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Enduro für EinsteigerKTM 390 Adventure R - der Einzylinder-Nachwuchs ist da

19.02.2026, 06:17 Uhr
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Die KTM 390 Adventure R ist ein leichter Einzylinder. (Foto: RKM)

Anfang des letzten Jahres hatte KTM mit der 390 Adventure R abenteuerlustigen Reisenden den Mund wässrig gemacht. Doch Kapriolen um Insolvenz und Übernahme der Österreicher stoppten die Auslieferung, jetzt ist die Einstiegsenduro endlich da – hat sich das Warten gelohnt?

Leichte Einzylinder für Reise und Abenteuer sind rar gesät, daher stellt die KTM 390 Adventure R eine willkommene Bereicherung dar - auch wenn die 7.000 Euro teure Österreicherin mit reichlich Verspätung eintrifft.

Wie für dieses Genre typisch findet sich nichts Überflüssiges an der KTM 390 Adventure R, vielmehr zeigt die schlaksige Figur ganz klar die puristische Robustheit eines veritablen Geländegängers mit Reiseattitüde. Gekleidet in das markentypische orange-weiß-schwarze Ornat und besohlt mit schmalen Speichenrädern verkörpert auch die mit einem 390-Kubik-Einzylinder eher zurückhaltend motorisierte Enduro den Markenspruch vom "ready to race".

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Der Windschutz hinter der hohen Rallye-Scheibe und den robusten Handprotektoren fällt erstaunlich gut aus. (Foto: RKM)

Kerniger Einzylinder von echtem Schrot und Korn

Zum Anlassen wird nach Altväter Sitte der klassische Zündschlüssel gedreht, und prompt macht die Kraftquelle mit deutlichen Lebensäußerungen klar, dass hier nichts anderes werkelt als ein kerniger Einzylinder von echtem Schrot und Korn. Moderne Elektronik erlaubt drei Fahrprogramme, auswählbar über eine intuitive Vier-Wege-Einheit am linken Lenker und angezeigt im übersichtlichen TFT-Display.

Im Street-Modus mit löblichem Kurven-ABS und schräglagenfähiger Traktionskontrolle kommt der 390er überraschend verhalten zur Sache. Das liegt nicht grundsätzlich an der A2-konformen Leistung von 45 PS, sondern an deren Darbietung: Ab circa 5.500 Touren bekommt der Vierventiler die zweite Luft, die eigentlich die erste ist, ab 7.000 kennt der digitale Drehzahlmesser fast kein Halten mehr.

Erwartungsgemäß erinnern trotz Ausgleichswelle Vibrationen an die Motorenkonstruktion, was umso nerviger auffällt, weil die Fußrasten ohne Gummis auskommen. Die müssen im Original-Zubehör geordert werden.

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Abseits befestigter Straßen bewährt sich das Ergonomiekonzept. Solide krallen sich die Stiefel in die Rasten, die Beine finden guten Anschluss und die Arme greifen moderat gestreckt an die Lenkstange. (Foto: RKM)

Spitze Motorcharakteristik

Trotz aller Feurigkeit tut diese spitze Charakteristik der Fahrbarkeit vor allem beim Reisen und im Enduro-Einsatz nicht gut. Bei engagierter Fahrweise auf Asphalt passt das schon besser, vor allem mit dem optionalen Blipper, der das Schalten ohne Kupplung ermöglicht. Das gelingt der KTM auch infolge der Reserven, die ihre Federelemente bereithalten. Trotz nennenswerter 23 Zentimeter Arbeitsweg vorn wie hinten bewahrt eine gute Dämpfung das kleine KTM-Schiff vor zu viel Wallung.

Mit engem Knieschluss, aufrechtem Oberkörper und festem Griff an den breiten Lenker lassen sich die vollgetankten 178 Kilo mühelos führen und peilen dank des großen 21-Zöllers vorn zielgenau den gewünschten Kurs an. Den Boden verliert man trotz 87 Zentimeter Polsterhöhe nicht aus den Augen und kommt beim Anhalten passabel mit beiden Stiefelspitzen auf den Boden.

Dass die Grobstoller spürbar über den Asphalt rubbeln, tut dem Sicherheitsgefühl keinen Abbruch. Dagegen enttäuschen die Stopper, die so zaghaft zu Werke gehen, dass die KTM nur selten in den ABS-Bereich zu zwingen ist.

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Ab 7.000 Touren kennt der digitale Drehzahlmesser fast kein Halten mehr. (Foto: RKM)

Auch exquisiten Fahrkomfort darf man nicht erwarten. Über kleine Unebenheiten stuckert die Gabel und buckelt wenig kommod drüber hinweg, auch hinten könnte das Ansprechverhalten sanftmütiger ausfallen. Dafür fällt der Windschutz hinter der hohen Rallye-Scheibe und den robusten Handprotektoren erstaunlich gut aus.

Sehr zweckmäßige Fahrerunterbringung

Geht es hinter der Straße ins Gelände, zeigt sich die sehr zweckmäßige Fahrerunterbringung. Solide krallen sich die Stiefel in die Rasten, die Beine finden guten Anschluss und die Arme greifen moderat gestreckt an die Lenkstange.

Im Offroad-Modus mit vorn deaktiviertem ABS, hinten ausgeschalteter Traktionskontrolle beißt der Motor beherzter als auf der Straße zu und hilft beim Steuern. Tiefe Auswaschungen, kleine Sprünge und derbe Buckel landen ohne Rückstände in den großzügigen Federwegen.

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Weil die KTM 390 Adventure R so leicht ist, ist sie besser beherrschbar. (Foto: RKM)

Das leichte Gewicht fördert die Beherrschbarkeit, die puristische, robuste Ausstattung nimmt die Angst vor Sturzfolgen. Der äußerst spartanische Ausstattungsumfang mündet jedoch in einer ärgerlichen Aufpreispolitik. Ein Gepäckträger als Unterlage wenigstens für die Gepäckrolle kostet, Vibrationsgummis in den Rasten und der Blipper wie erwähnt auch.

Der aufpreispflichtige Tempomat ist angesichts des Motorcharakters fast ein Muss und wichtiger als die serienmäßige selbsttätige Blinkerabschaltung. Löblich ist hingegen die Pfeilnavigation im TFT, die selbst für digital Nichtaffine nach der problemlosen Verbindung mit dem Handy möglich wird.

Einsatzspektrum durchaus breit

Angesichts des Gezeigten könnten nicht nur Führerschein-A2-Inhaber Gefallen an der KTM 390 Adventure R finden wegen des durchaus breiten Einsatzspektrums. Das entspannte Absolvieren von Verbindungsetappen zählt trotz komfortabler Ergonomie und gutem Windschutz allerdings nicht dazu.

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Der Unterfahrschutz betont ebenfalls den eigentlichen Einsatzzweck der Adventure R. (Foto: RKM)

KTM 390 Adventure R - technische Daten

  • Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 399 ccm Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, 33 kW/45 PS bei 8.500 U/min, 39 Nm bei 6.500 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kette.

  • Fahrwerk: Stahl-Gitterrohrrahmen; USD-Telegabel Durchmesser 4,3 cm vorn, Druck- und Zugstufendämpfung einstellbar, 23 cm Federweg; LM-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Zugstufendämpfung und Federvorspannung einstellbar, 23 cm Federweg; Drahtspeichenräder; Reifen 90/90-21 vorn und 140/80-18 hinten. 32 cm Einscheibenbremse mit Vierkolben-Festsattel vorn, 24 cm Einscheibenbremse mit Einkolben-Schwimmsattel hinten.

  • Assistenzsysteme: drei Fahrmodi, Kurven-ABS, hinten abschaltbar, schräglagenfähige Traktionskontrolle, abschaltbar

  • Maße und Gewichte: Radstand 1,481 m, Sitzhöhe 87 cm, Gewicht fahrfertig 176 kg, Zuladung 199 kg; Tankinhalt 14,0 Liter.

  • Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 158 km/h. Standgeräusch 91 dBA, Testverbrauch 4,9 l/100 km.

  • Preis: 6.999 Euro

Quelle: ntv.de, Thilo Kozik, sp-x

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