Praxistest

Dämon fürs Grobe Skoda Yeti bleibt kantiger Kumpel

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Der Skoda Yeti ist als 4x4 auch für das grobe Geläuf geeignet.

(Foto: Holger Preiss)

Der Yeti hat nach dem Facelift etwas von seiner Knuffigkeit verloren. Mit scharfen Augen blickt er jetzt in die Welt. An seinem Charakter als guter Kumpel hat das aber nichts geändert. Insofern sollte auch der Testwagen eine gute Figur machen. Oder doch nicht?

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Den Unterfahrschutz gibt's in der Offroad-Variante des Yeti für 200 Euro, die Auspuffverblendung muss mit 70 Euro extra bezahlt werden.

(Foto: Holger Preiss)

Die Entdeckung des neuen Skoda Yeti ist nicht so spektakulär wie die des gleichnamigen Himalaya-Schneemenschen. Der Kangchenzönga-Dämon ist geheimnisumwittert und wird in der Regel nur von halluzinierenden Bergsteigern und Mönchen gesichtet. Skodas Offroader präsentiert sich ohne Mystik. Auch nach dem Facelift haben die Tschechen auf Spielereien in der Optik verzichtet. In der Front ist sogar der letzte knuffige Zug à la Monster AG verschwunden. Die als Kulleraugen getarnten Nebelscheinwerfer wichen optisch klaren und kantigen Glasscheiben und wanderten in das untere Ende der Stoßfänger. Auch die Scheinwerfer sind von ihren Rundungen befreit und spießen sich jetzt scharf zwischen Kotflügel und Kühlergrill. Das sieht erwachsen aus und fügt sich konsequent in die neue Designsprache von Skoda ein.

Schicke Offroad-Optik

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Die mattschwarzen Felgen mit dem Namen Matterhorn gibt es für 65 Euro Aufpreis.

(Foto: Holger Preiss)

Gepaart mit den Insignien des Offroaders wird der Schneemensch aus Mladá Boleslav tatsächlich zu einem Waldläufer. In der Ausstattungslinie Outdoor gibt es nämlich Unterfahrschutz vorn und hinten und Beplankungen an den Schwellern. Das dient nicht nur einer robusten Optik, sondern schützt auch vor Steinschlägen und kleineren Parkrämplern. Ansonsten ist es reine Geschmackssache, ob der Yeti im Ausgehanzug oder in der Bergsteigermontur geordert wird, denn sämtliche Motoren, Allradantrieb und die für Kraxelfreunde wichtige Bergan- und Bergabfahrhilfe sind für alle Modellvarianten verfügbar.

Für den Test fiel die Wahl auf die 200 Euro teureren Outdoor. Der sieht uriger aus und passt irgendwie besser zu den kantigen Formen, zu denen sich in diesem Segment nur noch wenige Hersteller bekennen. Optisch aufgewertet wird der Testwagen durch eine Zweifarblackierung in Lava-Blau-Metallic und Brillant-Silber für zusätzlich 830 Euro und 17-Zoll-Felgen in Mattschwarz, die wirklich ausgesprochen schick aussehen und den Namen Matterhorn tragen. Lediglich 65 Euro zusätzlich verlangen die Tschechen dafür. Das alles gibt dem Yeti in der Summe etwas von Abenteuer und verpasst ihm im Straßenbild einen Hauch von Individualität.

Kleiner Diesel für alle Belange

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Der 2-Liter-Diesel mit 110 PS erweist sich als sparsamer Altagsgenosse.

(Foto: Holger Preiss)

Befeuert wird der Tscheche vom nicht neuen Zwei-Liter-Diesel mit 110 PS aus dem VW-Regal. Der verrichtet seine Arbeit souverän und unauffällig. Gekoppelt an ein Sechsgangschaltgetriebe und den permanenten Allradantrieb erstürmt der Yeti jede Steigung souverän. Allerdings mag das Triebwerk es gar nicht, wenn man versucht, den Yeti  in den oberen Gängen schaltfaul aus dem Drehzahlkeller zu ziehen. Dann wirkt der Diesel  etwas gequält und ruckelig. Vielmehr muss fleißig geschaltet werden, damit der Skoda ordentlich nach vorne drängt.

Das Rühren am Handschalter macht sich letztlich auch beim Spritverbrauch bezahlt. Mit durchschnittlich 6,7 Litern Diesel bricht der Tscheche hier keine Rekorde, liegt aber bei einer Herstellerangabe von 5,9 Litern im Drittelmix absolut im Limit. Schade ist, dass man dem 110-PS-Diesel nicht noch eine Start-Stopp-Automatik spendiert hat. Gerade im Stadtverkehr wäre hier noch Sparpotenzial gewesen.

Dafür sorgt der permanente Allradantrieb beim Test-Yeti nicht nur für eine passable Geländetauglichkeit, sondern erfreut auch beim Kurvenlauf. Den 4x4 beim Ritt ums Eck aus der Ruhe zu bringen ist denkbar schwierig. Selbst wer richtig in die Kehre feuert, wird bei einem derart ausgestatteten Schneemenschen kaum Probleme bekommen. Ohne spürbare Seitenneigung zieht er mit Hilfe der elektronisch gesteuerten Haldex-Kupplung, die bis zu 90 Prozent der Last an die Hinterräder verteilen kann, seine Bahn. Entsprechend seiner möglichen Offroad-Bestimmung ist der Yeti natürlich etwas härter abgestimmt. Wer also auch dank der 18 Zentimeter mehr Bodenfreiheit über unwegsames Geläuf rollt, muss schon damit rechnen, dass es ein wenig rumpelt. Wenn der Pilot es wirklich wissen will, drückt er einfach die Off-Road-Taste an der Schalttafel. Augenblicklich wechseln ABS, ASR, EDS und ESC in den Geländemodus. Jetzt reagiert das Gaspedal feinnerviger, um ein gefühlvolles Anfahren auf lockerem Terrain zu ermöglichen. Wirklich ungemütlich wird es auch bei grobem Untergrund keinen Moment im Yeti. Unangenehm war nur das Schwingen von Verkleidungsteilen, das aus dem hinteren Teil des Fahrzeuges kam, wenn es über Kopfsteinpflaster ging.

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Das Platzangebot in der zweiten Reihe ist ordentlich. Für die Tische an den Vordersitzen zahlt man 40 Euro extra.

(Foto: Holger Preiss)

Nun fährt man aber selbst mit einem Yeti 4x4 mehr auf asphaltierten Straßen. Tempo 100 ist dort in 12,2 Sekunden erreicht. Auch an der Höchstgeschwindigkeit von 174 km/h gibt es nichts auszusetzen. Allerdings wird die wohl mit dem 1,5 Tonnen schweren Offroader selten gefahren, denn die Windgeräusche nehmen ab 140 km/h hörbar zu und der Sprint wirkt ab Tempo 150 etwas gequält. Aber wer einen Sportwagen möchte, der wird ohnehin nicht auf den Yeti schielen. So gesehen sind die Werte stimmig. Allerdings sollte, wer den 110 PS starken Diesel in Betracht zieht, daran denken, dass hier nur die Euro-5-Norm erfüllt wird. Das schadet dem Motor nicht, ist aber mit Blick auf die ab Ende September geltende Euro-6-Norm und den Wiederverkauf des Wagens abzuwägen.

Knapp bemessenes Gepäckabteil

Abzuwägen ist auch, wofür man den kantigen Kumpel nutzen möchte. Zwar macht er durch seine vielen kleinen Features wie, Ablagefach in der Armatur, Brillenfach im Dachhimmel, Einschüben für Wasserflaschen in den Seitentaschen,  Tische an den Rückenlehnen der Vordersitze (die allerdings mit 40 Euro extra bezahlt werden müssen), die in Länge und Neigungswinkel verstellbaren Einzelsitze der Rückbank und eine Mittelkonsole mit zwei Becherhaltern die Reise auch mit Kindern angenehm. Bei voller Besetzung hapert es im nicht allzu tiefen Gepäckabteil aber an Stauraum. Lediglich 405 Liter stehen ohne Reserverad und im Normalfall zur Verfügung.

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Platz für längere Familienreisen bietet der Kofferraum des Yeti mit 405 Litern nicht.

(Foto: Holger Preiss)

Bringt man die Rückenlehnen in Bauchlage, sind es immerhin 1580 Liter. Längere Reiseerlebnisse zu viert müssen aber logistisch gut überdacht werden, zumal sich auch die Simply-Clever-Netzsysteme im Gepäckabteil hier als nicht so zweckmäßig erweisen. Die Bespannung rundherum verhindert, dass größeres Gepäck sinnvoll in die Ecken geschoben werden kann. Nach wie vor eine super Idee ist die Wendematte. Oben Filz, unten gummiert: Das ergibt Sinn.

Was allerdings wirklich ärgert, ist der Umstand, dass für 1690 Euro ein Navi mit Radio, CD mit MP3-Funktion und SD-Kartenslot in der Preisliste steht. Ja, damit kann man sogar DVDs gucken und einen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker in der Mittelkonsole versenken. Aber genau das ist das Ausschlusskriterium für einen USB-Anschluss. Will man den haben, um zum Beispiel das Smartphone aufzuladen, dann werden weitere 160 Euro fällig. Auch die Bluetooth-Kopplung stellte sich unpraktisch dar. Statt über den Touchscreen des 5,0 Zoll großen Bildschirm des Multimediasystems muss über die Lenkradtasten und den Bordcomputer zwischen Tacho und Drehzahlmesser navigiert werden. Ist der Kontakt erst einmal hergestellt, gibt es nichts mehr zu meckern. Die Musik vom Smartphone dröhnt klangvoll aus den acht Canton-Boxen und die Freisprechanlage sorgt für ordentliche Telefonqualität.

Weniger ist auch beim Yeti mehr

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Der Arbeitsplatz des Fahrers ist aufgeräumt, wirkt aber im Testwagen wegen der Farbwechsel und Intarsien überladen.

(Foto: Holger Preiss)

Über das Interieur des Yeti in der Ausstattungslinie Elegance mag man sich trefflich streiten. Der Testwagen überraschte nämlich nicht nur mit zwei Außenfarben, sondern auch mit drei unterschiedlichen Farbtönen im Innenraum. Für 1750 Euro zusätzlich waren hier die Sitze mit cremefarbenen Alkantara bespannt. Das wiederum führte dazu, dass auch die Armatur in zwei Farben, einem dunklen Grau und Creme, abgesetzt war. Um einen weiteren Kontrast hinzuzufügen, wurde eine breite Holzintarsie, die im Übrigen 50 Euro extra kostet, in die Armatur geflanscht. Das alles spielt nun gegen das helle Grau von Himmel und Säulen an. Insgesamt soll die Kombination hochwertig und wohnlich wirken, macht aber eher einen bemühten und letztlich überladenen Eindruck. Hier kann der potenzielle Yeti-Käufer ordentlich Geld sparen. Denn der Tand kostet in Kombination satte 1800 Euro Aufpreis und passt irgendwie so gar nicht zu dem schlichten Geländegänger, der es wie hier beschrieben auf einen Preis von 34.025 Euro bringt. Ein Preis, der eigentlich nicht mehr dem Geschmack der Skoda-Käufer entsprechen dürfte. Nützlich und in dieser Preisorgie geradezu preiswert ist hier ein Parkassistent mit Parksensoren für 590 Euro. Der kurbelt den 4,22 Meter langen Yeti ohne Zutun des Fahrers in enge Parkbuchten längs zur Fahrbahn.

Fazit: Der Yeti, ist und bleibt das, was er war: ein guter Kumpel, der mit entsprechendem Antrieb auch ins Gelände geführt werden kann. Einschränkungen müssen Ladefetischisten beim Schneemenschen bei voller Besetzung in Kauf nehmen. Beim Fahrkomfort bleibt zu bedenken, dass der 4x4 etwas härter daherkommt als der Fronttriebler. Dafür läuft er aber wie auf Schienen. Sonst gibt sich der Yeti in allen Belangen alltagstauglich.

DATENBLATTSkoda Yeti 2.0 TDI 4x4
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,22 / 1,79 / 1,69m
Leergewicht (DIN)1525 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen405 / 1580 Liter
MotorReihen-Vierzylinder Diesel mit Turboaufladung, 1968 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltung
Leistung103 kW/110 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit174 km/h
max. Drehmoment250 Nm 1750 - 2500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h12,2 s
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)7,5 / 5,0 / 5,9 l
Testverbrauch6,7 l
Tankinhalt60 Liter
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
152 g/km
EmissionsklasseEU 5
Grundpreis28.490 Euro
Preis des Testwagens34.025 Euro

Quelle: ntv.de