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Optisch findet die neue C-Klasse auch mit aufgesetztem Stern mehr Anklang als seine Vorgänger.
Optisch findet die neue C-Klasse auch mit aufgesetztem Stern mehr Anklang als seine Vorgänger.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 09. September 2014

C 250 Bluetec im Praxistest: Mercedes macht das C zum S

Von Holger Preiss

Wer früher einen Mercedes fuhr, der galt als spießig. Mit der neuen Designlinie hat sich der Blick auf die Stuttgarter gewandelt. Doch auch technisch geht Mercedes neue Wege. Eigentlich gibt es nichts zu meckern - bis auf eine Kleinigkeit.

Das neue Mercedes-Design begeistert. Jedenfalls ist das die Erfahrung aus dem vierzehntägigen Praxistest. Nicht, dass die Leute sich an der Kreuzung pausenlos umdrehen und auf die C 250 Bluetec Limousine zeigen, aber die, die sich näher an das Fahrzeug heranwagen, beteuern, dass die Stuttgarter viel für die Optik getan hätten. Da wird die Lichtgrafik gelobt, weil sich das LED-Tagfahrlicht wie eine Augenbraue über die Scheinwerfer schwingt. Der coupéhafte Zug in der Seitenansicht  findet Gefallen, weil er die C-Klasse in Limousinenform vom kantigen Heck befreit, ohne die Fahrgäste  in der zweiten Reihe beim Einstieg zur tiefen Verneigung zu zwingen. Außen sorgen beim Blick auf das Hinterteil die in die Stoßfänger gefrästen und mit Chromspangen gerahmten Endrohrauslässe für ein gehöriges Maß an Lob sportlicher Optik.

In der Summe richtig sportlich

Vor allem am Heck macht der C 250 Bluetec eine sportliche Figur.
Vor allem am Heck macht der C 250 Bluetec eine sportliche Figur.(Foto: Holger Preiss)

Sportlich geht es jetzt auch beim Motormanagement zu. Wie die heimische Konkurrenz in diesem Segment offeriert die neue C-Klasse jetzt auch einen Fahrmodischalter, der sich als verchromter Kippregler fantastisch in die Mittelkonsole einpasst und den Fahrer je nach Fahrsituation veranlasst, lässig mit Daumen oder Zeigefinger zwischen den Fahrprogrammen Eco, Comfort, Sport oder Sport+ zu switchen. Wie der Wagen im jeweiligen Modus reagiert, hängt natürlich davon ab, welches Triebwerk unter der Haube arbeitet und welche zusätzlichen Beigaben man dem Benz noch verabreicht hat.

Im Falle des Testwagens pumpt ein 2,0-Liter Vierzylinder-Twinturbodiesel mit 204 PS unter der langgestreckten Front, der bei Wunsch über die inzwischen wesentlich kürzer schaltende 7-Gang-Wandlerautomatik knackige 500 Newtonmeter  auf die Hinterachse schmettert. Allein dieser Umstand reizt, den Fahrbetrieb eher im roten denn im grünen Bereich zu absolvieren. Denn genau zwischen diesen Farben präsentiert sich der Wechsel der Fahrstufen in dem 8 Zoll großen Bildschirm, der fast frei vor der Mittelkonsole zu schweben scheint. Im Übrigen schieden sich in der A-Klasse genau daran die Geister. In der C-Klasse attestieren selbst die Kritiker dieser Designlösung Charme und Pfiff. Zumal die als wuchtige Jetdüsen getarnten Luftauslässe die Multimediaeinheit aufzufangen scheinen.

Überhaupt fühlt sich der Fahrer an seinem Arbeitsplatz extrem wohl. Die Sitze sind straff und bieten dank der engen Seitenwangen einen ausgezeichneten Kurvenhalt. Das ausgeformte Ledervolant ist griffig, die Tasten in der Mittelspeiche bieten angenehme Druckpunkte und sind ergonomisch gut zu erreichen. Der Blick auf die Rundinstrumente ist bekannt, erfreut aber immer wieder durch die Klarheit und die gute Lesbarkeit. Ebenfalls sehr komfortabel und angenehm ist die Kombination aus Touchpad und Druck-Dreh-Steller zur Bedienung der Multimediaeinheit.

Luftgefedert über die Piste

Es sind die Details, die das C zum S werden lassen.
Es sind die Details, die das C zum S werden lassen.(Foto: Holger Preiss)

Doch zurück zum Fahrspaß. Wer den nicht nur über die Kraft der Maschine erleben möchte, sondern gleichsam über den Asphalt schweben will, der tut gut daran, auf die 44.030 Euro, die der Einstieg in den C 250 Bluetec kostet, noch einmal 1416 Euro für die Luftfederung draufzulegen. Mercedes nennt das System Airmatic und hat es für die C-Klasse aus der neuen S-Klasse adaptiert. Im Gegensatz zur konventionellen Stahlfederung bietet die Luftfederung einen weitaus besseren Abrollkomfort. Da die Elektronik die Dämpfkraft automatisch regelt und an jedem Rad den momentanen Straßengegebenheiten anpasst, haben die Insassen hier tatsächlich das Gefühl, bei unterschiedlichsten Straßenbelägen immer mit dem optimalen Komfort unterwegs zu sein. Klar ist der Unterschied zwischen Kopfsteinpflaster und Asphalt noch spürbar, aber auf einem völlig anderen Niveau, als es bei konventioneller Federung der Fall ist.

Deutlicher spürbar waren die Straßenbegebenheiten für die Insassen durch das Schwirren und Knarzen der Armatur beim Lauf über die Buckelpiste. Eine völlig unerwartete Geräuschkulisse, die so auch nicht in einen Benz gehört, betrachtet man die mit feinem Leder überzogenen und edlen Steppnähten versehenen Armaturen. Dabei glänzt der Stuttgarter sonst durch eine ausgezeichnete Geräuschdämmung. Weder das nach außen knurrende Triebwerk noch Roll- oder Windgeräusche finden Eingang in den Innenraum. Selbst die sonst deutlichen Geräusche der Düsen und Bürsten in der Waschanlage können Gespräche der Insassen verhindern. Das kann natürlich auch daran liegen, dass der Testwagen mit Wärme- und geräuschdämmendem Akustikglas für zusätzliche 238 Euro bewehrt war. Eine lohnenswerte Investition.

Auch in der Seitenlinie macht der C 250 Bluetec eine richtig gute Figur.
Auch in der Seitenlinie macht der C 250 Bluetec eine richtig gute Figur.(Foto: Holger Preiss)

Doch kommen wir noch einmal zurück zum Fahrspaß: Der wird nämlich im Zusammenspiel von Motor, Fahrwerk und den Fahrprogrammen erst richtig spürbar. Wer den Sportmodus wählt und den Gasfuß sanft Richtung Boden bewegt, der wird mit spitzer Gaskennlinie und der flott schaltenden 7-Gang-Automatik in 6,6 Sekunden über die 100 km/h-Marke sausen und sich weiter flott bis auf Tempo 247 vorarbeiten. Die Lenkung strafft sich in diesem Modus etwas, ohne die spitzen Züge bayrischer Volants anzunehmen. Im Zusammenspiel aller Komponenten können auch enge Kehren sehr flott gefahren werden. Wobei der Benz einem nie das Gefühl vermittelt, das Heck könne schneller um die Kurve kommen als der Bug. Der C 250 Bluetec liegt mit der Luftfederung auch in Extremsituationen ausgesprochen satt auf der Straße. Hinzu kommt, dass der Mittelklasse-Mercedes sich über die Testzeit mit 6,6 Liter Diesel im Schnitt begnügte. Ein Wert, der sich auf der Langstrecke deutlich in Richtung 5 bewegen dürfte.

S-Klasse-Feeling hat ihren Preis

Natürlich lässt sich eine C-Klasse auch anders fahren. Im Comfort-Modus ist der Vergleich mit der kleinen S-Klasse gar nicht mehr weit hergeholt. Wer sich jetzt noch für die Fahrassistenzsysteme entscheidet, der kann für 928 Euro, so teuer ist das Spur-Paket, fast ohne eigenes Zutun dahingleiten. Das Abstandsradar sorgt für eine gleichbleibende Entfernung zum Vordermann, der Spurhalteassistent verhindert, dass der Wagen vom Weg abkommt und der Bremsassistent bringt den Benz in brenzligen Situationen sogar zum Stillstand. Eine Kombination von elektronischen Helferlein, die gerade im Stau für ein gewisses Maß an Entspannung sorgen und vor allem Kinder beeindrucken.

Standesgemäß geht es auch im Fond der C-Klasse zu.
Standesgemäß geht es auch im Fond der C-Klasse zu.(Foto: Holger Preiss)

Noch mehr aber als die fahrerlose Kurvenfahrt beeindruckt die kleinen Geister aber der Umstand, dass auf dem Multimediadisplay mit einer Bilddiagonalen von 20,3 Zentimetern auch ferngesehen werden kann. Allerdings kostet der TV-Tuner stattliche 1178 Euro. Eine fragwürdige Investition, zumal die auch nur im Stand funktioniert. Empfehlenswerter zur Verbreitung von Kurzweil ist da schon das Panorama-Schiebedach für 2016 Euro. Das gibt den Blick auf die Wolken frei und sorgt für frische Luft und Cabriogefühle.

Für gute Luft sorgt auch das Air-Balance-Paket. Was nichts anderes ist als die ebenfalls aus der neuen S-Klasse bekannte Beduftung mit Mercedes' eigenem Parfüm über die Lüftungsanlage. Darüber hinaus kann die Luftqualität durch Ionisierung sowie eine optimierte Filterung der Außen- und Innenluft verbessert werden. Das Ganze kostet 399 Euro und ist vor allem für Allergiker eine Option.

Interessant für das Wohlergehen des Fahrzeuges ist das Park-Paket. Mithilfe von Ultraschallsensoren werden Quer- oder Längsparklücken ausgemessen und lediglich durch Betätigen des Gaspedals schiebt die Elektronik den 4,69 Meter langen Benz souverän in die Lücke.  Für diesen Service erwartet Mercedes 1606 Euro.

Natürlich kann die C-Klasse durch die schier endlose Optionsliste weiter aufgewertet werden. Da wären die elektrisch verstellbaren Sitze mit Memory-Funktion für 952 Euro, der schlüssellose Zugang mit Start-Stopp-Knopf für 1071 Euro oder die Lederpolster für 1952 Euro. Am meisten muss bezahlen, wer sich das Command Online ins Auto holt. Also den Internetzugang mit Mercedes' eigenen Apps und dem Live Traffic Information System, das Staus bald in das Reich der Legenden verbannen könnte. Kostenpunkt dafür: 3510 Euro. So sind aus den anfänglichen 44.000 Euro knapp 70.000 Euro geworden. Eine Summe, die bei einem Mittelklassewagen durchaus nochmal zum Nachdenken anregt.

Weniger Gedanken muss man sich um den Zeitwert des C 250 Bluetec machen. Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Bähr & Fess Forecasts zufolge hat der Wagen nach vier Jahren immer noch 52,5 Prozent seines Neuwertes. Das heißt, gemessen am Einstiegspreis von circa 46.291 Euro bleibt ein Restwert von 24.303 Euro. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die C-Klasse nach Ansicht der Forscher im Augenblick "eines der technologisch fortgeschrittenen Modelle" auf dem Markt ist.

Fazit: Die neue C-Klasse hat inzwischen nicht umsonst den Ruf, die kleine S-Klasse zu sein. Die Liste der Zusatz-Features ist lang und kann dieses Auto wirklich in die lichten Höhen seines großen Bruders bringen. Das hat dann aber auch seinen Preis. Wer sich bei den Zugaben etwas bescheidet, hat mit einem C 250 Bluetec aber ein Auto, das optisch und technisch auf der Höhe der Zeit ist und auch in Zukunft seinen Preis haben wird.

DATENBLATTMercedes C 250 BlueTec
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,69 / 1,81 / 1,44 m
Leergewicht (DIN)1595 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen480 Liter
MotorReihen-Vierzylinder Diesel mit Turboaufladung, 2143 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Automatikgetriebe
Systemleistung150 kW/204 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit247 km/h
max. Drehmoment500 Nm bei 1600 - 1800 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h6,6 s
Normverbrauch kombiniert (Stadt, Land, kombiniert) je 100 km5,5 / 3,9 / 4,5 l
Testverbrauch6,6 l
Tankinhalt66 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
117 g/km
EmissionsklasseEU 6
Grundpreis44.030 Euro
Preis des Testwagens70.668 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de