Praxistest

Premium-SUV zum Volkspreis? VW Touareg - Diesel-Trumm im Praxistest

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Auch beim Touareg setzt VW klar auf Kante. Und das sieht gut aus.

(Foto: Holger Preiss)

Ja, der VW Touareg gehört in seiner Klasse wohl zu den gelungensten SUV. Allerdings hat er so auch nichts mehr mit dem Markennamen zu tun. Denn fürs Volk ist das Trumm nichts mehr. Aber wer ihn sich leisten kann, der hat ein ganz besonderes Auto gekauft.

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Die sportliche Attitüde am Heck des VW Touareg ist kein Widerspruch zum Triebwerk.

(Foto: Holger Preiss)

Gemessen an der Neuausrichtung des Volkswagen-Konzerns hin zu einer rein elektrisch angetriebenen Flotte wirkt der Touareg mit seinem V6 Diesel wie der pure Anachronismus. Aus 3,0 Litern Hubraum schöpft das knapp fünf Meter lange Wolfsburger SUV wahlweise 231 oder 286 PS. Und weil der Autor dieser Zeilen scheinbar konsequent von gestern ist, bestellte er zum Praxistest bei n-tv.de natürlich die stärkere Variante. Damit ist er aber immer noch Lichtjahre von dem derzeit amtierenden König in den Reihen der Touareg, dem V8 Diesel mit 421 PS und knackigen 900 Newtonmetern Drehmoment, entfernt.

Ein Traum von Raum

Eingedenk dieser Daten fällt der V6 TDI mit seinen 286 PS und dem hier anliegenden maximalen Drehmoment von 600 Newtonmetern geradezu bescheiden aus. Dieser Bescheidenheit folgend fällt es dann auch gar nicht so schwer, sich in dem üppig dimensionierten Wolfsburger Trumm wohl zu fühlen. Einmal mehr, weil es VW immer wieder gelingt, einen Innenraum zu schaffen, der keine Wünsche übrig lässt. Allein das "Innovision Cockpit", in dem das 12-Zoll-Display der digitalen Instrumente und der dem Fahrer zugeneigte 15-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole zu einer digitalen Einheit verschmelzen. Na gut, den großen TFT gibt es nur mit dem Infotainmentsystem "Discover Premium" und das bedarf eines Häkchens in der Optionsliste. Aber das lohnt sich.

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Wer im VW Touareg derart digitalisiert durch die Welt fahren will, der muss draufzahlen.

(Foto: Holger Preiss)

Die Einheit ist nämlich die Zentrale zur Steuerung der Assistenzsysteme, der Fahrdynamik- und Komfortsystem, der Entertainment-Einheit oder des Navis. Dass das alles den Vorstellungen des Fahrers und seiner Gäste angepasst werden kann, muss hier eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden. Wie tief man dabei in die digitalen Möglichkeiten eintaucht und wie sehr man sich der vielfältigen Gestaltung seiner Bildschirmwelt hingibt, hängt am Ende von den eigenen Wünschen und Vorlieben ab. Die Vielfalt ist jedenfalls gegeben, bedarf aber auch einer gewissen Affinität für die Sache. Aber selbst wenn man sich mit der von VW vorgegebenen Belegung bescheiden sollte, wird man nichts vermissen und hat vielleicht sogar die logischste Struktur gewählt.

Versunken in diese digitale Welt, ist bereits an diese Stelle klar, dass auf den super bequemen, mannigfach elektrisch verstellbaren Lederpolstern mit einer fest zugreifenden Massage-Funktion problemlos Hunderte Kilometer abgespult werden können. Dafür spricht auch das Platzangebot insgesamt, das nicht nur für Fahrer mit dem Gardemaß von 2 Metern ausreichend Raum bietet, sondern auch für große Personen, die es in den Fond verschlagen hat. Hinzu kommt ein Gepäckabteil mit einem Fassungsvermögen von 810 Litern und ein Tank, in dem 90 Liter Diesel gebunkert werden können.

Böser Diesel?

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Unter der Abdeckung arbeitet der 3.0-V6-Diesel mit 286 PS.

(Foto: Holger Preiss)

Und wer an dieser Stelle Kritik am Selbstzünder üben will, der sollte bedenken, dass zum Beispiel der Abbau des für die Akkumulatoren notwendigen Lithiums in den Salzseen in Südamerika den einheimischen Bauern die Lebensgrundlage raubt. Zudem werden durch die notwendigen chemischen Prozesse Unmengen an Giften in die Umwelt gebracht und die Fördergebiete in absehbarer Zeit zur Wüste verkommen, in denen kein Leben mehr möglich ist. Das aber nur als Denkanstoß. Zurück zum Touareg mit V6 und seinen 286 Diesel-Pferden, die mit Euro 6d-Temp traben.

Der erfreut nämlich nicht nur mit seiner Laufruhe, sondern auch mit einem gemäßigten Verbrauch. Angegeben mit einem Durchschnittswert von 6,6 Litern beendete er den Test mit 7,8 Litern im Drittelmix. Klar, wer das zwei Tonnen schwere SUV des Öfteren im Sportmodus bewegt, die Masse in 6,1 Sekunden auf Landstraßentempo beschleunigt und am Ende unbedingt über 230 km/h schnell sein will, der kann sich auch in den zweistelligen Bereich fahren. Dank einer Reihe technischer Finessen kann der Touareg nämlich auch recht sportlich. Dafür sorgen zum Beispiel das Fahrwerk mit seinem aktiven Wankausgleich und die elektromechanischen Stabilisatoren. Dennoch animiert das Trumm eher zum entspannten Cruisen als zum pausenlosen Rasen.

Auch in Eile kein Übermut

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Der VW Touareg bietet Platz ohne Ende und ist ebenso bequem.

(Foto: Holger Preiss)

Doch wie so oft ist es nicht unwichtig, zu wissen, dass er es kann. Wer das Gaspedal nämlich spontan Richtung Bodenblech drückt, wird nach einem kurzen, aber tiefen Atemzug des Turbos kraftvoll, unter verzögerungsfreien Schaltvorgängen der über acht Stufen arbeitenden Wandlerautomatik, über alle vier Räder angeschoben. Für den Kraftfluss zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt ein selbstsperrendes Mittendifferenzial mit asymmetrisch-dynamischer Momentenverteilung. Dabei gelangen maximal 70 Prozent der Antriebskraft an die Vorderachse, bis zu 80 Prozent können an die Hinterachse gegeben werden, was dem Wolfsburger eine nie übertriebene Hecklastigkeit gibt. Wer jetzt doch mal flott ums Eck muss, wird nicht merken, dass die Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse mittels Elektromotor gegeneinander verdrehen. Er wird aber spüren, dass der Touareg keine Anstalten macht, sich übermütig in die Kurve zu lehnen. Gleiches passiert beim Überfahren von großen Bodenwellen, was wiederum eine angenehme Ruhe ins Fahrwerk bringt und den Touareg einmal mehr als entspannten Langläufer empfiehlt. Hinzu kommt seine Luftfederung, die dafür sorgt, dass die Insassen von Straßenunebenheiten unbehelligt bleiben.

Natürlich sorgt sie auch für einen entsprechenden Niveau-Ausgleich bei möglichen Geländefahrten. Um 25 Millimeter lässt sich der Touareg im leichten Geläuf anheben; wer mit dem Trumm ins Grobe fährt, der kann ein erhöhtes "Sondergeländeniveau" abrufen und das Fahrwerk um 70 Millimeter nach oben schrauben. Damit steigt die maximale Wat-Tiefe von 480 auf 550 Millimeter. Und was nach oben geht, geht selbstredend auch nach unten. Geregelt wird das alles über einen Dreh-Drücksteller in der Mittelkonsole. Ob das im Alltagsbetrieb aber jemals zum Einsatz kommt, darf bezweifelt werden. Im Test fanden sich jedenfalls keine Furten, die es zu durchlaufen gab und auch die felsigen Bergstraßen fehlte. Einzig märkische Waldwege mit ordentlich Wurzelwerk ließen erahnen, was der Touareg im harten Einsatz imstande ist zu leisten. Das zeigte er auch beim Beladen des Kofferraums. Um die 810 Liter Stauraum zu bestücken, kann das SUV um 40 Millimeter abgesenkt werden, was die Arbeit durchaus erleichtert.

Immer in Habachtstellung

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Auch in der Silhouette macht der VW Touareg eine gute Figur.

(Foto: Holger Preiss)

Und weil man so beladen nicht zwingend durchs Gelände pest, sei an dieser Stelle noch ein Blick auf die Assistenten geworfen, die natürlich all das können, was andere können: die Spur halten und den Lenkvorgang für eine gewisse Zeit selbst übernehmen, die Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann auch im Stau halten, selbständig bremsen oder das Tempo entsprechend der über die Frontkamera erkannten Verkehrszeichen anpassen. Die wichtigste Eigenschaft ist aber, dass die Helferlein im Touareg in einer permanenten Habachtstellung sind. Das heißt, während die Systeme anderer Hersteller vor Kurven oder Kreuzungen das Tempo nur bei aktivierter Navigation anpassen, gibt es beim Wolfsburger SUV vorausschauend immer ein Vibrieren im Gaspedal. Das ermahnt den Fahrer, neben einem Piktogramm im Zentraldisplay, den Fuß vom Gas zu nehmen, weil sich die Geschwindigkeit ändert, ein Stau oder anderes Ungemach droht.

Apropos Stau. Wer hier das Navi in Gebrauch hat, der profitiert zudem von einer Echtzeitberechnung, die dafür sorgt, dass man ohne großen Zeitverlust um die stehenden Autos navigiert wird. Das funktionierte jedenfalls im Rahmen des Tests besser als bei Systemen anderer Hersteller. Einen guten Eindruck hinterließ auch die Verarbeitungsqualität des Touareg. Seien es die Spaltmaße an der Außenhaut, auf die seinerzeit VW-Chef Martin Winterkorn so viel Wert legte, oder die Verarbeitung im Innenraum, die sich wie der VW insgesamt nicht hinter der Premiumkonkurrenz verstecken muss. Dabei ist der Hesse seinem Name entsprechend und gemessen am Preisniveau der Mitbewerber weiter ein Volkswagen. Der Testwagen schlägt mit allen erwähnten technischen Beigaben, mit 94.670 Euro zu Buche. Schließlich reiht sich der Touareg dann auch ganz klar bei den Premium-Mitbewerbern ein. Eine Mercedes GLE oder ein BMW X5 dürften ähnlich ausgestattet nicht deutlich mehr kosten. Insofern ist der VW dann doch wieder nur beim Einstiegspreis ein Volkswagen.

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Die separat verstellbare Rückbank schafft 810 Liter Stauraum im Gepäckabteil des VW Touareg.

(Foto: Holger Preiss)

Fazit: Trotz der konsequenten Ausrichtung auf die E-Mobilität bleibt VW im Touareg dem Diesel, der natürlich die Euro-6d-Temp-Norm erfüllt, treu. Das ist für ein SUV dieser Größe konsequent. Porsche beweist nämlich gerade, dass benzingetriebene SUV dieser Größenordnung fast das Doppelte verbrauchen und dementsprechend auch andere Schadstoffwerte ausweisen. Allerdings ist der Touareg mit einem Einstiegspreis von 62.305 Euro ein Volkswagen. Mit den begehrenswerten Sonderausstattungen für insgesamt 32.365 Euro wird er zum Premium-Auto und ist ganz gewiss kein Schnäppchen mehr. Aber wer ihn fährt, wird schnell merken, dass er nach der Langstrecke ruft und erst nach über 900 Kilometern an die Zapfsäule muss. An der ist er übrigens nach fünf Minuten wieder fahrbereit, um die selbe Distanz erneut zu bewältigen.

DATENBLATTVW Touareg V6 TDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,88 m/ 1,98 m/ 1,70 m
Radstand2,90 m
Leergewicht (DIN)2290 kg
Anhängelast3500 kg
Sitzplätze5
EmissionsklasseEU 6d-Temp
Motor/HubraumV6-Diesel mit 2967 ccm Hubraum
GetriebeAchtgang-Automatik
Leistung286 PS (210 kW) bei 5250 U/min
KraftstoffartDiesel
Kofferraum810 - 1800 Liter
Höchstgeschwindigkeit235 km/h
max. Drehmoment600 Nm bei 2250 - 3250 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h6,1 s
Normverbrauch (kombiniert) NEFZ6,6
Testverbrauch7,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
173 g/km
Grundpreis62.305 Euro
Preis des Testwagens94.670 Euro

Quelle: n-tv.de

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