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Von der Konkurrenz abheben Premium-Autos von Ssangyong?

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Der Rexton, der im nächsten Jahr auf der Bühne erscheint, soll ein Vorbote des neuen Luxus bei Ssangyong sein.

Premium ist so etwas wie das Zauberwort in der Autoindustrie geworden. Kaum ein Hersteller, der nicht Premium ist oder sich zumindest dahin entwickeln will. So auch die koreanische Marke Ssangyong, die fast nur Allrad-Fans kennen.

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So stellt sich Ssangyong sein Elektroauto E-XIV vor.

Die stets freundliche Miene von Choi Johng-Sik verfinstert sich, wenn der Präsident von Ssangyong über die schwerste Zeit seines Lebens spricht. Vor gut sieben Jahren stand der kleine koreanische Autohersteller vor dem Aus, die Bänder in Pyeongtaek südlich von Seoul standen 77 Tage still. "Es war eine große Herausforderung", sagt Choi, "aber wir waren es unseren 5000 Mitarbeitern und deren Familien einfach schuldig, nicht aufzugeben und weiterzumachen". Die Rettung für Ssangyong kam vom indischen Konzern Mahindra, der den Allradspezialisten übernahm und frisches Geld ins Unternehmen pumpte. Jetzt sieht Choi Johng-Sik dank neuer SUV-Modelle eine rosige Zukunft. Die Produktion soll von derzeit rund 150.000 Fahrzeugen auf 250.000 Stück erhöht werden. Deutschland spielt dabei keine unwichtige Rolle.

Der kleine Tivoli, ein 4,20 Meter langer Fünftürer, ist bei uns schon zu haben. Als Benziner mit 126 PS kostet er 15.490 Euro, mit Allradantrieb 4000 Euro mehr. Der 115 PS leistende Diesel steht mit 17.990 bzw. 19.990 Euro in der Preisliste. Gerade erschienen ist der XLV, ein um gut 24 Zentimeter verlängerter Tivoli, jeweils um 1000 Euro teurer. Alleine mit diesem Duo will Ssangyong noch in diesem Jahr die Verkäufe in Deutschland auf rund 4000 Stück nahezu verdoppeln. Und das soll nur der Anfang einer Erfolgsgeschichte sein, denn weitere Modelle werden folgen.

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In dieser Form wird der Rexton offiziell noch als Konzept gehandelt.

Erschaffen werden sie im Ssangyong-Designstudio. Das liegt am Rande des riesigen Firmenterrains, etwa eine Autostunde von der Hauptstadt Seoul entfernt. Es ist fast 100.000 Quadratmeter groß und auf vier Ebenen verteilt. Hausherr Keun-Yeol Lee lässt die Foto-Handys einsammeln, bevor er den Weg in sein Heiligtum freigibt. Hier stehen die Ssangyong-Modelle der nächsten zwei Jahre. Im Mittelpunkt der neue Rexton, ein gut fünf Meter langes SUV, das mit dem auch bei uns verkauften Vorgänger optisch nichts mehr gemein hat. 20-Zoll-Räder unter markant gewölbten Radhäusern, schmale LED-Scheinwerfer, großer Lufteinlass unter dem im Verhältnis eher zierlichen Grill. Unter der sanft abfallenden Motorhaube sollen leistungsstarke Diesel- und Benzinmotoren ihre Kraft auf alle vier Räder verteilen.

Innen will Ssangyong einen Premium-Anspruch verwirklichen, der den Unterschied zu gleichgroßen koreanischen Modellen von Hyundai (Santa Fe) oder Kia (Sorento) ausmachen soll. Feinere Materialien wie zum Beispiel Lederpolsterung oder Holzapplikationen am Armaturenbrett und den Türen. An Bord sind dann auch diverse Assistenzsysteme, bei denen Ssangyong bislang noch Nachholbedarf hat. Notbremsfunktion, Spurhalte- und Toter-Winkel-Warner oder Fernlichtassistent. Den neuen Rexton wird es auch mit dritter Sitzreihe geben. Wenn er im nächsten Jahr auch auf die deutschen Straßen rollt, wird er etwas teurer als das jetzige Modell. Dessen Preise beginnen derzeit bei knapp 30.000 Euro. Auch ein Nachfolger für den heutigen Actyon Sport ist ein Vorbereitung. Der Pickup mit Doppelkabine und offener Ladefläche wird auf der Technik des Rexton aufbauen und in zwei Längen verfügbar sein. Seine Premiere ist allerdings erst im Jahr 2018 zu erwarten.

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Der Tivoli als Cabrio? Warum nicht. Ein Modell gibt es in Korea jedenfalls schon.

Doch viel wichtiger als der Pickup ist hierzulande der Nachfolger des Korando, der gegen einen Audi Q3 ebenso antreten soll wie gegen Nissan Qashqai oder Toyota RAV4. Da er erst 2019 erscheint, ist die finale Form noch nicht entschieden. Die jetzt präsentierten Entwürfe lassen jedoch durchaus Vergleiche zum Range Rover Evoque zu. Recht schmale Seitenfenster unter der nach hinten geneigten Dachlinie, ein sportlich gezeichnetes Heck und eine Frontpartie, die sich von dem eher braven Antlitz des heutigen Korando erheblich unterscheidet. Im Innenraum soll ein modernes Armaturenbrett mit LCD-Instrumenten zum Einsatz kommen. Die Preise werden je nach Ausstattung zwischen 20.000 und 25.000 Euro liegen.

Obwohl es für einen kleinen Hersteller wie Ssangyong schwer ist, bei der Entwicklung von Elektroautos oder Hybridmodellen mit Konzernen wie Mercedes oder Toyota mitzuhalten, will Präsident Choi Johng-Sik auch in diesem Bereich mit von der Partie sein und setzt dazu auf Partnerschaften. Er bestätigte etwa Gespräche mit BMW. Die Münchner haben bekanntlich mit dem i3 ein modernes E-Mobil im Angebot. Zu sehen war jetzt in Korea die Konzeptstudie E-XIV auf Basis des Tivoli. Neben einer leistungsstarken Batterie (42 kWh), die eine Reichweite von bis zu 400 Kilometer ermöglichen soll, hat der 4,18 Meter lange Zweitürer einen 650 Kubikzentimeter großen Einzylinder-Benzinmotor an Bord, der weitere 300 Kilometer Fahrt möglich machen soll. Die Ladezeit geben die Koreaner an einer entsprechenden Schnellladestation mit 30 Minuten an, an der Haushaltssteckdose braucht es hingegen sieben Stunden. Ein Elektro-Tivoli in heutiger Form ist bereits als Versuchsträger unterwegs.

Auf ein Auto müssen Interessenten außerhalb Südkoreas aber auch weiterhin verzichten. Die bis zu 5,44 Meter lange Luxuslimousine Chairman – was auf Deutsch nicht weniger als "Vorsitzender"bedeutet - bleibt im Lande. Das Spitzenmodell wird von einem fünf Liter großen Achtzylinder mit 306 PS angetrieben, der ebenso wie die 7-Gang-Automatik von Mercedes stammt. Etwa 1500 Chairman werden pro Jahr gebaut. Die Preise reichen von 70.000 bis knapp 100.000 Euro. Einige Chairman wurden in der Vergangenheit aber doch exportiert: In Nordkorea dienen sie als Dienstfahrzeuge für hohe Funktionäre.

Quelle: n-tv.de, Peter Maahn / sp-x

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