Unterhaltung

Musikerin der Stunde Adele: Phänomen oder Produkt?

2012-02-13T000803Z_01_LOA63_RTRMDNP_3_GRAMMYS.JPG8878271084367904173.jpg

(Foto: REUTERS)

330v1646.jpg6312022117561790180.jpg

Große Freude bei Adele!

(Foto: dpa)

Ja, wow, sie hat diesen Hintern, sie hat irre viele und auftoupierte Haare, die Wimpern sind auch länger als normal, und ihre Stimme? Die ist auch größer als die der anderen Ladies. Nach dem Tod von Amy Winehouse und Whitney Houston und nach sechs Grammys an einem Abend steht fest: A new Star is born! Nochmal!

Nachdem im November letzten Jahres klar war, dass Adele sich einer Stimmband-OP unterziehen musste, sie diese dann auch durchführen ließ und sich in "Rehab" begab, achteten ihre Fans wie Löwenmütter darauf, dass die Künstlerin auch ja nicht raucht.

32z13704.jpg2379004175203151773.jpg

Große Kuscheldecke.

(Foto: dpa)

Als Stil-Papst Karl Lagerfeld vor Kurzem andeutete, dass die junge Britin ja ganz süß sei, aber ein bisschen zu fett, ging ein Sturm der Entrüstung los und überall wurde man aufgefordert, Lagerfeld und Chanel, für die der Modeschöpfer entwirft, zu boykottieren. Das tapfere Schneiderlein mit der flinken Zunge entschuldigte sich flugs und beschwerte sich nun seinerseits, dass er falsch und aus dem Zusammenhang zitiert wurde. Schließlich wisse er am besten, wie es ist, 30 Kilo mehr auf den Hüften zu haben. Außerdem sei ihr Gesicht wunderschön und ihre Stimme gigantisch.

Niemand - nobody, personne!! - kann es sich momentan leisten, etwas gegen die 23-Jährige aus London zu sagen. Dabei ist sie selbst ganz herrlich nüchtern und realistisch: "Ich muss so aussehen, um Erfolg zu haben", sagt sie dann zum Beispiel, und: "Ich will kein dünnes Mäuschen sein, das seine Brüste zeigt."

Darf's ein bisschen mehr sein?

Ein dünnes Mäuschen - nee, das passt wirklich nicht zu ihr. Obwohl die anderen, mit denen sie gerne in eine Schublade gesteckt wird - Amy Winehouse, Duffy, Lilly Allen, Kate Nash, inzwischen vielleicht sogar Lana del Rey und Dionne Bromfield  - alle nur halbe Portiönchen sind bzw. waren. Und die haben auch diese Wahnsinns-Stimmen und - sind lange nicht so erfolgreich wie Adele. Allein die sechs Grammys, die sie gerade abgeräumt hat, lassen die Frage zu: Wo stellt sie den ganzen Krempel bloß hin? Seit 2009 war sie elf Mal für den Grammy nominiert, gewonnen hat sie ihn acht Mal, dazu kommen noch die MTV Europe und MTV Video Music Awards.

2012-02-13T000644Z_01_LOA215_RTRMDNP_3_GRAMMYS.JPG326089910931518351.jpg

Großer Look.

(Foto: REUTERS)

Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene schwärmen für sie, Hautfarbe und sexuelle Orientierung egal, sie alle lieben "Ädell"! Also, was hat sie, was andere nicht haben? Ist es, dass sie irgendwie ungekünstelt erscheint, auch wenn sie sehr zurechtgemacht ist? Weil sie keine Tänzer braucht, kein Feuerwerk und keinen Ausschnitt bis zum Bauchnabel? Und weil sie so wirkt, als würde sie ihr Gegenüber ernst nehmen, nimmt man auch sie ernst? Vielleicht liegt es auch daran, dass sie so eine tiefe, warme Stimme hat, die so voll und nach Erfahrungen klingt.

Zugute halten kann man ihr auch, dass sie ihre Texte selbst schreibt. Man glaubt ihr jedes Wort. Das war jetzt auch bei der Grammy-Verleihung zu sehen: Alles dort war sorgfältig inszeniert, selbst die Trauer. Aber die Freude und die Rührung und den Stolz, sechs Grammys in den Armen zu  halten - das kann man nicht einstudieren, das überwältigt einen wie eine Riesenwelle. Vielleicht ist es das Rezept der Adele Adkins, dass sie nicht komplett in eines dieser üblichen Raster passt: entweder Justin-Bieber-haft glatt oder krampfhaft unangepasst, wie der eine oder andere - auch gerne ältere - Rocker. Neben Katy Perry und Rihanna jedenfalls sieht sie viel zu wuchtig aus, aber egal! Sie sitzt einfach nur da, oder steht, macht Musik und singt.

Das ist doch verrückt

Seit 18 Wochen steht "21" in den USA auf Platz Eins, in Deutschland war es das erfolgreichste Album des letzten Jahres. Nach ihrem ersten Auftritt seit einer komplizierten Stimmbandoperation im November stand das Grammy-Publikum nun auf, um die Siegerin des Abends zu feiern. "Danke, danke. Das ist doch verrückt", sagte sie mit den Trophäen in der Hand und konnte kaum sprechen vor Rührung. "Ich möchte jedem Radiomoderator danken, der mein "Rolling In the Deep" gespielt hat. Denn ich weiß, dass es nicht gerade ein Popsong ist." Aber kommt Pop nicht von populär? Genau, und populär ist ja noch ein viel zu schwacher Ausdruck für ihre Beliebtheit und die ihrer Songs.

Sechs Grammys an einem Abend - so viele hatte Whitney Houston in ihrem ganzen Leben gewonnen. Adele knackt anscheinend alle Rekorde - am schönsten wäre es aber, wenn sie nicht in die Fußstapfen von Amy und Whitney treten würde und sich weiterhin möglichst gesund verhält.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema