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Finger weg vom Manettino LaFerrari - eintauchen in eine verschlossene Welt

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Der Ferrari LaFerrari - ein gefundenes Fressen für Autospotter. Doch schöner als ihn zu fotografieren, ist es, mit ihm zu fahren.

(Foto: Patrick Broich)

Die meisten der 500 gebauten Ferrari LaFerrari dürften in klimatisierten Garagen auf weiteren Wertzuwachs warten und fast nur stillstehen. Dem hier getesteten schwarzen Exemplar war zumindest eine spektakuläre Ausfahrt vergönnt. Doch lesen Sie selbst.

Wenn man mit einem Ferrari LaFerrari auf öffentlicher Straße auftaucht, kann man sich eigentlich nicht vor Paparazzi retten. Und das, obwohl man selbst gar nicht prominent ist - das Auto ist es dafür umso mehr. So genannte Autospotter lauern nämlich auf genau solch seltene Gelegenheiten, wenn ein millionenschweres Hypercar das Depot verlässt - dann schießen sie Fotos, die auf Websites wie Autogespot oder eben auf Instagram landen, mit dem Ziel, möglichst hohe Zugriffe zu erhaschen.

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Die Flügeltüren sind natürlich für den Ferarri LaFerrai ein Muss.

(Foto: Patrick Broich)

Doch wer den Weg nach Bodman-Ludwigshafen auf sich nimmt, muss im Zweifel lange warten, bis ein Hypercar fahrend die Hallen verlässt. Hier betreiben die bestens vernetzten Maurer-Brüder und Martin Döring ihren noch recht jungen Supercar-Handel Pamo Cars. In dieser Liga lassen die Kunden in der Regel im geschlossenen Hänger abtransportieren und herbringen. Aber heute muss der LaFerrari eine Testfahrt absolvieren, denn es kann ja einfach nicht sein, dass solche Autos immer nur von Autoanhänger zu Autoanhänger gerollt werden.

Eine kleine Einführung

Doch bevor es losgeht, eine kurze Einführung: Oft lässt Ferrari von Pininfarina zeichnen. Die vorerst letzte Generation in der Ahnenreihe der so genannten "Big Five" hat die hauseigene Ferrari-Kreativabteilung aber selbst gestaltet, und dabei ist ihr ein bildgewaltiges Objekt auf Rädern gelungen, mit graziler Wespentaille und eindrucksvollen Außenspiegeln, die an Insektenfühler erinnern. Bei den "Big Five" handelt es sich um die jeweiligen Speerspitzen der zeitgenössischen Ferrari-Modellpalette. Vor allem aber um veritable Imageträger.

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Mit einer Systemleistung von 963 PS ist der Ferrari LaFerrari ein wahres Hypercar.

(Foto: Patrick Broich)

Gestartet wurde mit dem GTO (umgangssprachlich 288 GTO) im Jahr 1984 mit dem ersten aufgeladenen Achtzylinder, bis dieser 1987 vom F40 abgelöst wurde. Während vom GTO kaum 300 Exemplare gebaut wurden, entschied sich Ferrari beim Nachfolger, der als letztes Modell mit Einfluss von Ferrari-Chef Enzo gilt, das Produktionslimit deutlich auszuweiten. Über 1300 Stück entstanden von der Modellreihe, die analog zum GTO-Konzept ebenfalls den aufgeladenen Achtzylinder unter dem Kleid trägt.

Erst mit dem 1995 erschienenen F50 - anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums - schwenkte Ferrari auf einen V12-Sauger um. Nur 349 Exemplare des Mittelmotor-Sportlers verließen die Werkshallen. Bis Maranello erneut einen Sportler von ähnlichem Kaliber auflegte, sollten fünf Jahre ins Land gehen. Erst 2002 startete Ferrari mit dem Enzo Ferrari (als Hommage an Firmengründer Enzo Ferrari) wieder eine "Sammler"-Baureihe, von der 400 Exemplare mit sechs Liter großem und 660 PS starkem V12 entstanden. Eines davon wurde Papst Johannes Paul II gewidmet, der das Auto versteigern ließ.

Eine andere Welt

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Auch im Innenraum gibt sich der LaFerrari als das zu erkennen, was er ist: ein Supersportwagen.

(Foto: Patrick Broich)

Neun Jahre ließen sich die Italiener anschließend Zeit, bis sie den vorübergehend letzten Spross dieser ehrenvollen Ahnenreihe. den LaFerrari, in den Markt brachten. Und jedes Modell dieser Linie ist ein Solitär. Im Jahr 2013 musste es natürlich wieder ein V12 sein - jetzt mit 6,3 Litern Hubraum. Aber die Zeichen der Zeit erkannte die durchaus innovative Marke schon damals, so kann man es vielleicht als frühen Vorboten der Transformation verstehen, dass der vorerst letzte Hypersportler als Hybrid ausgeführt ist. Hier noch mit kleinem Akku natürlich, der nicht einmal 30 Kilogramm auf die Waage bringt, aber blitzschnell Energie aus der Schubrekuperation aufnehmen kann dank KERS (Kinetic Energy Recovery System). So steht dem bereits 800 PS starken Zwölfender zusätzlich eine 163 PS starke Synchron-Elektromaschine zur Seite, um eine Antriebs-Systemleistung von 963 PS zu generieren.

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Das Kombiinstrument im LaFerrari als zentrale Informationseinheit für den Piloten.

(Foto: Patrick Broich)

Doch es ist gar nicht mal die schiere Leistung, die es so aufregend macht, ein paar Kilometer hinter dem Steuer eines LaFerrari zurückzulegen - die toppt schließlich schon der deutlich günstigere und nicht einmal limitierte SF90. Nein, die Magie ergibt sich einfach daraus, in eine für Menschen aus bürgerlichen Verhältnissen verschlossene Welt einzutauchen. Wer kann sich schon den Luxus erlauben, für ein einzelnes Fahrzeug mehrere Millionen Euro auszugeben?

Dann los, einsteigen in den Boliden, den die meisten Autofans nur aus dem Autoquartett kennen. Schmetterlingstüren auf und rein. Der Adrenalinspiegel steigt schon vor dem Anlassen des Triebwerks, als auf dem volldigitalen Kombiinstrument der "LaFerrari"-Schriftzug erscheint. Dann aber, der Zwölfzylinder erwacht mit hellem Starter-Geräusch zum Leben, läuft mit einer akustischen Bandbreite von zornigem Gebrabbel bis kehligem Schreien - abhängig von der Drehzahl. Und die lässt sich spielend einfach bis in den 9000-Touren-Gipfel hochjubeln.

Wohlfühlstimmung, wenn man den Wert vergisst

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Der Manettino, der legendäre Fahrmodusschalter im LaFerrari, ist mit Vorsicht zu benutzen.

(Foto: Patrick Broich)

Hat man sich erstmal eingerichtet hinter dem beidseitig abgeflachten Lenkrad und den Wert des Autos verdrängt, kommt Wohlfühlstimmung auf. Und weil die Außenspiegel auf optisch eindrucksvollen, extralangen Spiegelarmen sitzen, lässt sich der rückwärtige Verkehr trotz knapp zwei Meter breiter Karosse ganz gut einsehen. Aber es ist zum Glück so wenig los auf den Landstraßen in der Region, dass weder Autospotter noch bremsende Verkehrsteilnehmer den seltenen Genuss trüben.

Sören Maurer grinst und hat auf dem Beifahrersitz ähnlich viel Spaß wie der Autor am Steuer. Er bedeutet mir, die Pferchen ruhig galoppieren zu lassen. Das Zusammenspiel von V12 und E-Maschine funktioniert derart harmonisch, dass davon nichts zu merken ist - außer: Der LaFerrari beschleunigt brachial und zeigt auf dem trockenen Asphalt auch keinen Traktionsmangel. Doch Vorsicht, bloß nicht verausgaben, denn das gute Stück soll ja heil wieder zurück ins Depot.

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Hinter einer Glashaube ist der V12 des LaFerrari gut einzusehen.

(Foto: Patrick Broich)

Ein ausfahrbarer Flügel modelliert den Anpressdruck, um das zu einem großen Teil aus Karbon bestehende Vehikel immer im Spannungsfeld zwischen optimaler Längs- und Querperformance zu halten. Vom Manettino (so heißt der bei Ferrari legendäre Fahrmodusschalter) bleiben heute die Finger, es verweilt schlicht in der normalen Sport-Stellung. Allerdings ist der LaFerrari auch ein dankbarer Cruiser und stresst bei Langsamfahrt nicht mit Ruckelei aus Richtung Doppelkupplungsgetriebe.

LaFerrari als Daily Driver also? Solange es nichts zu transportieren gibt, das Budget prall ist und man keine Berührungsängste mit Carspottern hat, warum nicht. In vier Jahren entstanden immerhin 500 LaFerrari - es gibt ihn als geschlossenes Coupé und Roadster namens Aperta. Erlkönigjäger wollen übrigens schon das nächste Ferrari Hypercar erblickt haben - natürlich getarnt. Aus Ferrari-Kreisen ist zu hören, dass es hierbei gar nicht mehr um Leistungswettrüsten gehen soll, und so könnte der künftige Imageträger aus Maranello weniger Pferdchen unter der Haube haben als das aktuelle, unlimitierte Topmodell SF90 mit genau 1000 PS. Aber ganz ehrlich, hier ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht. Doch so ebbt zumindest die Spannung nicht ab, bis es dann heißt: Ferrari "Big Six".

Quelle: ntv.de

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