Gebrauchte

Häufig nicht ganz dicht VW Eos - gebraucht klappt's nicht immer

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Theoretisch bietet der VW Eos Platzfür vier Personen. Praktisch fahren zwei recht gut.

(Foto: VW)

Einst waren Klappdach-Cabrios ein echter Renner. Heute gibt es sie zu kommoden Preisen auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Aber Vorsicht: Die Dächer können, wie etwa beim VW Eos, für so manche negative Überraschung sorgen.

Frühlingswetter ist Cabriozeit. Wenn’s kein neues Cabrio sein soll, bietet der Gebrauchtwagenmarkt eine ordentliche Auswahl. So manch ehemals teures Modell wird nämlich über die Zeit erschwinglich. Auch der VW Eos, der zwischen 2006 und 2015 als Neuwagen angeboten wurde.

Eos wollte eine Alleskönner sein

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Bei geöffnetem Dach bleiben noch 180 Liter Staufläche im Kofferraum.

(Foto: VW)

Der Eos zählt zu den Klappdach-Cabrios. Die Spezies war zwischen Ende der 90er Jahre und bis ca. 2010 schwer angesagt. Kleinwagen bis zur Luxuslimousine setzten auf Metallfaltdächer. Als "Coupé-Cabrios" versuchten sie den Spagat zwischen Festdachkomfort und Frischluftvergnügen. Nicht immer mit Erfolg. Die Fahrzeugproportionen litten unter den aufwändigen Dachkonstruktionen und die Dichtigkeit der Dächer überzeugte ebenfalls selten.

Der Eos streckt sich auf eine Länge von 4,41 Metern und bietet laut Sitzplan Platz für bis zu vier Personen. Die zwei auf der rückbank sollten allerdings dem Kindesalter noch nicht entwachsne sein. Das Kofferraumvolumen des Golfablegers ist überschaubar. Im geschlossenen Zustand sind es 360 Liter, bei geöffnetem Dach schrumpft es auf magere 180 Liter. Die Öffnung ist zudem sehr schmal geschnitten, sodass bei Fahrten mit zurückgeklapptem Dach das Gepäck besser auf dem Rücksitz verstaut wird. Das Interieur ist typisch VW - je nach Komfortniveau - mehr oder weniger ansprechend.

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Ist das Dach des VW Eos geschlossen, ist er ein waschechtes Coupé.

(Foto: VW)

Das Besondere des Eos ist seine von innen mit Stoff verkleidete Dachkonstruktion. Hier lässt sich Frischluft in zwei Stufen genießen, weil das komplizierte fünfteilige Dachgebilde nämlich zusätzlich eine Schiebedachfunktion bietet. Ist man in Cabrio-Stimmung, kann man den Eos per Knopfdruck in 25 Sekunden zur Freiluft-Lounge wandeln. Allerdings hat das Dach einen entscheidenden Fehler: die Dichtigkeit. Das geht so weit, dass sich bei Wasserzugang gerne Schimmel in der Konstruktion bildet. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Problemen mit dem Dach nur bestimmte VW-Kompetenz-Werkstätten Hand anlegen dürfen.

An Motorvarianten mangelt es nicht

Bei den Benzinern stehen Vier- und Sechszylindermotoren zur Wahl; das Leistungsspektrum reicht von 115 PS bis zu 260 PS. Ein Zweiliter-Diesel mit 140 PS ergänzt das Angebot. Bis 2008 war der Selbstzünder nach dem Pumpe-Düse-System konstruiert, danach folgte die Common-Rail-Variante. Die Kraftübertragung erfolgt bei den Eos-Modellen über ein manuelles Sechsganggetriebe oder alternativ über ein Sechsgang-DSG.

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Der Innenraum des VW Eos gleicht dem, der seinerzeit aktuellen Golf-Modelle.

(Foto: VW)

Die Einstiegs-Benzinerversion (1.6 FSI) mit 115 PS war nur kurz im Programm, diese ist mit dem bis zu 1,6 Tonnen schweren Zweitürer vor allem in bergigen Regionen schnell überfordert. Souveräner gibt sich der in den ersten beiden Jahren angebotene 2.0 FSI mit 150 PS. Seit dem Modelljahr 2008 waren die für Steuerkettendefekte berüchtigten 1,4-TSI-Aggregate mit 122 PS und 160 PS im Angebot.

Wer es flotter mag, kann sich nach dem 2.0 TSI umschauen. Das zunächst 200 PS, ab 2009 dann 211 PS leistende Aggregat kennt man aus dem Golf GTI. Darüber rangieren noch die V6-Aggregate, die aus 3,2 Liter Hubraum 250 PS und aus 3,6 Liter Hubraum 260 PS schöpfen. Die äußerst seltenen V6 sind allerdings durstig. Eine Alternative sind die 2.0 TDI. Sie bieten vor allem ein sattes Drehmoment und gemäßigten Verbrauch.

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Die eigentliche Schwachstelle des VW Eos ist das Klappdach.

(Foto: VW)

Bei der Ausstattung gibt es je nach Komfortniveau von nicht besonders viel bis zu der Rundum-Sorglos-Version fast alles, was das Herz begehrt. Wer sich ein wenig Luxus gönnen möchte, kann nach Modellen mit Ledersitzen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Tempomat und Windschott Ausschau halten. Besonderheiten wie ein Start-Stopp-System oder eine Fernlichtautomatik stehen erst seit dem großen Facelift zum Modelljahr 2011 zur Verfügung. Beim Thema Sicherheit muss man Abstriche machen. Beim Crashtest EuroNCAP reichte es im Jahr 2007 nur für 4 Sterne.

Die Schwachstelle Klappdach

Käufer eines gebrauchten Eos sollten sich für die Inspektion der Dachkonstruktion Zeit nehmen. Schließt und öffnet das Verdeck ruckelig? Riecht es im Innenraum modrig? Ist etwa Schimmel an der Stoffverkleidung zu sehen? Dann Finger weg, denn eine Reparatur kostet richtig Geld und die Aussicht auf Erfolg sind gering. Der TÜV attestiert dem Cabrio ansonsten im Großen und Ganzen solide Langzeitqualitäten. Auffällig sind Modelle vor dem Facelift bei Lichttest. Auch Blinker und Rückleuchten geben oft Grund zur Klage. Beim Kauf sollte man ein Auge auf Federn und Dämpfer haben beziehungsweise checken lassen: Sie sorgen regelmäßig für Verdruss.

Fazit: Das Klappdachmodell ist auf dem deutschen Gebrauchtmarkt noch immer zahlreich vertreten. Für Modelle aus den Anfangsjahren muss man rund 3000 Euro investieren, für Fahrzeuge aus dem letzten oder vorletzten Produktionsjahren werden Preise ab rund 16.000 Euro in den Gebrauchtwagenbörsen aufgerufen.


Quelle: ntv.de, hpr/sp-x