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Optisch ist die Ducati Monster 797 eine Augenweide.
Optisch ist die Ducati Monster 797 eine Augenweide.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 26. Juni 2018

Einsteiger für Kurvenfreunde: Ducati Monster 797 - schön und etwas zickig

Von Holger Preiss

Auf der Suche nach einem Einsteiger-Bike oberhalb von 70 PS kommt man an der Ducati Monster 797 nicht vorbei. Allein die schiere Optik sorgt dafür. Allerdings gehört zu einem gelungenen Einstieg noch ein wenig mehr. Kann die Italienerin hier die Erwartungen erfüllen?

Der rote Gitterrohrrahmen sieht schick aus, verhindert aber bei der Ducati Monster 797 einen weiten Lenkeinschlag.
Der rote Gitterrohrrahmen sieht schick aus, verhindert aber bei der Ducati Monster 797 einen weiten Lenkeinschlag.(Foto: Holger Preiss)

Wer auf der Suche nach einem Einsteiger-Bike ist, der kommt an einer Ducati Monster 797 nicht vorbei. Allein die Optik befeuert den Traum derer, die nicht nur um die Kurve jagen wollen, sondern denen auch ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit der Umstehenden zuteilwerden soll, wenn sie mit ihrem Feuerstuhl vorfahren. Und die ist einem gewiss, denn die Italiener verstehen sich auf schickes Design. Da ist der schwungvoll geformte Tank, der sich für einen engen Knieschluss zur aufsteigenden Sitzbank hin verjüngt. Darunter, als eine Art Markenzeichen, stützt der rot lackierte Rohrrahmen mit feinen Schweißnähten. Ein Stück weiter hinten sorgt ein gelbes Federbein von Sachs mit 150 Millimeter Federweg, dessen Zugstufe manuell justiert werden kann, für Aufmerksamkeit. Hinzu kommen auf Wunsch rote Felgen, was der visuellen Begehrlichkeit noch einen drauf setzt.

Launige Kurvenläuferin

Nun ist die äußere Erscheinung das Eine, die Fahrbarkeit das Andere. Für die sorgt ein Zweizylinder, dessen Töpfe in L-Form angeordnet sind. Aus 803 Kubikzentimetern Hubraum werden hier laut Datenblatt ab 8250 Kurbelwellenumdrehungen 75 Pferde freigelassen. Erstaunlich nur, dass beim vehementen Dreh am Gasgriff bei fast exakt 8000 Umdrehungen der Begrenzer den schwungvollen Vortrieb stoppt und den nächst höheren Gang verlangt. Als großer Dreher zeigt sich der Zweizylinder hier nicht. Dem beherzten Antritt tut das keinen Abbruch, denn das maximale Drehmoment wird bereits ab 5750 Umdrehungen bereitgestellt und so gelingt der Sprint auf Landstraßentempo unter vier Sekunden. Dabei lassen sich die Gänge ohne Widerstand nach oben kicken und der L-Twin singt aus dem Stummel-Auspuff ein emotionales Lied, das verglichen mit den Mitbewerbern in diesem Segment ein bis zwei Tonlagen tiefer gestimmt ist.

Das Lied, dass die Ducati Monster 797 aus dem kurzen Endtopf singt kann sich hören lassen.
Das Lied, dass die Ducati Monster 797 aus dem kurzen Endtopf singt kann sich hören lassen.(Foto: Holger Preiss)

Das ist launig und macht Spaß. Ebenso wie die flotte Kurvenfahrt. Das Monster gibt sich hier willig, lässt sich schön in Richtung Asphalt legen und benötigt nur bei hohen Geschwindigkeiten etwas Nachdruck. Gerade bei der Kurvenhatz zeigt sich auch der Pirelli Diablo Rosso II mit seinen guten Trockeneigenschaften als echter Freund. Ist er erstmal auf Temperatur lässt er das Monster förmlich am Asphalt kleben. Aber Achtung. Ducati hat - jedenfalls beim Test-Bike - die Brembo-Monoblock-Zangen, die in zwei 320er Scheiben am Vorderrad beißen, so spitz eingestellt, dass es hier nur ein Stopp und Hopp gibt. Ein Anbremsen oder leichtes Schleifen: unmöglich. Kein schönes Gefühl, zumal die Hinterradbremse mit ihren Zangen nur auf Nachdruck in die 280er Scheiben hackt. Gott sei Dank wird das alles von einem Bosch-ABS überwacht.

Anders als andere Naked-Bikes überrascht die 797 ihren Fahrer mit einer enormen Stabilität bei hohem Tempo. Verantwortlich hierfür ist neben dem Fahrwerkslayout vor allem die gelungene Grundabstimmung der Federelemente. Selbst bei 180 km/h fliegt die fahrbereit 193 Kilogramm wiegende Italienerin ohne Zittern an der Vorderhand in der ihr vorgegebenen Spur. Ein Umstand, der auch der 43er-Kayaba-Upside-down-Gabel mit 130 Millimetern Federweg geschuldet ist. Sie räumt so manche Querfuge aus dem Weg und behält dabei immer die Ruhe. Dem Fahrer hilft bei hohem Tempo das kleine Windschild nicht wie ein Segel im Sturm zu stehen. Bei leichter Vorlage ziehen die Böen fast gänzlich über ihn hinweg.

Bitte keinen Stadtverkehr

Die Zugstufe des Sachs Federbeins der Ducati Monster 797 lässt sich manuell verstellen.
Die Zugstufe des Sachs Federbeins der Ducati Monster 797 lässt sich manuell verstellen.(Foto: Holger Preiss)

All das Gesagte scheint die Monster zu einem erstklassigen Einsteiger-Bike zu machen. Oder doch nicht? Nun, wer seine 797 in der Freizeit vorrangig über kurvenreiche Landstraßen führen will, der macht hier nichts verkehrt und hat die knapp 9000 Euro sinnvoll angelegt. Wer mit dem Gedanken spielt, seine Italienerin auch in der Stadt auszuführen, der muss mit einigen Eigenwilligkeiten leben. Der bevorzugte Drehzahlbereich des Zweizylinders liegt zwischen 3000 und 6500 Umdrehungen. In diesem Bereich läuft er seidig und lässt sich durch leichte Bewegungen am Gasgriff und samtige Gangwechsel dirigieren.

Fallen die Touren unter die 3000 wird es hingegen ruckelig. Der V2 fängt an zu stottern und lässt sich gerade im Stadtverkehr nur noch mit schleifender Kupplung, sanften Gasbewegungen und einem ständigen Wechsel zwischen dem ersten und zweiten Gang dirigieren. Natürlich kann man diese Fahrweise erlernen und bestimmt auch kultivieren, aber wer auf diese Art zwei Stunden durch die Stadt gurkt ist genervt. Hinzu kommt ein erheblich höherer Verbrauch. Werden bei flotter Fahrt über Land 5,2 Liter benötigt, genehmigt sich das Monster in der Stadt gute 7,0 Liter aus dem 16,5 Liter fassenden Tank.

Etwas wenig im Display

Zu wenig Informationen liefert das Display der Ducati Monster 797.
Zu wenig Informationen liefert das Display der Ducati Monster 797.(Foto: Holger Preiss)

Hinzu kommt, dass die Monster 797 in ihrem LCD-Display auf eine Ganganzeige verzichtet. Das digitale Kombiinstrument bietet lediglich Drehzahlen, Geschwindigkeit, Tageskilometer und Durchschnittsgeschwindigkeit. Selbst eine Tankanzeige gönnt Ducati der Monster nicht. Das ist, im Vergleich mit der nicht geringen Konkurrenz, definitiv zu wenig. Aber gerade die nicht vorhandene Ganganzeige ärgert mit Blick auf die Schaltanforderungen im Stadtverkehr.

Hier wäre es das ein ums andere Mal hilfreich, wenn die aktuelle Schaltstufe im Blick des Fahrers wäre. Zu den ebenfalls nicht vorhandenen Ausstattungsfeatures gehört eine Traktionskontrolle, die bei Mittelklasse- und Einstiegsbikes immer mehr Verbreitung findet. Und noch etwas macht den Lauf durch die Stadt und die langsame Fahrt um enge Kurven problematisch: der enge Lenkeinschlag. Der schicke Gitterrohrrahmen macht es unmöglich einen engen Bogen zu ziehen. Hier verhält sich die Monster 797 ähnlich wie ein Superbike, obgleich der Lenker doch recht hoch baut.

Die Abdeckung, um Platz für den Sozius zu schaffen lässt sich nur mit einem Inbusschlüssel lösen. Wobei man Obacht geben muss, dass die Plastnasen nicht abbrechen.
Die Abdeckung, um Platz für den Sozius zu schaffen lässt sich nur mit einem Inbusschlüssel lösen. Wobei man Obacht geben muss, dass die Plastnasen nicht abbrechen.(Foto: Holger Preiss)

Das wiederum garantiert dem Fahrer eine sehr entspannte Sitzposition auf der 805 Zentimeter hohen Sitzbank. Allerdings wurde die auf längeren Fahrten tatsächlich etwas unbequem. Das eigentlich angenehm weich gehaltene Sitzpolster fing an, direkt in die rückwärtigen Dienste zu drücken. Eine Tatsache, die zu einer gewissen Unruhe auf der Langstrecke und einigen Standfahrten zur Entlastung führte.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem Bike ist, das nicht nur saubere Linien durch die Kurven zieht, sondern auch die Blicke auf sich zieht, der ist bei der Ducati Monster 797 richtig. Allerdings muss er sich mit kleinen Zickigkeiten, wie dem untertourigen Hoppellauf arrangieren. Auch bei Features bei der Anzeige im LCD-Display müssen Abstriche gemacht werden. Angesichts der hochwertigen Komponenten die in der Monster ansonsten verbaut sind, geht der Preis von 8990 Euro aber auch irgendwie in Ordnung.

DATENBLATTDucati Monster 797+
Radstand1,44 m
Sitzhöhe805 mm
Trockengewicht (DIN)175 kg
Gewicht fahrbereit193 kg
Räder und Bereifung10-Speichen-Aluminiumräder mit Pirelli Diablo Rosso II Reifen in 120/70 ZR17 vorne und
180/55 ZR17 hinten
Federweg Vorn/hinten130 / 150 mm
Lenkkopfwinkel66°
Nachlauf90 mm
MotorLuftgekühlter Zweizylinder- Viertakter-Reihenmotor in V-Anornung 90 Grad mit 803 Kubikzentimeter Hubraum
Getriebe6-Gang manuell
KupplungMechanisch betätigte Mehrscheiben-Kupplung im Ölbad (APTC-System)
Systemleistung55 kW / 75 PS bei 8250 U/min
KraftstoffartBenzin
Tankvolumen16,5 Liter
max. Drehmoment69 Nm / bei 5750 U/min
Testverbrauch5,9 Liter
AbgasreinigungEU4
Grundpreis  8.990,00 Euro
Preis des Testmotorrads10.138,40 Euro

Quelle: n-tv.de