Praxistest

Solider Naturbursche Audi A4 allroad - fast für alle Wege

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Mit dem Unterfahrschutz aus Edelstahl ist der A4 allroad mehr Crossover, als viele seiner Artgenossen.

Holger Preiss

SUV laufen Kombis immer mehr den Rang ab. Das ist kein Geheimnis. Dass die Kombis aber immer noch den höheren Nutzwert haben auch nicht. Insofern stellt sich die Frage, ob ein beplankter Audi A4 allroad nicht einem Q-Modell vorzuziehen ist?

Der Audi A4 allroad quattro gehört zu den dienstältesten Crossovern in seinem Segment. Zugegeben, der Skoda Octavia II kam bereits 2007 als beplankte Variante eines Kombis auf die Straße, wurde aber 2012 für zwei Jahre wieder eingestellt und erst mit der dritten Generation erneut belebt. Aber vor allen anderen hatten die Ingolstädter den Audi A6 in einen Allroad verwandelt. Und weil das so gut klappte, dachte man sich 2009: Warum sollten wir nicht auch den A4 in einen Naturburschen verwandeln?

Nur eine Ausstattungsvariante des A4?

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Die Chromleisten an den Seitenschwellern müssen wie so vieles beim Audi A4 allroad extra bezahlt werden.

(Foto: Holger Preiss)

Genau genommen ist der A4 allroad natürlich nur eine Ausstattungsvariante des Avant quattro. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass die Bodenfreiheit um 37 auf 180 Millimeter erhöht wurde, was nicht nur abseits befestigter Straßen deutliche Vorteile bringt. Dank der längeren Federwege geht der Allroad mit einem unglaublichen Gleichmut über Querfugen, grobes Pflaster und tief liegende Gullideckel. Nichts scheint den Allroad aus der Ruhe zu bringen.

Einst las man, dass aufgrund des größeren Federweges die Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven arg zunimmt. Das kann an dieser Stelle nicht bestätigt werden. Sicher bewegt sich der Crossover nicht wie ein RS über den Asphalt und auch die fehlende Dämpferverstellung darf bemängelt werden, tut dem insgesamt sehr ausgewogenen Fahrverhalten dieses höhergelegten Kombis aber keinen Abbruch. Schnelle Kehren schluckt der A4 allroad ebenso souverän wie Straßenunebenheiten.

Bestechende Qualität

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Das Innenleben des Audi ist vielleicht nicht aufregend, aber glänzt mit ausgezeichneter Qualität und Verarbeitung.

(Foto: Holger Preiss)

Insgesamt entspricht dieser Eindruck auch der ausgezeichneten Verarbeitung, mit der der Ingolstädter Kraxler aufwartet. Das gilt nicht nur für das haptische Vergnügen, mit dem die Armatur, die Belederung der Armauflage in den Türinnenverkleidungen oder die in Alkantara-Leder-Kombination bespannten Sportsitze aufwartet. Warum allerdings eine Mittelarmlehne mit 190 Euro extra bezahlt werden muss, ist bei einem Startpreis von über 40.000 Euro nicht nachvollziehbar. Ansonsten sind es Kleinigkeiten, die die Wertigkeit des Testwagens hervorheben. Zum Beispiel die verchromten Verzurrösen aus Metall im Kofferraum oder die Hutablage, die der elektrisch öffnenden Kofferraumklappe folgt, statt nach hinten wegzuschnippen.

Auch äußerlich stellt der A4 allroad unter Beweis, dass er ein echter Ingolstädter ist. Der Grill ist beim allroad von den Q-Modellen inspiriert. Dazu gibt es einen Unterfahrschutz aus Edelstahl und kreisrunde Nebelscheinwerfer in der Frontschürze. Auch am Heck setzt die Offroadvariante auf Edelstahl-Beplankung und wer will, kann für 450 Euro extra die Seitenschweller und den Dachgepäckträger in Aluoptik aufwerten lassen. Für den guten Ton sorgt für 950 Euro Aufpreis ein Bang & Olufsen Soundsystem, den richtigen Weg findet das Navi für zusätzliche 2100 Euro. In dieser Summe enthalten ist natürlich auch die Multimediaeinheit mit 6,5-Zoll-Farbdisplay, Freisprecheinrichtung und Bluetooth sowie Radio, DVD und 20 GB Festplattenspeicher und zwei SDHC-Kartenleser.

Der Preis ist zu heiß

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In der zweiten Reihe ist ausreichend Platz, allerdings ist die Bank recht tief verbaut.

(Foto: Holger Preiss)

In Kombination mit dem 2.0 Liter Diesel, der inzwischen satte 190 PS leistet, hat das seinen Preis. Alles in allem schlägt der Testwagen mit 54.000 Euro zu Buche. Das ist eine Stange Geld und liegt natürlich weit über dem, was man für die oben erwähnten Konzernmitglieder berappen muss. Dafür ist der A4 aber auch ein Audi und das Triebwerk erfreut in fast allen Belangen. Die wuchtigen 400 Newtonmeter werden über eine Siebengangautomatik kraftvoll an alle vier Räder verteilt, was bei einem spritzigen Start zu jauchzendem Kribbeln in der Magengrube mitreisender Kinder führt.

Lediglich 7,6 Sekunden dauert es, bevor der Ingolstädter Tempo 100 erreicht hat und bis 200 km/h schießt er weiter ungebremst voran. Ab dieser Geschwindigkeit wird es einen Tick beschwerlicher, die Spitze von Tempo 215 zu erreichen. Den Verbrauch gibt Audi kombiniert mit 5,9 Litern an. Der Testwagen genehmigte sich mit 7,8 Litern deutlich mehr. Zugegeben, zwei Drittel des Testlaufes absolvierte der Audi in der Stadt und hier wird bekanntlich immer etwas mehr konsumiert. Insofern darf angemerkt werden, dass ein Verbrauch von 6,9 Litern keine Utopie für den Wagen ist.

Die Hände bleiben am Lenkrad

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Mit 490 Liter Kofferraumvolumen reiht sich der Audi A4 allroad in die Phalanx ein.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich kann man mit den 190 PS auch smooth dahingleiten. Vor allem dann, wenn Tempomat, Abstandswarner und Spurhalteassistent an Bord sind. Allerdings sollte man das Lenkrad nicht einfach loslassen, denn der Audi sucht sich nur für wenige Sekunden seinen Weg zwischen Seiten- und Mittelstreifen, danach verlangt er visuell und akustisch den beherzten Eingriff des Piloten. Das Gefühl des teilautonomen Fahrens will sich hier nicht wirklich einstellen. Das haben andere Hersteller schon besser unter Beweis gestellt.

Nichts beweisen muss der A4 Allroad beim Kofferraumvolumen. Das ist mit 490 Litern bei aufgestellter Rückenlehne nicht üppig, geht aber in diesem Segment ebenso in Ordnung wie 1430 Liter, wenn sie sich flach macht. Die Ladefläche wird dabei fast plan, wobei die leichte Steigung getrost vernachlässigt werden kann. Klagen könnte es unter Umständen beim Einstieg in die zweite Reihe geben. Die Fondtüren sind etwas knapp bemessen und die Sitzfläche recht tief, so dass größere Menschen gezwungen sind, sich etwas einzufädeln. Kinder hingegen finden im Fond genug Platz, zumindest so lange, wie die erste Reihe die Polster nicht bis zum Anschlag nach hinten schiebt.

Fazit: Der Audi A4 allroad ist nicht nur einer der ältesten Crossover unter dem Konzerndach der VW-Mutter, er ist auch einer der teuersten in seinem Segment. Dafür besticht er durch eine ausgezeichnete Verarbeitung, hochwertige Materialien und eine stilechte Offroadoptik. Mit  dem 190 PS starken Diesel ist er ausgezeichnet motorisiert und muss sich auch auf der linken Spur nicht verstecken. Das muss er im Übrigen auch nicht beim Werterhalt, wie die Berechnungen der Experten von Bähr & Fess Forecasts  ergeben haben. Nach vier Jahren hat der Audi noch 52 Prozent seines Anschaffungswertes. Damit toppt er in diesem Bereich sogar den Mercedes C250 BlueTEC mit Allrad und Automatikgetriebe.

DATENBLATTAudi A4 allroad quattro 2.0 TDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,72/ 1,84/ 1,45 m
Radstand2,63 m
Leergewicht (DIN)1805 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen587 / 1470 Liter
MotorVierzylinder mit 1968 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang Doppelkupplungsgetriebe
Leistung140 kW/190 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit215 km/h
Tankvolumen61 Liter
max. Drehmoment400 Nm bei 1750 - 3000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h7,8 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,1 / 6,5 / 5,6 l
Testverbrauch7,8 l
EffizienzklasseB / EU6
Grundpreis41.900,00 Euro
Preis des Testwagens53.185,00 Euro

Quelle: n-tv.de