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"Sind nicht allein in Israel" Amos Oz - der literarische Riese Israels

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Amos Oz erlag einem Krebsleiden.

(Foto: imago/Leemage)

Der berühmte israelische Autor und Träger zahlreicher literarischer Auszeichnungen war ein führender Friedensaktivist seines Landes und Unterstützer der Zweistaatenlösung. Er verstarb nach kurzem Kampf an Krebs.

"Die große Mehrheit der Israelis und Palästinenser wissen, dass es eine Zweistaatenlösung geben wird. Der Frieden wird für beide eine schmerzhafte Angelegenheit werden, wie eine Amputation", sagte Amos Oz vor zehn Jahren der "Zeit". Nun ist der israelische Autor im Alter von 79 Jahren gestorben. Der 1939 in Jerusalem geborene Schriftsteller schrieb Dutzende hebräischsprachiger Bücher, darunter Romane, Novellen und Kurzgeschichten. Hinzu kommen rund 500 Essays für israelische und ausländische Zeitschriften. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Erzählungen "Black Box" und "Mein Michael" sowie das Sachbuch "Im Lande Israel".

Doch Oz war nicht nur ein Gigant unter Israels Autoren, sondern auch einer der führenden Friedensaktivisten des jüdischen Staates. Als einer der ersten Israelis, war er nach seiner Teilnahme am Sechstagekrieg 1967 ein Befürworter der Zweistaatenlösung, um den israelisch-palästinensischen Konflikt zu beenden. Schon im selben Jahr kritisierte er in der Arbeiterzeitung "Davar" unter der Überschrift "Land unserer Vorfahren", dass "selbst eine unvermeidliche Besatzung eine korrupte sei".

Nach seinen traumatischen Erfahrungen als Soldat im Jom-Kippur-Krieg 1973 gehörte Oz zu den Intellektuellen, die einen Ausgleich mit Ägypten forderten. Noch während der Friedensgespräche von 1978 zwischen den vormals verfeindeten Staaten war er Mitbegründer der Organisation "Frieden Jetzt (Peace Now)".

"Mein zionistischer Ausgangspunkt war immer einfach: Wir sind nicht allein in Israel und in Jerusalem und die Palästinenser sind es auch nicht. Wir können keine glückliche Familie werden", sagte Oz 2015. "Es gibt einen anderen Weg: Sie gehen nirgendwohin, wohin auch? Und wir haben nirgendwohin zu gehen. Das Haus sollte in zwei Familien aufgeteilt werden."

Bücher in 45 Sprachen übersetzt

Geboren als Amos Klausner, kam Oz schon seit frühester Kindheit mit der hebräischen Literatur in Kontakt. Sein Großonkel Joseph war ein berühmter israelischer Literatur- und Religionswissenschaftler, der 1948 sogar Kandidat der Konservativen bei der Wahl des ersten israelischen Staatspräsidenten war, dort aber Chaim Weizmann unterlag. Sein Vater Yehuda, der während seins Studiums in Jerusalem seine Mutter Fania kennenlernte, war ein berühmter Hebräist sowie Herausgeber verschiedener Sammlungen und Pamphlete.

Oz studierte Philosophie und Literatur an der hebräischen Universität von Jerusalem. Er begann ab 1961 im Alter von 22 Jahren seine Werke zu veröffentlichen. Ein Jahr zuvor heiratete er Nili Zuckerman, mit der er später drei Kinder haben sollte.

Oft galt er, dessen Bücher in 45 Sprachen übersetzt wurden, als Favorit auf den Literaturnobelpreis. Erhalten hat er die höchste Ehrung nie. Dafür eine ganze Reihe von Auszeichnungen aus dem In- und Ausland, darunter den Israelpreis, den Primo-Levi-Preis in Italien und den deutschen Goethepreis für "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis", welches eines der meistverkauften Prosabücher Israels ist. Geschrieben im autobiografischen Stil setzte er sich darin auch mit dem Selbstmord seiner Mutter auseinander, den er als Zwölfjähriger miterlebte. Dies hatte ihn veranlasst, mit 14 in den Kibbuz Hulda zu ziehen, wo er auch seinen Nachnamen in Oz - hebräisch für Stärke und Tapferkeit - änderte.

Rätselhafte Charaktere - endlose Fragen

Zu den im Werk erscheinenden Figuren gehört die Dichterin Zelda, eine Nachbarin der Familie Klausner in Jerusalem, die den jungen Amos unterrichtete. Das Buch wurde 2015 mit der israelisch-amerikanischen Schauspielerin Natalie Portman verfilmt, die auch Regie führte.

Seine strenge Kindheit in den Jahren des britischen Mandats in Palästina - geprägt von der Erinnerung an den Holocaust und der Kriegsgefahr für das von zwei Völkern beanspruchte Land - waren Hauptthemen seiner literarischen Werke. Doch drehten sich auch viele seiner Geschichten um das Kibbuzleben und das Erkunden der Beziehungen seiner Charaktere zum modernen jüdischen Staat. Seine fiktionalen sowie nicht-fiktionalen Werke untersuchen die menschliche Natur und stellen das Land und das Volk Israel sowie die damit einhergehenden politischen Feinheiten vor.

Sein zuletzt erschienener Roman "Judas" aus dem Jahre 2016 wurde für den Man Booker Prize nominiert. Abgesehen von einer Detektivgeschichte über Jesus und Judas war es ein typischer Oz-Roman, einschließlich rätselhafter Charaktere, der komplizierten Umgebung von Jerusalem und endlosen Fragen über den jüdischen Staat. Oz, der auch als Literaturprofessor an der Ben-Gurion-Universität in Be’er Scheva tätig war, lebte zuletzt in Arad westlich des Toten Meeres

Riviln: Ein literarischer Riese

Zum Tode Oz' sagte Israels Präsident Reuven Rivlin nun, dass er das Land in tiefe Trauer versetze. Den Verstorbenen nannte er "einen literarischen Riesen". Premierminister Benjamin Netanyahu würdigte ihn als einen der bedeutendsten Autoren in der israelischen Geschichte. Er fügte hinzu, dass er trotz unterschiedlicher Meinungen Oz' Beitrag zur hebräischen Sprache und Literatur sehr schätzte.

Auch Ayman Odeh, Vorsitzender der arabischen Partei "Vereinigten Liste", würdigte ihn als großen Menschen. "Ich habe Amos Oz mehrmals getroffen, und selbst wenn wir oft laut diskutierten, war er ein Partner, der für Gleichberechtigung, für die Beendigung der Besatzung und für den Frieden eintrat", sagte er. "Er hatte keine Angst, seine Meinung zu sagen und war ein außergewöhnliches Talent."

Erst vor wenigen Monaten hatte Oz in einem Interview mit dem deutschen Fernsehen gesagt: "Ich weiß nicht, was die Zukunft für Jerusalem bringen wird. Aber ich weiß, dass jedes Land der Welt Präsident Trumps Entscheidung folgen und seine Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen sollte. Gleichzeitig aber sollte jedes dieser Länder eine eigene Botschaft in Ost-Jerusalem als Hauptstadt des palästinensischen Volkes eröffnen."

Amos Oz wird als großer israelischer Schriftsteller in Erinnerung bleiben. Seine Werke haben Generationen von Israelis und Anhänger auf der ganzen Welt beeinflusst. Seine authentische und reiche Sprache, seine moralische Stärke sowie ein Gewissen für Gerechtigkeit und Frieden zu besitzen, werden sein ewiges Erbe sein.

Quelle: n-tv.de

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