Praxistest

Leider Geil Yamaha MT-07 wird ihrem Ruf gerecht

DSC_0079.JPG

Die Yamaha MT-07 gehört seit Jahren zu den meistverkauften Motorrädern in Europa. Und das hat seine Berechtigung.

(Foto: Holger Preiss)

Auf der Suche nach dem ultimativen Einsteigerbike kommt man an der Yamaha MT-07 nicht vorbei. Zu laut ist der Jubel über die Japanerin seit ihrem Erscheinen im Jahr 2013. Aber kann sie auch im Test auf n-tv.de überzeugen?

DSC_0158.JPG

Die Yamaha MT-07 ist nicht nur für Einsteiger ein ideales Motorrad.

(Foto: Holger Preiss)

Der Autor ist der Leserschaft noch ein Einsteigermotorrad schuldig. Wobei - und das muss mal deutlich gesagt werden - die hier beschriebenen Bikes mit Leistungen von 75 bis 90 PS auch für erfahrene Motorradfahrer eine Alternative sein können. Denn träge ist keines der Motorräder und einen entsprechenden Spaßfaktor bieten alle. Aber besonders die noch ausstehende Yamaha MT-07. Seit 2014 auf dem Markt, liegt sie im Segment der Nakeds ganz vorne in den Verkaufszahlen. Ein entscheidender Grund dürfte hier das Preis-Leistungs-Verhältnis sein. Für 6975 Euro gibt es ein Motorrad, das im letzten Jahr ein kleines, aber feines Facelift bekommen hat, zu dem auch gehört, dass jetzt die Zugstufe am hinteren Federbein verstellt werden kann.

Super Antritt

Das ist aber nicht die einzige Beigabe: Hinzu kommt ein nunmehr dunkel eingefärbter Luftfilter. Vorteil: Fliegenkadaver, die nach der Hatz an dieser Stelle zu finden sind, bleiben nicht als Farbfleck für immer dort hängen, sondern sind schlicht nach dem Entfernen nicht mehr zu sehen. Aber auch der ganz normale Grauschleier verschwindet hinter der Farbe. Zudem sorgt eine neu geformte Sitzbank für einen beim Vorgänger nicht so gegebenen Langstreckenkomfort und eine schlüssigere Verbindung zwischen Knie und Tank. Ansonsten ist die Sitzposition in 805 Millimetern Höhe für Menschen bis 1,85 Meter ziemlich passgerecht.

DSC_0088.JPG

Wer die Offenbarung der Yamaha MT-07 im Sound sucht, der wird sie nicht finden.

(Foto: Holger Preiss)

Wer jetzt glaubt, dass die durch den Paralleltwin mit 270 Grad Hubzapfenversatz bereitgestellten 75 PS nicht reichen würden, der irrt. Fahrbereit wiegt die MT-07 lediglich 182 Kilogramm und im Solobetrieb schießt die Yamaha in 3,8 Sekunden auf Tempo 100. Obacht also, wenn auf der gegenüberliegenden Seite der Ampelkreuzung ein Blitzer steht. Der könnte schon ein Zielfoto machen, bevor das Rennen richtig begonnen hat.

Druck und Führung

Auf dem Weg zur Endgeschwindigkeit klickt der linke Fuß die präzise einrastenden Gänge mit wachsender Begeisterung nach oben. Wer die Drehzahlen beim Schalten zwischen 4000 und 5000 Umdrehungen hält, wird beim Gang in den Topspeed-Bereich, der bei über 200 km/h liegt, keinen Verzug spüren. Aber Achtung: Die MT-07 ist ein Leichtgewicht und wer sich dem Geschwindigkeitsrausch hingeben will, muss mitarbeiten. Zum einen zwingt der Fahrtwind zur Vorlage, zum anderen wird die Vorderhand etwas unruhig und verlangt nach mehr Druck und Führung.

DSC_0296.JPG

Die Yamaha MT-07 liebt den schnellen Ritt über die Autobahn, aber noch mehr kurvenreiche Landstraßen.

(Foto: Holger Preiss)

Das MT im Namen der Japanerin steht bekanntermaßen für "Masters of torque". Und das gilt in jedem Gang. Wer das Gas beim Schalten richtig aufreißt, kann sogar noch beim Übergang von Stufe fünf in Stufe sechs ein Wheelie hinlegen. Bis 10.000 Kurbelwellenumdrehungen lässt sich der Zweizylinder ausfahren, bis er in den Begrenzer kracht. Kurven fährt man mit der Yamaha besser immer unter Zug, also einen Gang tiefer. Das hat den Vorteil, dass man die Motorbremse am Kurveneingang feiner dosieren und die 68 Newtonmeter maximales Drehmoment, die bei 6500 Kurbelwellenumdrehungen anliegen, am Kurvenausgang mit wenig Aufwand am Gasgriff auf die Kette legen kann.

Bridgestone BT 023 heiß auf Asphalt

Aber Vorsicht: Wer wirklich mit maximalem Druck aus der Kehre schießen will, sollte dafür sorgen, dass der Asphalt dank der Sommerhitze glüht oder die Serienbereifung in Form des Bridgestone Battlax BT 023 ordentlich auf Temperatur gebracht wurde. Andernfalls lässt die Haftung zu wünschen übrig. Eine häufig in Foren bemerkte "Kippligkeit" konnte hier im Test nicht festgestellt werden. Ist der Gummi warm, lässt sich die MT-07 beherzt durch Wechselkurven jagen. Aber auch in der Stadt macht die agile Yamaha eine extrem gute Figur und lässt gar manche Rollerkollegen im wuseligen Großstadtverkehr alt aussehen.

DSC_0178.JPG

Mit dem Facelift gab es nicht nur straffere Dämpfer, sondern auch eine neue Scheinwerfermaske für die Yamaha MT-07.

(Foto: Holger Preiss)

Ansonsten liegt die Japanerin dank der strafferen Dämpferabstimmung und der Erhöhung der Federrate an der Telegabel im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich stabiler auf der Straße. Das gilt auch für harte Bremseingriffe, bei denen die MT-07 weitaus weniger stark nach vorne abtaucht. Wenn dennoch mal ein harter Schlag an den Piloten ausgeteilt wird, kann es nur an einer deftigen Querfuge oder einem entsprechenden Schlagloch liegen. Wer natürlich auf der Suche nach einem Motorrad mit reichlich Elektronik-Spielereien ist, der wird bei der MT-07 nicht fündig. Das ABS ist Standard und das ist auch gut so, denn die Zangen hacken auf Wunsch ordentlich in die Doppelscheibe vorn mit 285 Millimetern Durchmesser und die 245er Einzelscheibe am Hinterrad. Wer hingegen Feature wie Traktionskontrolle, Schräglagensensoren, unterschiedlich Fahrmodi, Quickschifter und andere Spielereien sucht, ist hier falsch.

Mehr als andere im Dashboard

DSC_0104.JPG

Das Display liefert mehr Informationen als viele Anzeigen der Konkurrenz.

(Foto: Holger Preiss)

Ebenso auf dem Holzweg ist, wer hier einen exorbitanten Sound aus dem schicken Stummelauspuff erwartet. Die Japanerin hält sich hier eher vornehm zurück und überrascht die Mitbewerber auf der Straße durch ihren dynamischen Auf- und Antritt. Wer also ein Bike mit voluminösem Klangkörper sucht, der wird bei der Konkurrenz eher etwas Passendes finden oder muss sich einen entsprechenden Klangverstärker an das Endrohr zimmern lassen.

Trotz des Niedrigpreis-Angebots schafft es Yamaha im Gegensatz zu anderen Herstellern, eine Schaltinformation in das Dashboard zu zaubern. Natürlich gibt es auch ein Drehzahlband, Uhrzeit und wahlweise Außen- oder Motortemperatur, einen Tages- und Gesamtkilometerzähler, eine Momentanverbrauchsanzeige und eine für den Durchschnitt. Das ist alles nicht ganz unwichtig, denn die ebenfalls vorhandene Tankanzeige - in Form von Balken - ist allenfalls für Schätzwerte gut. Viel zu häufig meint sie den 14 Liter fassenden Tank für leer befinden zu müssen, obgleich er doch noch halb voll ist.

Insgesamt liegt die Informationsdichte aber weit über dem, was die Konkurrenz in diesem Segment anbietet. Schade nur, dass man das gut ablesbare Monochromdisplay nur ins Auge bekommt, wenn man den Kopf während der Fahrt nach unten neigt. Ein Umstand, der gerade für Fahranfänger nicht von Vorteil ist.

Fazit: Die Yamaha MT-07 ist auch in ihrer Neuauflage ein absoluter Preis-Leistungs-Kracher. Mehr Motorrad braucht es eigentlich nicht und wenn doch, dürfte einiges von der Universalität verloren gehen. Denn die Yamaha taugt für das Angasen ebenso wie für die Kurvenhatz, den Stadtlauf und die gepflegte Langstreckenfahrt. Mehr bietet für 6795 Euro kein anderes Bike in dieser Liga.

DATENBLATTYamaha MT-07
Gesamtlänge2085 mm
Radstand1,40 m
Sitzhöhe805 mm
Gewicht fahrbereit182 kg
Max. Zuladung173 kg
Räder und BereifungBridgestone Battlax BT 023 in 120/70 ZR17 vorne und
180/55 ZR17 hinten
Federweg Vorn/hinten130 / 130 mm
Lenkkopfwinkel24º 50
Nachlauf90 mm
Motor2-Zylinder-Motor, 4-Takt, Flüssigkeitsgekühlt, DOHC, 4 Ventile mit 689 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang manuell
Systemleistung55,0 kW (74,8PS) bei 9000 /min
KraftstoffartBenzin
Tankvolumen14 Liter
max. Drehmoment68,0 Nm bei 6500 U/min
Durchschnittsverbrauch nach WMTC4,3 Liter
Testverbrauch5,1 Liter
AbgasreinigungEU4
Grundpreis6795  Euro
Preis des Testmotorrads mit Überführung7145  Euro

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema