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Rathgeber Fine Hotels Ein Traditionshotel in Düsseldorf schwächelt bei Kleinigkeiten

04.10.2026, 07:33 Uhr
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Das "Lindner Hotel Düsseldorf Seestern" war das erste der Lindner-Gruppe. (Foto: ©Lindner Hotels)

Am Düsseldorfer Seestern liegt das 1973 eröffnete "Lindner Hotel" und damit die Wurzeln der Lindner-Gruppe, heute Teil der Hyatt-Welt. Auf dem Papier bringt das Businesshotel vieles mit, doch bereits vor der Tür bröckelt der Eindruck.

Eines gleich vorweg: Wer in der Düsseldorfer Innenstadt Geschäfte machen will, für den ist das "Lindner Hotel Düsseldorf Seestern" nicht unbedingt die erste Wahl. Das Haus liegt linksrheinisch im Stadtteil Lörick und damit einige Kilometer vom Zentrum entfernt. Wer morgens einen Termin auf der Königsallee oder rund um die Innenstadt hat, muss also Zeit für den Weg einplanen. Die nächstgelegene U-Bahn-Station "Am Seestern" liegt rund 500 Meter entfernt. 

Das ist zunächst kein Makel, sondern eine Frage des Reisezwecks. Denn der Seestern ist selbst einer der großen Bürostandorte Düsseldorfs. Zahlreiche Unternehmen haben sich hier angesiedelt, und wer dort geschäftlich zu tun hat, wohnt im Lindner praktisch. Das Haus ist also weniger klassisches Cityhotel als ein Businesshotel für einen dezentralen Bürostandort.

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Die Junior Suite ist in angenehmen Naturfarben gehalten. (Foto: ©Lindner Hotels)

Für Lindner selbst ist dieser Standort allerdings weit mehr als irgendeine Adresse. Hier liegen die Wurzeln der Hotelgruppe: 1973 gründete Otto Lindner die Rheinstern-Hotel GmbH, das Rheinsternhaus am Seestern wurde zum Ausgangspunkt der späteren Lindner Hotels. Ein halbes Jahrhundert später befindet sich das Unternehmen in einer anderen Phase seiner Geschichte. 2022 vereinbarte die familiengeführte Hotelgruppe eine strategische Kooperation mit Hyatt; seit 2023 werden zahlreiche Lindner-Häuser unter der Marke JDV by Hyatt vermarktet und sind in das Loyalitätsprogramm World of Hyatt eingebunden. Das Düsseldorfer Haus trägt deshalb heute den etwas sperrigen Namen "Lindner Hotel Düsseldorf Seestern – JDV by Hyatt".

Die Hardware: klar auf Business ausgerichtet 

Dass Geschäftsreisende zur Kernklientel gehören, merkt man spätestens beim Blick auf die Hardware. Das markante Hochhaus hat 264 Zimmer und Suiten; in den oberen Etagen reicht der Blick über Düsseldorf und den Rhein. Besonders stark ist das Tagungsgeschäft ausgebaut: 16 Veranstaltungsräume für bis zu 250 Personen stehen zur Verfügung, der größte misst rund 325 Quadratmeter. Hinzu kommen kleinere, informeller gestaltete Boardrooms und das "Denkquartier", ein Konferenzbereich mit sieben Räumen und großem Foyer.

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Die "Ideenlaube" gehört zu den Tagungsräumen des Hauses. (Foto: ©Lindner Hotels)

Für den Ausgleich nach dem Arbeitstag gibt es einen Fitness- und Wellnessbereich mit Trainingsgeräten und Sauna. Gastronomisch bietet das Hotel ein Restaurant und ein Bistro; in der 19. Etage sitzt die bekannte "Otto’s Skybar" samt Terrasse und weitem Blick über die Stadt. Dort befinden sich auch besondere Zimmerkategorien, darunter ein 72 Quadratmeter großes Studio sowie eine 92 Quadratmeter große Wellness Junior Suite mit eigener Sauna, Whirlpool-Badewanne und Dachterrasse. 

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Auf dem Papier bringt das Lindner damit vieles mit, was ein Businesshotel braucht: eine große Tagungskapazität, Gastronomie, Fitness und Rückzugsmöglichkeiten nach einem langen Arbeitstag. Doch bei einem Hotelaufenthalt entscheidet sich Qualität nicht nur auf dem Papier. Oft sind es gerade die vermeintlichen Kleinigkeiten, die zeigen, wie aufmerksam ein Haus geführt und gepflegt wird.

Schon draußen beginnt das Problem 

Und da beginnen die Zweifel bereits vor der Eingangstür: Der Außenbereich fällt negativ auf. Zwischen den Pflastersteinen wächst das Unkraut hoch, ein kleiner Baum in einem Kübel ist vertrocknet. Leere Softdrink-Dosen liegen herum, ein E-Scooter steht ungeordnet vor dem Gebäude. Für sich genommen mag jeder dieser Punkte eine Kleinigkeit sein. In der Summe entsteht jedoch ein ungepflegter erster Eindruck – und damit genau das Gegenteil dessen, was ein Hotel bei der Ankunft vermitteln sollte. 

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Der Außenbereich wirkt an manchen Stellen ungepflegt. (Foto: ©Carsten K. Rath)

Gerade bei einem Businesshotel ist das bemerkenswert. Geschäftsreisende verbringen möglicherweise nur eine Nacht im Haus und haben wenig Zeit; entsprechend stark wirken die wenigen Kontaktpunkte. Zufahrt, Eingang und Lobby sind die Visitenkarte eines Hotels. Wenn bereits vor der Tür der Eindruck entsteht, dass sich niemand verantwortlich fühlt, lässt sich das durch eine umfangreiche Tagungsausstattung nur schwer auffangen.

Carsten K. Rath

Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Gütesiegels "Fine Hotels ntv" (www.fine-hotels.de) im deutschsprachigen Raum, ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für ntv.de schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. 

Als meine Zimmerkarte ihren Dienst versagt, gehe ich zurück zur Rezeption. Der Ton dort ist freundlich, die Erklärung allerdings erstaunlich: "Das haben wir öfter, die Geräte sind halt sensibel." Die neue Karte funktioniert, das Problem ist erledigt. Hängen bleibt trotzdem die Frage, warum ein offenbar bekanntes Problem so achselzuckend hingenommen wird.

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"Otto’s Skybar" samt Terrasse und weitem Blick über die Stadt. (Foto: ©Lindner)

Mein Zimmer selbst? In Ordnung. Bei einem Übernachtungspreis von 99 Euro darf man die Erwartungen sicher in Relation setzen. Aber auch ein günstiger Preis entschuldigt nicht alles. Muss das Kopfkissen so hart sein? Und der Balkon etwa bietet einen schönen Blick über den Rhein – könnte aber trotzdem mal wieder Bekanntschaft mit einem Putzlappen machen. 

Unterm Strich bringt das Lindner Hotel Düsseldorf Seestern einiges mit, was ein Businesshotel ausmacht. Doch eine umfangreiche Hardware allein reicht nicht, wenn es an Aufmerksamkeit für die vermeintlich kleinen Dinge fehlt. Gerade Sauberkeit, Pflege und ein reibungsloser Ablauf sind keine Kür, sondern die Basis eines überzeugenden Hotelaufenthalts. Hier hat das traditionsreiche Haus am Seestern noch Luft nach oben.

Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet)

  • Ganz großes Kino

  • Wenn’s nur immer so wäre

  • Meckern auf hohem Niveau

  • So lala, nicht oh, là, là

  • Besser als unter der Brücke

  • Ausdrückliche Reisewarnung

Daten und Fakten

  • Das Lindner Hotel Düsseldorf Seestern – JDV by Hyatt liegt im linksrheinischen Stadtteil Lörick, mitten im Bürostandort Seestern.  

  • Der Zimmerpreis beim Testbesuch betrug 99 Euro für eine Nacht im Standardzimmer.  

  • Das Hotel verfügt über 264 Zimmer und Suiten.  

  • Der Konferenzbereich umfasst 16 Tagungs- und Veranstaltungsräume für bis zu 250 Personen; der größte Raum misst rund 325 Quadratmeter.  

  • Zur Ausstattung gehören ein Fitness- und Wellnessbereich mit Sauna sowie Otto’s Skybar in der 19. Etage.

  • Die U-Bahn-Station Am Seestern ist rund 500 Meter vom Hotel entfernt; von dort besteht Anschluss in Richtung Düsseldorfer Innenstadt.  

  • Der internationale Flughafen Düsseldorf liegt je nach Route rund zehn Kilometer entfernt. 

Quelle: ntv.de

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