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Straff im Alltag Opel Corsa geht französisch an den Start

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Außen hat Opel mit dem Corsa sein Gesicht gewahrt, unter dem Blech sieht es anders aus.

(Foto: Opel)

Opel schickt die sechste Generation des Corsa auf die Straße. Der Kleinwagen punktet mit schickem Design und sportlichen Fahrtalenten. Der Preis dafür: Ein im Alltag straffes Fahrwerk.

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In seiner sportlichsten Ausführung kommt der Opel Corsa als GS daher. Unter der Haube ist hingegen Alltagskost angesagt.

(Foto: Opel)

Schon wieder kocht bei Opel die Gerüchteküche: Gerade haben sich am Stammsitz in Rüsselsheim nach der Übernahme durch den PSA-Konzern die Wogen geglättet, und die Zusammenarbeit mit Peugeot, Citroën und DS trägt erst Früchte, da bahnt sich eine neue Ungewissheit an: Die Franzosen wollen mit der Fiat-Chrysler-Gruppe fusionieren. Zwar sind die Verhandlungen noch lange nicht spruchreif, doch sollte es tatsächlich zu diesem Zusammenschluss kommen, steht die Zukunft von Opel mal wieder in den Sternen. Umso wichtiger, dass sich der Autobauer in eine möglichst gute Verhandlungsposition bringt. Die bekommt man am besten mit erfolgreichen Modellen, und genau dazu soll der neue Peugeot-208-Bruder Corsa einen großen Teil beitragen: Die sechste Kleinwagen-Generation steht ab 16. November für mindestens 13.990 Euro bei den deutschen Händlern.

Preiswert nur im Einstieg

Die gute Nachricht: Damit ist der Opel rund 1000 Euro günstiger als ein VW Polo. Allerdings werden die meisten Käufer merklich tiefer in die Tasche greifen, denn die magere Basis-Ausstattung gibt es nur mit der 75 PS starken Einstiegs-Motorisierung – ein Gesamtpaket, das vor allem die die Einkäufer von Pflegedienst- oder Pizzaliefer-Flotten ansprechen soll. Wer einen stärkeren Antrieb will, muss zur Edition-Version greifen und für den 100 PS starken Turbo-Motor 17.530 Euro hinlegen. Ist einem eine ordentliche Ausstattung wichtiger, sollte man lieber gleich zur Elegance-Linie greifen: Dann sind neben einer Klimaanlage auch Aluräder, eine Mittelarmlehne, elektrische Fensterheber, LED-Licht und ein Multimedia-System an Bord. Kostenpunkt: 17.850 Euro für den Basis-Motor, 19.530 Euro für die goldene Benziner-Mitte. Jetzt erst kann man auch aus einem umfangreichen Extra-Angebot wählen, es gibt Matrix-Licht, 180-Grad-Kamera, automatischer Parkassistent, Abstands-Tempomat, Online-Navi oder ein schlüsselloses Zugangssystem.

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Auch im Innenleben gibt sich der Opel Corsa GS sportlicher als er es am Ende auf der Straße ist.

(Foto: Opel)

Den stärksten der drei 1,2-Liter-Dreizylinder-Ottos, mit 130 PS und serienmäßiger Achtgang-Automatik, gibt es sogar nur in der GS-Ausstattung und für nicht weniger als 23.340 Euro – eine Auto-Funktion für die Klimaanlage ist allerdings selbst dann noch nicht im Preis dabei. Dass der Top-Benziner den 1,2 Tonnen schweren Kleinwagen flott bewegt, darf man erwarten; es vergehen 8,7 Sekunden, bis der Tacho 100 km/h anzeigt. Schneller würde es wahrscheinlich mit einem manuellen Getriebe gehen: Bei der 100 PS-Version, wo es den supersanften, komfortablen Automaten optional gibt, liegt der Unterschied bei fast einer Sekunde, die der Handschalter schneller auf Tempo 100 sprintet.

Noch ein Diesel im Programm

Überhaupt dürften die meisten Kunden mit dem mittleren Triebwerk ausreichend gut fahren, der Durchzug der 205 Newtonmeter Drehmoment ist ordentlich und auch die knapp über 190 km/h Höchstgeschwindigkeit sind genug. Der Verbrauch liegt bei rund fünfeinhalb WLTP-Litern, der Spitzen-Benziner verdrückt ein paar Zehntel mehr. Erfreulich ist der ruhige Lauf der Dreizylinder, nur unter Volllast knurren sie. Und wenn die Stopp-Start-Automatik das Triebwerk nach einer Ampelpause wieder anwirft, schüttelt es sich etwas ruppig. Übrigens: Für alle Vielfahrer hat Opel noch einen 1,5-Liter-Diesel mit 102 PS im Angebot (ab 19.350 Euro) – und es gibt den Corsa auch mit Elektro-Antrieb: Dann kostet der Kleinwagen mindestens 29.900 Euro und kommt rund 330 Kilometer weit. Allerdings wird die E-Version erst ab Frühjahr 2020 ausgeliefert.

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Straffer als beim Peugeot 208 ist beim Opel Corsa das Fahrwerk abgestimmt.

(Foto: Opel)

Etwas zu straff geraten ist das Fahrwerk: Hier haben es die deutschen Ingenieure gut gemeint und den Unterbau arg in Richtung Sportlichkeit getrimmt. Das passt zwar gut zur schicken, schnittigen Außenhaut des Rüsselsheimers, die übrigens die franko-allemanischen Verwandtschaftsverhältnisse mit dem Peugeot 208 untrüglich offenbart. Im Alltag aber wäre, mit Blick auf innerstädtische Gullideckel, Trambahnschienen oder Schlaglöcher eine etwas französisch-komfortablere Abstimmung wünschenswert. Freuen dürfen sich alle Hobby-Kurvenräuber, die den quirligen Corsa nicht zuletzt auch dank der direkten Lenkung flott ums Eck bewegen können; viel fehlt nicht mehr, um zum Dynamik-Meister Ford Fiesta aufzuschließen.

Im Cockpit bleibt der Corsa ein Opel

Keinerlei Verwechslungsgefahr gibt’s im Cockpit: Von 3D-Instrumenten, dem abgeflachten Lenkrad, dem aufgesetzten Infotainment-Bildschirm oder den Flugzeug-Kippschaltern des Peugeots will man bei Opel nichts wissen. Bei den Rüsselsheimern ist das Volant rund, der sieben oder zehn Zoll große Touchscreen mit übersichtlichem Infotainment-Menü ist ins Armaturenbrett eingelassen und es gibt klassische Tasten und eine konventionelle Klimasteuerung – hier fühlt man sich auf Anhieb wohl. Ein digitales Kombiinstrument mit recht kleiner Sieben-Zoll-Anzeige ist optional erhältlich.

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Hinter der Heckklappe bietet der Opel Corsa 306 Liter Stauraum.

(Foto: Opel)

Mit dem Franzosen gemein hat der Opel wiederum die Statur: 4,06 Meter sind typische Kleinwagen-Dimensionen, aber vor allem im Fond des immer fünftürigen Opels geht es trotz mehr Radstand als beim Vorgänger recht eng zu; auch langgewachsene Beifahrer sitzen wegen der ausladenden Mittelkonsole nicht immer bequem. Ausreichend groß, wenn auch kleiner als beim VW Polo, fällt der Kofferraum mit seinen 309 Litern aus – allerdings muss das Gepäck eine hohe Schwelle überwinden, und beim Umklappen bleibt eine unschöne Stufe im Ladeboden. Apropos unschön: Auch die Qualität kann hier und da noch verbessert werden. Der Nadelfilz im Kofferraum fasst sich billig an, und die Spaltmaße der Karosserie sind eher mit französischer Laisser-faire-Attitüde denn mit deutscher Ingenieurs-Präzision vermessen worden.

Quelle: n-tv.de, Michael Gebhardt, sp-x