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BMW-Motorradkleidung im Test Zwischen Rennstrecke und Eisdiele

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Auch wer mit dem Motorrad nur auf der Kurzstrecke unterwegs ist, sollte sicher und modisch verpackt sein.

(Foto: Holger Preiss)

Auch wer mit dem Motorrad nur mal kurz ums Eck will, sollte das mit entsprechender Schutzkleidung tun. Dass die sich kaum noch von normaler Straßenkleidung unterscheidet, beweist BMW mit seiner Kollektion. Aber taugt die dann auch zum Motorradfahren?

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Es ist keine Pflicht, aber durchaus schlau, sich auch auf der Kurzstrecke auf dem Motorrad mit entsprechender Kleidung zu schützen.

(Foto: Holger Preiss)

Wir hatten ja vor nicht allzu langer Zeit über die Kleidung gesprochen, die BMW den Bikern an die Hand gibt, damit sie gut geschützt und dennoch bequem über die Langdistanz kommen. Nun will aber nicht jeder Motorradfahrer pro Ritt die maximale Fahrstrecke absolvieren. Manchem dient das Bike auch einfach als Ersatz fürs Auto oder als Alternative zum ÖPNV, um schnell an seinen Arbeitsplatz zu kommen.

Andere schnippen kurz zur Eisdiele, um sich zu erfrischen und einen Plausch zu machen. Sicher, das kann man in Alltagskleidung genauso gut. Aber Achtung: Gerade im Stadtverkehr lauern die Gefahren. Und wer hier bei einem Unfall nicht geschützt ist, riskiert seine Gesundheit. Insofern ist es - und der Autor spricht hier aus eigener schmerzhafter Erfahrung - ein eherner Grundsatz, auch auf der kleinsten Strecke, die man mit dem Motorrad zurücklegt, Schutzausrüstung anzulegen.

Mit der "Raceflow" durch den Sommer

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Dank Mesh-Gewebe ist die "Raceflow" eine echte Sommer-Motorradjacke.

(Foto: Holger Preiss)

Und das ist gar nicht so wild, denn es muss ja nicht die einteilige Lederkombi sein, die einem beim Gang zur Eisdiele in diese schlurfend-gekrümmte Haltung zwängt. BMW bietet, natürlich auch mit Blick auf seine Heritage Bikes in Form der R nineT-Reihe, der kommenden R 18 und der BMW F 900 R, einiges mit sportlich-modischem Touch an. Dazu gehört zum Beispiel die Jacke mit dem schönen Namen "Raceflow", eine wirklich sportliche Herren-Textiljacke, die explizit für sommerliche Ausritte ausgelegt ist. Dank ihres Mesh-Gewebes an der Vorderseite und ähnlich offenen Materialeinsätzen an den Armen und am Rücken ist sie super luftdurchlässig. Also ideal für Fahrten an richtig heißen Sommertagen.

Für die Sicherheit sorgen Protektoren an Schulter und Ellenbogen. Zudem sind die sturzgefährdeten Stellen mit doppelten Materialschichten versehen. Der NPL-Rückenprotektor muss und sollte selbst nachgerüstet werden, die entsprechende Einschubtasche ist jedenfalls bereits da. Für den Tragekomfort sorgen dehnbare Gummieinsätze oberhalb der Ellenbogen und am Rücken unterhalb der Schultern. Ein echtes Highlight ist der weiche Saum am kurzen Stehkragen. Der sorgt nämlich dafür, dass an Hals und Nacken nichts scheuert. Der Jackenbund lässt sich mithilfe zweier Druckknöpfe in die jeweilige Passform des Bauchumfangs bringen. Apropos Passform: Die ist ein großes Plus aller bisher getesteten BMW-Klamotten. Wer hier die Alltagskonfektionsgröße bestellt, kann ziemlich sicher sein, dass die sich locker eins zu eins auf die Motorradsachen ummünzen lassen.

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In der Testjacke auf dem Bild ist der NPL-Rückenprotektor nicht eingelegt.

(Foto: Holger Preiss)

Insgesamt sorgen zwei Einschubtaschen innen und zwei außen - allesamt mit Reißverschluss - dafür, dass Fahrzeugschein, Portemonnaie und Schlüssel sicher verwahrt sind. Und noch was: Die Jacke hat natürlich einen 40 Zentimeter langen Reißverschluss, der eine feste Verbindung zwischen Hose und Jacke garantiert. Natürlich immer vorausgesetzt, das Beinkleid hat das passende Gegenstück.

Wollte man jetzt noch einen Kritikpunkt finden, dann den, dass die Jacke weiße Einsätze hat. Die lassen sich nach dem Fliegenfang eines flotten Ritts nämlich nicht ganz so einfach reinigen. Zudem besteht die Gefahr des Verschmierens, was dann echt nicht mehr so schick aussieht. Hier empfiehlt sich, die Stellen sofort nach der Fahrt mit einem weichen Schwamm und einem sanften Reiniger (im Test wurde ein Geschirrspülmittel benutzt) zu säubern. Denn optisch machen die weißen Farbakzente der 290 Euro teuren "Raceflow" schon einiges her.

Waterproof oder Fivepocket

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Bei den Motorradjeans rangiert die "Fivepocket" im Test vor der "Waterproof".

(Foto: Holger Preiss)

Leichter tut sich der Fahrer hier, wenn er die Jeans "Waterproof" nach einer Fahrt reinigen muss. Die ist nämlich - ihr Name verrät es bereits - wasserdicht. Auf den ersten Blick traut man das dem guten Stück gar nicht zu, sieht es doch aus wie eine ganz normale Five-Pocket-Jeans. Aber im Gegensatz zu der perlt das Wasser, das der liebe Petrus aus den Wolken schickt, einfach nur an dem Material ab. Dafür sorgen ein abriebfester Mix aus Baumwolle, Polyester und Cordura sowie eine entsprechende Beschichtung. Im Inneren sorgt ein Netzfutter, das sich über das gesamte innere Beinkleid erstreckt, für ein angenehmes Gefühl auf der Haut. Allerdings hat diese Hightech-Jeans auch einen Nachteil. So wie sie das Wasser nicht hineinlässt, lässt sie es auch nicht hinaus. Soll heißen, dass, wenn man nicht durch den Fahrtwind belüftet wird, der Träger selbst zum Wasserproduzenten wird und den einzigen Ausweg, den das körpereigene Nass dann findet, ist der aus dem Hosenbein.

Wer also bei großer Hitze nicht im eigenen Hosenbeinsaft kochen, aber dennoch mit einer schützenden Jeans unterwegs sein möchte, dem kann an dieser Stelle die "Fivepocket" für 220 Euro ans Bein gelegt werden. Die ist also nicht nur 70 Euro preiswerter als die "Waterproof", sondern hat dank abriebfestem Material und NPL-Protektoren an Knie und Hüfte auch die Schutzwerte. Als Plus kommt hier hinzu, dass der Codura-Stoff, also das Polyamidgewebe, nicht in der gesamten Hose vernäht wurde. Dadurch ist das Teil von sich aus luftdurchlässiger und die Schwitz-Orgien bei großer Hitze bleiben aus. Allerdings, und das war wirklich erstaunlich: Obgleich BMW hier nicht mit einem wasserdichten Material wirbt, hat auch die Fivepocket bei einem entsprechenden Test nichts durchgelassen. Klar, eine Regenkombi ersetzt der imprägnierte Materialmix mit Sicherheit nicht, aber einen kurzen Schauer übersteht man hier auf jeden Fall trockenen Beines.

Ein Paar für die Gangwahl

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Schicke Sneaker für die Kurzstrecke. Die "Ride" machen aber nicht nur optisch was her.

(Foto: Holger Preiss)

Und wenn man nun so in der Stadt oder an der Eisdiele angekommen ist, kann es durchaus sein, dass man ein paar Schritte machen möchte. In Motorradstiefeln schlurft man da meist etwas ungelenk vor sich hin. Deshalb gibt es für solche Zwecke unterdessen ganz flotte Sneaker, die auch noch die Sicherheitsanforderungen an Motorradschuhe erfüllen. Bei BMW heißt ein Paar zum Beispiel "Ride", kostet 190 Euro und kann von Frauen als auch Männern getragen werden. Für Sicherheit sorgen innenliegende Verstärkungen an der Ferse und eine entsprechende Zehenkappe. Am linken Schuh gibt es einen zusätzlichen Schalthebelschutz. Und in beiden hoch aufragenden Schäften sind zusätzliche Knöchelprotektoren.

Für den Komfort sorgt im Innenschuh Mash, das die Feuchtigkeit absorbiert und die Luft, die durch das offenporige Rindsleder gelangt, auch an den Fuß lässt. Wer sich über die Schnürung des Schuhs einmal die passende Weite zurechtgezogen hat, der braucht für den Ein- und Ausstieg in Zukunft nur noch den Reißverschluss an der Innenseite zu benutzen. Beim Fahren vermittelt der "Ride" ein sicheres Gefühl. Die Sohle ist ordentlich profiliert, so dass die Füße nicht von den Rasten rutschen und auch beim Halten sorgt die Gummi-Laufsohle für einen sicheren und rutschfreien Stand. Und wie ist das Laufgefühl? Nicht ganz so smooth wie bei einem normalen Sneaker, aber ganz dicht dran.

Eine Frage der Kopfbedeckung

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Der "Race" ist ein echter Universalhelm. Eigentlich für den Rundkurs konzipiert, macht er sich aber auch auf dem Stadtkurs richtig gut.

(Foto: Holger Preiss)

Jetzt müssen wir noch über die Kopfbedeckung sprechen. Also die, die es bei der Fahrt in die Stadt oder zur schon erwähnten Eisdiele braucht. Tatsächlich kommt da für sportliche Fahrer nur der "Race" infrage. Warum? Weil der Helm einfach universell einsetzbar ist. Seine Hauptqualität hat der ausgezeichnet sitzende Helm in jedem Fall auf dem Rundkurs. Aus einer GFK-Carbon-Mischung gegossen, ist er mit 1350 Gramm superleicht, bietet mit seinem großen Visier ein erstklassiges Blickfeld zur Seite und kann locker 300 km/h ab. Und das, ohne auf dem Weg dorthin durch Fahrtwindverwirbelungen dem Fahrer den Kopf abreißen zu wollen.

Hinzu kommt, dass der "Race" ausgezeichnet belüftet ist. Wer die Lüftungsklappen auf der Oberseite des Helms öffnet, hat bei entsprechendem Fahrtwind das Gefühl, dass ihm in zwei Kanälen der Scheitel gezogen wird. Auch die Kinnbelüftung verrichtet einen guten Job. Wie fast alle Rennhelme verzichtet der "Race" auf eine integrierte Sonnenblende. Hier empfiehlt sich für Sommerfahrten der Zukauf eines getönten Visiers. Der Preis dafür beläuft sich auf 75 Euro. Für diejenigen, die mit dem Helm auf die Strecke wollen, liegt beim Kauf des je nach Dekor mindestens 610 Euro teuren Helms auch noch ein Satz Abreißscheiben bei. Die verhindern nach Aufbringen, dass das Visier durch Steinschlag beschädigt wird.

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Der große Heckspoiler am "Race" hält den Helm getestet bis 214 km/h stabil. BMW verspricht glaubwürdige 300 km/h.

(Foto: Holger Preiss)

Ebenfalls eine Zugabe für die Rennstrecke ist der Visierverriegelungsknopf. Der soll verhindern, dass sich die Scheibe bei Höchstgeschwindigkeiten selbständig macht. Allerdings kann an dieser Stelle vermeldet werden, dass sich bis Tempo 214 nichts an dem über sehr feste und gut rastende Punkte zu öffnende und zu schließende Visier in Bewegung setzte. Hilfreich ist dabei auch der vergrößerte Nackenausschnitt, denn selbst wer nicht auf einem echten Joghurtbecher unterwegs ist, muss sich bei diesen Geschwindigkeiten weit nach vorne lehnen. Der Helm wird mit einem Doppel-D-Verschluss unter dem Kinn arretiert und ist für einen Rennhelm erstaunlich leise.

Jetzt wäre natürlich an dieser Stelle die Frage gestattet, warum dieser Helm ausgerechnet im Kanon der Stadt- und Eisdielen-Kleidung auftaucht? Da gibt es nur eine Antwort: "Weil er wirklich geil ist!" Optisch, mit getöntem Visier und technisch mit allen vorher genannten Features. Übrigens, im Selbsttest ist das immer schlecht zu machen, aber den Kopf schützt das gute Stück natürlich auch. BMW verspricht, und das glauben wir mal, "Bestwerte bei der Schlagdämpfung".

Quelle: ntv.de

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