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Umweltprämie und Steuersatz Nutzt Autofahrern das Konjunkturpaket?

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Während man mit dem Konjunkturpaket bei Verbrennern auf die Bremse tritt, gibt die Bundesregierung bei der E-Mobilität Gas.

(Foto: Volkswagen)

Mit 130 Milliarden Euro will die Bundesregierung die Wirtschaft wieder auf Kurs bringen. Wer hoffte, dass auch der Kauf von Autos mit Verbrennern subventioniert wird sieht sich unterdessen enttäuscht. Gefördert wird die umweltfreundliche Mobilität.

Das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket rund um die Corona-Krise in Höhe von 130 Milliarden Euro sieht auch eine massive Förderung umweltfreundlicher Mobilität vor. Im Maßnahmenpaket enthalten ist unter anderem eine deutliche Aufstockung der staatlichen Umweltprämie für den Kauf von Elektroautos. Diese wird sich für Modelle mit einem Nettolistenpreis von bis zu 40.000 Euro von 3000 auf 6000 Euro verdoppeln. Eine von der Autoindustrie gewünschte Förderung für den Kauf von Verbrennerfahrzeugen wurde hingegen abgelehnt.

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Der ID .3 von VW wäre ein förderfähiges Auto, wenn es denn in Europa zum Verkauf stünde.

(Foto: Volkswagen)

Damit ist die zuvor diskutierte Kaufprämie für Verbrenner vom Tisch. Dennoch werden die Hersteller von Benzin- und Dieselfahrzeugen nicht ganz leer ausgehen, denn vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 sieht das Konjunkturpaket eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent vor. Ob die Autohersteller diese Senkung als Kaufanreiz direkt an die Kunden weitergeben, bleibt abzuwarten.

Doppelt sparen beim E-Autokauf

Wer sich hingegen in nächster Zeit ein neues E-Auto zulegen will, kann dank der Aufstockung der Umweltprämie in jedem Fall deutlich sparen. Zusätzlich zu den 6000 Euro Bundeszuschuss gibt es noch den Herstelleranteil in Form eines Bruttorabatts, der in einer auf 16 Prozent gesenkten Mehrwertsteuer 3480 Euro und später 3570 Euro betragen wird.

Wird vom Hersteller zusätzlich der geringere Steuersatz auf den Kaufpreis angerechnet, addieren sich die Vergünstigungen insgesamt auf eine fünfstellige Summe. Die Erhöhung der Umweltprämie ist bis Ende 2021 befristet. Auch Plug-in-Hybride und über 40.000 Euro teure E-Autos sollen von der Aufstockung der Umweltprämie auf allerdings geringerem Niveau profitieren.

Veränderter Steuersatz

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Wessen Fahrzeug wenig CO2 ausstößt, der zahlt auch weniger Kfz-Steuer.

(Foto: dpa)

Den Umstieg auf Autos mit umweltfreundlichen Antrieben will die Bundesregierung auch mit einer geänderten Bemessungsgrundlage für die Kfz-Steuer fördern, die künftig stärker auf CO2-Ausstoß ausgerichtet wird. Jenseits von 95 Gramm CO2 pro Kilometer soll der Steuersatz stufenweise steigen. Vor allem für starkmotorisierte SUV dürfte damit der Steuersatz besonders deutlich anziehen. Im Gegenzug wird die bislang bis 2025 gewährte Steuerbefreiung für E-Autos bis in das Jahr 2030 verlängert.

Tankstellen müssen E-Ladesäulen vorhalten

Der Bund wird die Länder im Jahr 2020 außerdem bei der Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) unterstützen, da die Fahrgeldeinnahmen durch die allgemeinen Corona-Beschränkungen eingebrochen sind. Dies erfolgt durch die einmalige Erhöhung der Regionalisierungsmittel in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. Um die Nachfrage nach E-Bussen zu erhöhen, wird außerdem die Förderung für E-Busse und deren Ladeinfrastruktur bis Ende 2021 befristet und zudem um 1,2 Milliarden Euro aufgestockt.

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Tankstellen müssen künftig auch E-Ladesäulen bereitstellen.

(Foto: Shell)

Neben Benzin und Diesel müssen alle deutschen Tankstellen künftig auch Strom für Elektroautos verkaufen. Die Einführung einer entsprechenden Versorgungsauflage hat die Bundesregierung nun im Rahmen des Corona-Hilfspakets beschlossen. Details sind allerdings noch weitgehend unklar: So ist in dem Papier des Koalitionsausschusses weder von der Zahl noch der Art der Ladepunkte eine Rede.

Für Tankstellen sehen Experten schon seit längerem eine zentrale Rolle im Aufbau der E-Auto-Infrastruktur vor. Bislang ist die Errichtung allerdings freiwillig. Unter anderem haben Shell und Star bereits erste Schnellader auf ihren Anlagen eröffnet. Die schnellen Säulen mit Ladeleistungen bis zu 100 kWh sind relativ teuer, füllen gängige E-Auto-Akkus aber im Idealfall in rund einer halben Stunde. Die deutlich günstigere Alternative sind normale AC-Ladesäulen, an denen man mehrere Stunden warten müsste. Solche Anlagen wären allenfalls in Städten sinnvoll, wo etwa Anwohner über Nacht laden könnten. Unklar ist auch, wer die Installation zahlen soll; infrage kommen unter anderem Tankstellenpächter, Mineralölkonzerne oder die öffentliche Hand.

Bundesweit existieren aktuell rund 14.500 Tankstellen. Würden alle mit mindestens einem Ladepunkt ausgerüstet, könnte die Zahl der öffentlichen Stecker für E-Autos von derzeit etwa 30.000 auf knapp 45.000 steigen. Von dem im Klimaschutzprogramm formulierten Ziel von einer Million Ladesäulen bis 2030 wäre man allerdings weiterhin entfernt. Die Bundesregierung plant daher parallel den intensiveren Aufbau öffentlich zugänglicher Ladeinfrastrukturzum Beispiel bei Kitas, Krankenhäusern, Stadtteilzentren und Sportplätzen. Zudem wird laut dem Koalitionspapier geprüft, ob die Errichtung von Schnellladesäulen als Dekarbonisierungsmaßnahme der Mineralölwirtschaft behandelt werden kann.


Quelle: ntv.de, hpr/sp-x

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