Unterhaltung

Gesellschaftspolitik statt Weiberkram 20 Jahre "ML Mona Lisa"

Mit Kochen und Mode fing alles an. Als das ZDF-Frauenjournal "ML Mona Lisa" am 17. April 1988 auf Sendung ging, bereitete Meisterkoch Paul Bocuse im Studio Roastbeef mit Zwiebeln zu. Von langer Dauer waren die vermeintlichen Frauenthemen jedoch nicht - zu groß war die Kritik. In Zeiten heiß diskutierter Themen wie Abtreibungsparagraf 218 oder Kampf um gleiche Rechte im Beruf setzte die Redaktion unter der Journalistin Maria von Welser bald auf Politisches. Viele Themen der ersten Jahre seien noch heute Dauerbrenner und genau so aktuell und spannend, sagt von Welser - "nicht nur für Frauen. Es gibt in Deutschland auch Männer, die sich für Frauen interessieren".

Ihre Nachfolgerin Barbara Dickmann setzt diese Linie seit 2003 fort: Weiberkram sei die Sendung nie gewesen. "Früher war es auch schon ein politisches Magazin, aber es war nur auf ein weibliches Publikum ausgerichtet", erklärt die 65-Jährige. Inzwischen sei es ein gesellschaftspolitisches Magazin mit dem Fokus auf Frauen. Auch viele Männer schalteten am Sonntag um 18.00 Uhr ein. In einer Zeit, in der viele Probleme nur gemeinsam zu lösen seien, müssten sie mit einbezogen werden.

Aufsehen erregende Sendungen

Für die Sondersendung "20 Jahre Mona Lisa" am kommenden Sonntag um 18.00 Uhr sind Dickmann und Moderatorin Susanne Kronzucker mit einem Bus durch Deutschland gefahren. Für ihre Zeitreise zu wichtigen Stationen der vergangenen 20 Jahre haben sie auch Interviews geführt, etwa mit Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (beide CDU).

Etliche "Mona Lisa"-Sendungen haben für Aufsehen gesorgt, das ZDF spricht von "Meilensteinen". So habe das Bundesjustizministerium 1992 einen Entwurf für ein Gesetz gegen Kinderpornografie nach einer Sendung noch einmal überarbeitet. 2006 seien Dickmann und eine Kollegin nach einem Bericht über Leukämie bei Kindern rund um das Atomkraftwerk Krümmel und das Kernforschungszentrum in Geesthacht vom niedersächsischen Landtag eingeladen worden.

"Wir haben Themen, die lange recherchiert werden, die den Finger in die Wunde legen, Missstände aufdecken und verändern, Frauen darauf aufmerksam machen, da läuft etwas schief", sagt Dickmann. Früher ging es oft um Frauenrechte. Diesen rein emanzipatorischen Ansatz wollten Frauen aber nicht mehr - denn sie haben viel erreicht. "Die Frauen haben heute zu allen Bildungseinrichtungen Zugang. Sie haben alle Berufschancen", stellt Dickmann fest. "Dass sie dann stecken bleiben irgendwo in der mittleren Karriere-Etage und es ganz schwer ist, in die Führungsspitze aufzusteigen, das ist eine Tatsache und daran muss man etwas ändern." Das beschäftigt auch von Welser: "Nur 16 Prozent der Präsidentenstühle in den Hochschulen sind von Frauen besetzt und 6 Prozent der Führungspositionen in der Wirtschaft", bedauert die 61- Jährige.

Vorreiterin Dickmann

Dickmann sieht sich als Vorreiterin. 1979 sorgte sie als erste Moderatorin der ARD-"Tagesthemen" für Aufsehen. "Als ich angefangen habe, da gab es noch große Widerstände gegen Frauen als Repräsentantinnen in politischen Magazinen. Vor allem natürlich durch die Männer - und die waren in den Schlüsselpositionen und konnten bestimmen", erinnert sich die kämpferische Journalistin. Zufrieden ist sie mit der Gleichberechtigung im Fernsehen aber nicht: "Frauen moderieren zwar, aber in der Führungsebene sind immer noch Männer."

Künftig soll das von Marina Ruperti und Susanne Kronzucker moderierte Journal Jüngere anlocken, auch über das Internet. "Dieser Spagat zwischen ganz jungen und älteren Zuschauerinnen zu schaffen, ist eine unserer Herausforderungen der Zukunft", erklärt Dickmann und setzt auf ihre Redaktion. "Wenn also eine jüngere Kollegin kommt und sagt, der Beitrag ist aber ein bisschen zopfig, dann werden wir da schon hellhörig und versuchen, das zu ändern."

Barbara Dickmann wird sich zum 1. Juli als Redaktionsleiterin verabschieden. "Als bekennender Workaholic beschäftigt mich schon die Frage, was kommt danach. Aber inzwischen liegen schon so viele Anfragen vor, dass ich sicher keine Zeit haben werde, die Füße hochzulegen", sagt sie und erzählt von einem Film, der auf einer Geschichte von ihr basiert und in rund einem Jahr gedreht werden soll.

Von Cordula Dieckmann, dpa

Quelle: n-tv.de