerkt ab. Charakterlich gibt sich der Antrieb entspannt, zieht eher gleichmäßig und vorhersehbar als spontan oder sportlich. Weniger Punkte macht das Fahrwerk: Die Dämpfung ist recht straff und manchmal unsensibel geraten, die Lenkung etwas unpräzise und den Bremsen würde mehr Feingefühl gut stehen. Stimmiger und komfortabler geht es im Innenraum zu, wo die guten Platzverhältnisse sich auch dank großer Fensterflächen in ein angenehmes Raumgefühl übersetzen. Die Verarbeitung ist gut, die Materialien ordentlich. Einen Premium-Anspruch, wie in Jaecoo in einigen europäischen Märkten postuliert, erfüllen sie allerdings nicht.

Kaum physische Tasten

Das Cockpit ist nach dem bei chinesischen Herstellern beliebten Prinzip geschnitten: Die Bedienung läuft fast komplett über einen großen Mittel-Touchscreen, physische Tasten gibt es kaum noch. Stattdessen eine wuchtige Mittelkonsole mit Doppel-Becherhalter und doppelter Handy-Ladeschale sowie einem großen Staufach.

Physische-Knoepfe-spart-sich-Chery-weitgehend
Physische Knöpfe spart sich Chery weitgehend.

Wichtigster Erfolgsfaktor für den Debütanten dürfte der Preis sein. 37.000 Euro wollen die Chinesen für das Basismodell mit 19-Zoll-Rädern, Zweizonen-Klimaautomatik und Navigationssystem. Das Top-Modell "Exclusive" mit klimatisierten Sitzen, Head-up-Display und Panorama-Glasdach gibt es für 39.500 Euro. Bei VW bekommt man dafür gerade mal einen Basis-Tiguan mit schmalbrüstigem 96 kW/130 PS-Benziner. Auch beim Kia Sportage kommt man mit weniger als 40.000 Euro nicht weit, muss sich entweder bei Ausstattung oder Motorisierung mit dem Einstiegsniveau zufriedengeben. Am nächsten kommt dem Jaecoo preislich noch der chinesische Wettbewerber BYD, der für die Einstiegsvariante des Seal U DM-I rund 40.000 Euro aufruft, mit dem Top-Modell aber bereits bei 46.000 Euro liegt.

"Großes Auto zum kleinen Preis", könnte es also hier heißen. Wer die Schwächen bei Bedienung und Fahrwerk akzeptiert, kommt hier günstig zu einem zumindest teilelektrischen Crossover. Briten und Israelis wissen das zu würdigen. Ob die Rechnung auch in Deutschland aufgeht, bleibt abzuwarten.

Quelle: ntv.de, Holger Holzer, sp-x

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