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Bestseller in drei Ausführungen Moto Guzzi V7 Carbon - edel und rar

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Von den drei Varianten der V7 ist die Carbon wohl die aufregendste.

Die kleine V7 ist das meistgekaufte Modell des italienischen Motorradherstellers Moto Guzzi. Weil die Nachfrage nach individualisierten Fahrzeugen immer höher wird, bietet das Werk jetzt serienmäßig drei Edel-Varianten an. Eine davon im Carbon-Look.

Mehr als 300 Teile umfasst das von Moto Guzzi entwickelte Sonderausstattungsprogramm für das Modell V7 III. 1967 wurde die 750er erstmals auf den Markt gebracht. 2009 erfuhr sie ihre Wiedergeburt und wird jetzt in der dritten Entwicklungsstufe produziert. Bis heute ist sie das meistverkaufte Guzzi-Modell überhaupt. Weil die Tendenz zur Individualisierung wahrnehmbar steigt, hat sich der 1921 in Mandello del Lario am Comer See gegründete Hersteller entschlossen, drei bereits werksseitig veredelte Varianten der V7 ins Programm zu nehmen.

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Die rot satinierten Zylinderköpfe stechen bei der V7 Carbon besonders ins Auge.

Während die V7 Rough mit Soft-Offroadreifen und vielen geschwärzten Teilen ziemlich rustikal dasteht, gibt sich die mit feinen Aluteilen, Glanzlack und Chrom veredelte V7 Milano deutlich eleganter. Besonders auffällig ist die V7 Carbon: Ins Auge stechen bei dieser schwarzen Schönheit nicht nur diverse Anbauteile aus dem edlen Material, sondern auch der rote Bremssattel im Vorderrad und mehr noch die beiden rot satinierten Zylinderkopfhauben, die links und rechts unterm Tank keck in den Fahrtwind ragen. Auf 1921 Exemplare ist die Auflage der V7 Carbon limitiert.

52 PS für 9990 Euro?

Niemand wird eine V7 Carbon wegen Ihres Verhältnisses von Motorleistung und Preis kaufen. Hier gehen lediglich 52 PS für satte 9990 Euro ans Werk. Da gibt es doch schon für unter 7000 Euro weitaus leistungsfähigere Motorräder aus japanischer Produktion, die großen Fahrspaß verbunden mit hoher Fahrdynamik bieten. Ist man aber auf der Guzzi mit dem 744 Kubikzentimeter kleinen V2-Motor unterwegs, weitet sich der Blick und die Frage maximaler Fahrdynamik stellt sich irgendwann nicht mehr.

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Die V7 lässt sich leicht durch Kurven dirigieren.

Leicht lässt sich die 213 Kilogramm wiegende Maschine mit Hilfe des gut in den Händen liegenden Lenkers in die Kurven dirigieren, flüssig fegen sie über die Uferstraßen am Comer See. Die sechs Gänge lassen sich präzise, wenn auch nicht immer ganz leicht wechseln, doch stets steht eine passende Übersetzung bereit, um auch auf den Bergstrecken mit Schwung aus den Kurven ziehen zu können. Dass kein Anzeigeinstrument über die anliegende Motordrehzahl informiert, stört nicht; der V2 mit seiner Boller-Charakteristik teilt sein Wohlbefinden auf akustischem Wege mit.

Das Fahren dieser veredelten Guzzi, deren Gravur an der Lenkerplatte verrät, dass sie die 101ste von 1921 Stück ist, massiert die Seele nicht weniger, als der angenehm pulsierende V2-Motor die Füße, den Allerwertesten und die Hände. Dass die Telegabel auf harte Stöße etwas unwirsch reagiert und dann kurze Stöße in des Fahrers Unterarme schickt, mag man der V7 Carbon ob ihres insgesamt verbindlichen Wesens nicht übelnehmen. Ungeklärt bleibt die Frage, warum Moto Guzzi es nicht schafft, eine weichere Gasannehme beim Übergang von Schub auf Last zu realisieren. Wer in Kehren leicht die hintere Bremse aktiviert, belohnt sich mit geschmeidigerer Fahrweise.

Fahrer nimmt an Lebensäußerungen teil

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Einen Drehzahlmesser gibt es bei der V7 nicht.

Zum Glück ist die V7 III weit davon entfernt, ungebärdige Vibrationen zu produzieren. Sie lässt den Fahrer an ihren Lebensäußerungen teilhaben, ohne ihn zu drangsalieren. Fast wie von selbst stellt sich deshalb ein Fahrstil ein, den man als zügig-entspannt bezeichnen kann. Weil der V2 seine maximale Kraft bei 1300 Umdrehungen unterhalb der Nenndrehzahl bereitstellt, bleibt der alleroberste Drehzahlbereich so gut wie unangetastet. Die ausreichend leichtgängige Kupplung, die gut dosierbare Scheibenbremse im Vorderrad als auch die entspannte Sitzposition passen gut zum Gesamtcharakter dieses optisch ganz und gar nicht unauffälligen Motorrads.

Den Designern ist mit der Carbon-Version der V7 III ein überaus ansehnliches Fahrzeug geglückt. Insbesondere der Kontrast zwischen dem reichlichen Mattschwarz und den drei roten Farbtupfern ist es, der des Fahrers Auge bei jeder Pause wie magisch anzieht; dagegen tritt die edle Maserung des Sichtkarbons von Front-Kotflügel und diversen Abdeckungen ein wenig in den Hintergrund. Sehr gut gefällt auch der Bezug des Sattels aus wasserfestem Alcantara, der an der Rückseite in roten Lettern den Firmennamen trägt.

Auch wenn die Carbon-Version die bei weitem Aufsehen erregendste Variante der neuen V7 III darstellt, so hat Guzzi noch zwei weitere Offerten mit Werks-Customizing im Angebot: Basis der ebenfalls neuen Version Milano ist die V7 Special; deren Speichenräder sind freilich entfallen, dafür werden Leichtmetall-Gussräder von der Version Stone eingebaut. Zusätzlich werden ein spezieller Sitz, diverse Abdeckungen in gebürstetem Aluminium und einige andere Teile aus dem Sonderausstattungsprogramm montiert.

Von der bekannten Basisversion Stone wurde die neue Rough abgeleitet, die mit Speichenrädern sowie Soft-Offroadreifen eine Art "Country Urban Style" repräsentiert. Mit mattschwarz lackierter Doppelauspuffanlage und geschwärztem Motorgehäuse macht sie ganz auf Understatement. Beim Fahren entpuppen sich alle drei Modelle gleichermaßen als Spaßbringer – und stellen darüber hinaus sicher, dass der Besitzer nicht an jeder Straßenecke auf ein Motorrad desselben Typs stößt.

Quelle: n-tv.de, Ulf Böhringer, sp-x

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