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Eine echte Investition Mini JCW GP - wer braucht Porsche?

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Der Mini John Cooper Works GP ist ein Spaßgarant. Vor allem auf der Rennstrecke.

(Foto: Bernhard Filser)

Für viele wird es auf dem Rundkurs erst mit 600 PS und mehr sportlich. Dass bereits die Hälfte reicht, beweist der Mini John Cooper Works GP. Der für den Rundkurs optimierte Mini-Bolide hat nämlich mehr als einen großen Heckspoiler.

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Der Mini JCW GP hat mit den stylischen Stadtflitzern aus dem Hause Mini wenig gemein.

(Foto: Bernhard Filser)

In der heutigen Zeit ist es gar nicht mehr so einfach, sich mit Begeisterung über schnelle Autos auszulassen, ohne gleich mit der Klimakeule geschlagen zu werden oder die Unterstellung zu hören, dass so ein Auto ja wohl eindeutig der Ersatz für irgendetwas wäre, was zu kurz geraten sei. Insofern dürfen jetzt alle aus dem Text aussteigen, die Sportwagen abhold sind. Auch die, die erfahren wollen, ob hier irgendwo irgendetwas bei irgendwem zu kurz ist, werden nicht auf ihre Kosten kommen. Es sei denn, sie sind der Meinung, dass ein Mini John Cooper Works GP mit 3,88 Metern zu kurz wäre.

Zu kurz ist er nicht, das darf an dieser Stelle verraten werden, aber als GP-Modell ist er auch alles andere als ein stylischer Stadtflitzer. Der Mini-Bolide ist ein Track-Fahrzeug, eine Maschine, die gebaut wurde, um mit maximaler Traktion in die Kurven von Rennstrecke zu stechen, um mit minimalem Gewicht keine Zeit zu verlieren und um mit wenig Kraft dennoch auf der Geraden unglaublich schnell zu werden. Ja, die letzte Ausbaustufe des Vierzylinder-Turbomotors macht den "normalen" John Cooper Works (JCW) zum stärksten jemals für die Straße zugelassenen Mini.

Auf dem Rundkurs sieht es ganz anders aus

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Aus dem Stand beschleunigt der Mini JCW GP in 5,2 Sekunden auf Tempo 100.

(Foto: Bernhard Filser)

Auf dem Rundkurs sieht das natürlich ganz anders aus. Hier, wo sich Porsche, McLaren, Mercedes AMG oder BMW M das Lenkrad in die Hand geben, wirkt der Vierzylinder-Turbomotor mit seinen 306 PS geradezu bescheiden. Auch die 5,2 Sekunden, die es aus dem Stand auf Tempo 100 braucht, werden von den Fahrern der potenten Dickschiffe am Nürburgring belächelt. Noch dazu, wenn man weiß, dass der größere und schwerere JCW die 100-km/h-Marke bereits nach 4,9 Sekunden erreicht hat. Und dennoch würde der Alltagssportler seinem austrainierten Bruder auf dem Track gnadenlos unterlegen sein. Und auch den grinsenden Hypercar-Fahrern dürfte abseits der Gerade das Lachen schnell vergehen.

Denn ein modifizierter Hinterachsträger, ein Strebenrahmen und eine auf höchste Querbeschleunigung ausgelegte Fahrwerksabstimmung lassen das Rennvolk spätestens bei der ersten Kurve ganz alt aussehen. Hinzu kommt eine vergrößerte Spurweite und ein im Vergleich zum JCW noch mal um 10 Millimeter tiefergelegtes Fahrwerk. Um am Ende aber diesen einmaligen Stich in die Kurve möglich zu machen, haben die Ingenieure dann auch noch die Schwenklager neu konzipiert und die Sturzwerte an den Vorder- und Hinterrädern erhöht.

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Der große Vorteil des Mini JCW GP auf dem Rundkurs sind die Kurven. Die durchfliegt der kleine Brite förmlich.

(Foto: Bernhard Filser)

Kurz, im Zusammenspiel mit der Sportbremsanlage kann die kommende Kurve mit Vollgas angefahren werden. Doch statt hart anzubremsen, wird der Punkt leicht eingeschliffen, um dann mit der extrem festen und unglaublich direkten Lenkung den Strich vorzugeben. Jetzt spürt der Fahrer, wie die Semi Slicks sich an den Asphalt krallen und dieser Mini, ohne auch nur einen Millimeter vom Kurs abzuweichen, in die Kehre schießt. Aber nur, um am Ausgang auf den Gas-Befehl zu warten, damit er auf die Gerade pfeilen kann.

Da könnte man noch optimieren?

"Noch schöner wäre es gewesen, wenn wir das Gewicht noch etwas hätten reduzieren können", konstatiert Fahrwerksentwickler Jürgen Metz nachdenklich. Bitte? Wir reden hier von einem Kampfgewicht von 1,3 Tonnen. Die werden von einem maximalen Drehmoment von 450 Newtonmetern in Bewegung gesetzt, die bereits bei 1750 Kurbelwellenumdrehungen anliegen und bis 4500 Umdrehungen gehalten werden. Auch das ein Umstand, der dafür sorgt, deutlich potentere Sportwagen auf dem Rundkurs abzukochen.

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Die Semi Slicks des Mini JCW GP sind nichts für nasse Landstraßen.

(Foto: Bernhard Filser)

Das heißt, wer hier mal richtig aufs Gas tappt, merkt, dass die Semi Slicks durchaus warmgefahren sein sollten, andernfalls ist es mit der Traktion einfach mal Essig. Hier bleiben auch die 0,3 Sekunden beim Ampelstart mit dem JCW liegen. Der schiebt über alle vier Räder an, während der GP als Fronttriebler unterwegs ist. Die 306 Pferde galoppieren zwischen 5000 und 6250 Umdrehungen geschlossen über die Koppel, was dem geneigten Sportwagenfahrer das Gefühl geben könnte, dass der Motor nie wirklich ausgedreht wird.

Mitnichten ist das so und am Ende ist es ohnehin das maximale Drehmoment, das zählt. Um das zu verkraften, haben die Mini-Jungs dann auch noch die 8-Gang-Automatik, die extrem schnell und präzise schaltet, und die integrierte mechanische Differenzialsperre auf die hier wirkenden Kräfte abgestimmt. Das wiederum hat den Vorteil, dass bei den schon erwähnten dynamischen Kurvenfahrten eine die Traktion fördernde Verteilung des Antriebsmomentes zwischen den Vorderrädern garantiert wird. Unter Last kann so eine Sperrwirkung von bis zu 31 Prozent erzeugt werden. Das Ergebnis ist bekannt: Auf diesem Weg wird sowohl einem Traktionsverlust bei unterschiedlichen Reibwerten als auch bei einer Drehzahldifferenz zwischen den Antriebsrädern entgegengewirkt. Von Unter- oder Übersteuern war auf der Grand-Prix-Strecke auf dem Nürburgring jedenfalls nicht mal im Ansatz etwas zu spüren.

Keine Angst vor schwindender Traktion

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Wer beim Mini JCW GP auf das Gewicht achtet, verzichtet auf die Klimaanlage. Hat dann aber auch im Innenraum echte Sportwagentemperaturen.

(Foto: Bernhard Filser)

Selbst wenn die Traktion schwindet, weil der Übermut den Fahrer dazu veranlasste, vor dem Kurvenausgang zu viel Gas zu geben, und die Antriebsräder in leichte Unruhe versetzt werden, war der Mini-Bolide, durch eben geschilderten technischen eingriff, sofort wieder in der Spur. Ein Umstand, der dafür sorgt, dass der GP auf der langen Geraden mit der Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h auf die nächste Kurve zuschießen kann.

Apropos 265 km/h. Was der Spötter an Sportwagen gerne belächelt, sind ja mächtige Heckspoiler. Selbstredend ist auch der JCW GP mit einem solchen bewehrt, obgleich man hier wohl eher von einem mächtigen Dachspoiler mit doppelter Flügelkontur sprechen müsste, was den Hohn nicht mindert. Auf dem Rundkurs sorgt aber genau dieses Teil dafür, dass es keine Auftrieb an der Hinterachse gibt, wie man sie von Straßenfahrzeugen kennt, die mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sind. An der Frontschürzen-Einfassung sorgen ein Blackband und eine Spoilerlippe für entsprechenden Abtrieb. Hinzu kommen die aus karbonfaserverstärktem Kunststoff gefertigten Radlaufblenden, die zum einen den Einsatz einer großen Spurweite und breiterer 18-Zoll-Räder ermöglichen und zum anderen die Luftführung im Seitenbereich des GP optimieren.

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Einen Mini JCW GP kann man natürlich auch auf der Landstraße fahren.

(Foto: Bernhard Filser)

Natürlich kann man den JCW GP auch auf öffentlichen Straßen fahren. Auch dafür ist er zugelassen. Doch wer das mit diesem auf 3000 Stück limitierten Kleinod tatsächlich machen will, der hat hoffentlich in der Optionsliste nicht das Kreuz für die Klimaanlage vergessen. Andernfalls hat er zwar Gewicht gespart, was - wie bereits besprochen - hilfreich beim Kurvenlauf ist, aber auch auf ein Komfortfeature verzichtet, das gegen Hitze im Wagen vorgeht, die den Fahrer auf Dauer mürbe macht. Und die kommt nicht nur durch die Sommersonne, sondern auch von dem Hochleistungstreibsatz unter der Motorhaube. Wer also ohne Klimaanlage unterwegs ist, darf den Zeiten nachspüren, als Rauno Aaltonen in den 1960er Jahren mit seinem Mini Cooper Rallye-Geschichte schrieb.

Daran mag man sich auf der Landstraße auch erinnert fühlen, wenn einem die kurzen Federwege des Sportfahrwerks schon beim Überfahren eines Gullydeckels durch Mark und Bein gehen oder man auch nur mit der scheinbar schwergängigen Lenkung kämpft. Wer aber begreift, wofür dieses Auto gebaut wurde und wer es dann auch auf der Rennstrecke bewegt, der wird all das, was eben noch zu bemängeln schien, über alle Maßen schätzen. Und schätzen wird das auch der, der überhaupt einen der 3000 John Cooper Works GP abbekommen hat. Denn es gibt mit Sicherheit kein weiteres Fahrzeug dieser Art. Eine Homologation wie diese wird in Zukunft nicht mehr zugelassen. Insofern hat der Käufer für geradezu lächerliche 45.000 Euro nicht nur ein Auto erworben, das potentere Konkurrenten auf der Rennstrecke das Fürchten lehrt, sondern auch eines, das binnen kürzester Zeit weit mehr wert sein dürfte als die Investition.

Quelle: ntv.de